Aktuell
Home | Lokales | Alte Lüneburger Kostbarkeiten
Im Haus An der Münze 3 sind Lüneburgs wohl älteste Deckenmalereien zu finden. Foto: t&w

Alte Lüneburger Kostbarkeiten

Lüneburg. Es sind Details, die einem Haus Charme verleihen. Die Türen gehören dazu. Ein Beispiel findet sich an der Ecke Bäcker-/Untere Schrangenstraße: Bis vo r ein paar Jahren ging man durch eine Mischung aus Aluminium, Plastik und Glas zu den in den oberen Stockwerken liegenden Praxen, heute gibt eine doppelflügelige Holztür dem Eingang Kontur. Ähnlich an der Papenstraße: Dort war bis vor drei Jahren ein Türbogen sogar zugemauert, bei der Restaurierung haben die Eigentümer den Eingang überarbeitet, zwei Türen unter Backsteinbögen wirken elegant.

Im neuen Heft „Denkmalpflege in Lüneburg 2018“ haben die Autoren um den Stadtarchäologen Egdar Ring wieder viele Beispiele zusammengetragen, die zeigen, mit welcher Mühe sich Lüneburger dafür einsetzen, ihre Häuser in der Tradition der alten Salz- und Hansestadt fortleben zu lassen.

Wer den Türen folgt, macht sich auf zu einem Stadtrundgang

Den Türen haben Cornelia Abheiden und Doreen Braun ein Kapitel gewidmet. Anhand von vielen Beispielen dokumentieren sie, wie ein Haus sein Antlitz verändert, wenn Türen restauriert oder eben nach altem Vorbild ausgetauscht werden. Das betrifft nicht nur Gebäude die Jahrhunderte alt sind wie in der Altstadt oder an der Schlägertwiete, sondern auch relativ junge Gebäude wie an der Schillerstraße im Roten Feld. Wer den Türen folgt, macht sich auf zu einem Stadtrundgang.

Architekt Martin Brüdigam erzählt über die Pfarrwitwenwohnungen, die sich Hinter der Bardowicker Mauer hinziehen. Sie sind Teil des 1235 gegründeten Franziskaner-Klosters, das im Zuge der Reformation 1530 verschwand. Heute nutzt unter anderem die Ratsbücherei einen Teil des Komplexes. Die Wohnungen dienten über die Zeit – belegt über Adressbücher mindestens seit 1860 – als Armen- und Obdachlosenunterkünfte. Nach umfangreichen Sanierungen nutzt die Kinder- und Jugendbücherei künftig zusätzlichen Platz. Kreisarchäologe Dietmar Gehrke beschäftigt sich mit mittelalterlichen Fibeln, also Gewandnadeln, welche die Kleidung zusammenhielten und schmückten.

Mit großem Aufwand restauriert

Im Mittelpunkt des Bandes steht das „Münzhaus des Rates“, das Gebäude An der Münze 3, das die Sparkasse mit großem Aufwand restauriert hat. 1293 hatte die Stadt das Münzrecht vom Landesherren erworben, erste gesicherte Hinweise für die Münze finden sich im Jahr 1433. Dendrochronologische Untersuchungen, also Holzproben, lassen sich auf das Jahr 1304 datieren.

Stadtarächologe Ring, aber auch die Architekten Gunnar Schulze und Heiner Henschke sowie der Restaurator Markus Tillwick beschäftigen sich mit der Historie. Tillwick kommt unter anderem zu dem Schluss, dass sich dort nach aktuellem Wissensstand Reste der ältesten bekannten Lüneburger Deckenmalerei befinden.

Von Carlo Eggeling

Das Heft des Vereins Stadtarchäologie ist im Buchhandel für 8 Euro erhältlich.