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Messer- und Tomahawk-Wurf gehören zum Programm der „Apache-Live-Stunt-Show“ von Wolfgang Kring. Foto: phs

Wild Wild Radbruch

Radbruch. Die Westerngitarre im Ohr, den Duft von gegrilltem Steak in der Nase und die wild wirbelnden Hufe der Pferde im Blick – so wünscht sich ein Country-Fan seinen Pfingstsonntag. Beim Country-Fest in Radbruch kamen Fans der amerikanischen Lebenskultur am Wochenende wieder voll auf ihre Kosten.

Radbruch zieht bis nach Österreich

Zum 23. Mal veranstaltete der Country-Club Wild West das Festival mit Musik, Pferdeshows und Leckereien vom Grill. „Wir sind sehr zufrieden und wieder gut besucht“, sagt Hans-Jürgen Hinrichsen, 1. Vorsitzender des Vereins. Rund 5000 Besucher zählten die Veranstalter in den vergangenen Jahren, und auch diesmal zieht es wieder viele Gäste nach Radbruch. Aus ganz Deutschland kämen sie, sogar aus Österreich sagt Hinrichsen zufrieden. Das Fest ist inzwischen ein fester Termin im Kalender vieler Country-Freunde aus nah und fern. Dabei entstand die Idee zum Festival einst eher zufällig. „Man ist da irgendwie reingekommen. Wir sind damals zum Country-Spektakel an den Nürburgring gefahren“, erinnert sich Hinrichs. „Dann haben wir gedacht, wenn wir so viele Leute sind, können wir auch einen eigenen Verein gründen“ – und so begann alles.

Freund meldet Gefährtin für das Messerbrett

„Peng!“ – Der Knall des Gewehrs, das Wolfgang Kring gerade abgefeuert hat, lässt die Zuschauer zusammenzucken. „Die Waffen sind alle scharf“, hatte er Minuten vorher ins Mikrofon gebrummt – wirklich geglaubt hatte es ihm da vermutlich noch niemand. Mit wachsamen Augen verfolgen Klein und Groß die Apache-Live-Stunt-Show, die der Mann aus Mecklenburg-Vorpommern und sein Team präsentieren. Messer- und Tomahawk-Werfen gehört genauso zum Programm wie der Ritt durch einen Feuerreifen und der Sprung über brennende Balken. Seit 1985 ist Kring als Apache auf der Bühne, alle Pferde der Show wurden von ihm und seinem Team trainiert.

Was vertrauenswürdig klingt, macht Selda Salvador Pinto nicht sorgenloser, als sie Minuten später am Messerbrett steht. „Ich hätte nicht ja gesagt“, murmelt sie und schaut missmutig zu ihrem Begleiter, der die Hand in die Höhe gestreckt hatte, als Wolfgang Kring nach einer Freiwilligen suchte. Nun steht sie am Brett – möglichst regungslos – während der Apache ein Messer nach dem anderen im Holz versenkt. „Ich hatte schon ein bisschen Angst, auch, weil ich gesehen habe, dass er vorher nicht alles getroffen hat“, sagt Salvador Pinto nach ihrem Auftritt. Sie ist zum ersten Mal beim Country-Festival und gleich mittendrin.

Western-Bands aus Nordeuropa

So wünscht es sich Hans-Jürgen Hinrichsen: „Uns ist wichtig, dass für jeden etwas dabei ist.“ Deshalb setzt das Team nicht nur auf Stuntshows, sondern auch auf Reitpräsentationen und viele Attraktionen für die Kleinsten. „Mein persönliches Highlight ist die Musik, aber eigentlich ist das ganze Fest ein Highlight“, sagt Hinrichsen. Die Bands, sie kommen aus Dänemark, den Niederlanden, Schweden und Deutschland, sorgen für ordentliches Gewusel auf der Line-Dance-Tanzfläche.

Nahe der Bühne haben es sich auch Bärbel und Günther Landfeld gemütlich gemacht. Sie im Kleid, er mit Weste und Colt, sieht das Ehepaar aus, als sei es gerade aus dem Wilden Westen eingereist. Dabei war die Anreise der Country-Fans nicht ganz so lang: aus Vienenburg bei Goslar sind sie nach Radbruch gekommen. „Wir sind das erste Mal hier, ein Freund hat uns eingeladen“, sagt Günther Landfeld, der darauf besteht, Günni genannt zu werden. „Es ist weltklasse, ein Kompliment an die Organisatoren. So etwas muss man in Deutschland erst nochmal suchen“, sagt er voller Begeisterung. Warum die beiden das amerikanische Lebensgefühl so lieben? Ganz einfach: „Wir fühlen uns hier wie in einer großen Familie, es gibt wunderschöne Musik, wir treffen viele nette Menschen und haben einen tollen und entspannten Nachmittag“, sagt Günni.

So viel Lob – das dürfte auch Hans-Jürgen Hinrichsen und sein Team freuen. Denn sein Wunsch ist eigentlich nur einer: „Dass die Leute zufrieden nach Hause gehen, Spaß hatten und abschalten konnten.“

Von Anke Dankers