Aktuell
Home | Lokales | Frühes Ende der Pflanzkästen
Noch wird das Hochbeet vor dem städtischen Museum betreut, um die Pflanzen kümmern sich die Mitarbeiter (v.r.) Dr. Bettina Motschmann, Ursula Spohn, Silke Reischauer und Andreas Hellmuth. Foto: phs

Frühes Ende der Pflanzkästen

Lüneburg. So bunt wie ihr Inhalt, so bunt waren sie in der Stadt verteilt: 24 Holzkisten, jede zwei Meter breit und 85 Zentimeter hoch, haben im Sommer 2017 dem Lüneburger Stadtbild einen Hauch frischen Grüns verliehen. „Urban Gardening“, was so viel wie Gartenbau in der Stadt bedeutet, nennt sich die Initiative, Innenstädte durch Bepflanzen von Hochbeetkisten aufzuwerten. Doch so richtig fruchtete die Idee in Lüneburg nicht, jetzt zieht die Stadt sich von dem Projekt wieder zurück.

Insgesamt 24 Hochbeete waren aufgestellt worden

„Das Projekt hat sich nicht durchgesetzt, es gibt einfach zu wenig Nachfrage von Lüneburgerinnen und Lüneburgern, die sich dauerhaft und kontinuierlich um die Kästen kümmern möchten“, erläutert Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck die Entscheidung.

2016 wurde das „Urban Gardening“-Projekt von der Stadt zusammen mit den Kleingärtnervereinen begonnen, der Anstoß kam vom Lüneburger Bürgerverein. Die Bausätze für die Kisten wurden von der Jugendwerkstatt von job.sozial zusammengebaut, die städtische Tochtergesellschaft AGL sorgte für den Transport an die vorgesehenen Orte und ausreichende Bewässerung. 24 dieser Hochbeete wurden mit Unterstützung von Sponsoren angeschafft, neun davon an Paten in der Stadt verteilt. Die Kleingärten im Mini-Format fanden sich im Clamartpark, im Rathausgarten und an der Bastion am Liebesgrund. Die übrigen 15 gingen an die Kleingartenvereine und konnten dort von jedermann kostenlos genutzt werden.

Euphorie verblasste schnell

Ziel war es, Lüneburgern, Vereinen oder Institutionen einen Ort zu bieten, an dem sie Erfahrungen mit dem Selberpflanzen, -pflegen und -ernten machen konnten. Eine der Paten, die sich der Hochbeete annahmen, war die Awo-Kita an der Bastion, aber auch die Willkommens-Initiative Lüneburg hatte eine Pflanzkiste bei den Gartenfreunden Moorfeld unter ihre Fittiche genommen.

Doch die anfängliche Pflanz-Euphorie verblasste schnell. Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der Paten, die ein oder mehrere Hochbeete übernommen hatten und für deren Bepflanzung und Pflege verantwortlich waren, deutlich gesunken. Von den neun Kisten sind inzwischen nur noch fünf in der Nutzung – drei Kisten werden noch von der Awo-Kita betreut, zwei werden von den Museumsmitarbeitern vor dem Lüneburger Museum gepflegt.

Fortsetzung vielleicht bei „Lüneburg 2030+“

Lediglich die 15 Hochbeete in den Kleingärten stehen noch komplett zur Verfügung, obwohl man gerade dort dem Projekt eher mit gemischten Gefühlen begegnet war. „Wir hatten es damals nicht gerade herbeigesehnt. Aber jetzt, wo sie da sind, werden sie auch weiter bewirtschaftet“, sagt Sascha Rhein, Vorsitzender des Kleingärtner-Bezirksverbands Lüneburg.

Als gänzlich aufgegeben sieht Joachim Roemer die Idee des Urban Gardening in Lüneburg aber auch aus einem anderen Grund noch nicht. Der Lüneburger und Präsident des Landesverbands der Niedersächsischen Gartenfreunde sieht noch eine Chance, das Thema im Rahmen von „Lüneburg 2030+“ fortzusetzen. Darin widmen Leuphana-Studenten sich dem Teilprojekt „Grün wird bunt“, nach Roemers Ansicht eine passende Gelegenheit, weiter Flagge zu zeigen: „Bei diesem Thema sind alle gefordert, nicht nur die Stadt.“

Von Ulf Stüwe