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Grundriss des geplanten Kita-Neubaus in Hohnstorf. Grafik: Gemeinde Hohnstorf

Nur eine Stimme mehr

Hohnstorf. Es dürfte einer dieser Abende gewesen sein, der dem Hohnstorfer Bürgemeister André Feit (CDU) schon im Vorwege unruhige Nächte verschaffte. Denn bei der Ratssitzung der Gemeinde stand ein Thema auf der Tagesordnung, das in Hohnstorf seit zwei Jahren für viele Diskussionen sorgt: der Neubau einer Kindertagesstätte.

Schon seit 2017 ist klar: die Kita, die aktuell für 75 Kinder ausgelegt ist, droht aus allen Nähten zu platzen und muss dringend erweitert werden. In welcher Form und zu welchen Kosten das passieren soll – dazu gab es immer wieder Streit. Zuletzt schaffte der Plan eines Neubaus es durch die Beschlüsse und in den Haushaltsplan für das laufende Jahr. Rund 1,31 Millionen Euro waren seinerzeit dafür kalkuliert worden.

Kostenschätzung steigt stetig

Inzwischen gibt es eine neue Kostenschätzung, die Architekt Rainer von der Born vom Ingenieurbüro Rolf Schröder den Ratsmitgliedern am Abend erläuterte. Sie beläuft sich auf insgesamt etwas mehr als 2,4 Millionen Euro. Da die Planer erst mit einer Ausschreibungsvergabe zum Jahreswechsel rechnen, könnten sich die Kosten nochmals um bis zu 10 Prozent auf etwa 2,6 Millionen Euro erhöhen. Um eine Kreditaufnahme in saftiger Höhe kommt die Gemeinde in keinem Fall herum.

Bei Kosten wie diesen blieb manchem Ratsmitglied die Luft weg. Annette Kork (CDU) merkte an, dass die Kosten für die Straßenzufahrt, Mobiliar oder Kinderwagen noch gar nicht in den Ausgaben berücksichtigt seien und fragt: „Wie soll unsere Gemeinde das alles finanzieren?“ Sie halte einen Kita-Neubau für richtig, jedoch nicht zu derart hohen Kosten.

90 Kinder in vier Gruppen

Einen tiefergehenden Blick auf das Konto der Gemeinde forderte auch Kevin-Brian Lühr (SPD), der Fehler im Etatentwurf bemängelte. Eine andere Herangehensweise brachte Andreas Köhlbrandt (SPD) auf den Tisch: „Wir haben immer noch die Möglichkeit, eine neue Krippe zu bauen und die jetzige Kita zu einem Kindergarten zurück zu bauen“.

André Feit kennt die Vorschläge und Bedenken: „Wir führen jetzt seit zwei Jahren eine Grundsatzdiskussion, ich kenne die Argumente schon auswendig. Fakt ist, wir müssen etwas tun“. Etwas tun – zum Beispiel für die fünf Kinder, die jetzt schon von der Hohnstorfer Kita wegen Platzmangels abgelehnt werden mussten. Und so präsentierte Rainer von Born erst einmal die inzwischen konkreten Pläne zum Bau. Auf insgesamt etwas mehr als 770 Quadratmetern Nutzfläche sollen vier Kita-Gruppen, und 15 Kinder mehr als bisher, Platz finden. Geplant sind vier Gruppenräume mit angrenzenden Bädern, ein Speisesaal, ein Bewegungsraum, ein Therapieraum, Schlaf- und Ruheräume, ein Kreativraum, Garderoben und Personalräume. Den Kindern soll außerdem eine Außenspielfläche von rund 3 000 Quadratmetern zur Verfügung stehen, die gegebenenfalls auch für weitere Anbauten genutzt werden könnte. „Da ist nicht viel Schnickschnack drin“, sagt der Architekt und beschreibt die Bauplanung mit Begriffen wie „konventionell“ und „klassisch“.

Sieben Ja- und sechs Nein-Stimmen

Bei der Frage, ob es aus dem Entwurf denn nun auch ein Bauantrag werden solle, steigt die Anspannung im Saal wieder und so richtet der Bürgermeister sein Wort nochmals gezielt an die Ratsmitglieder. „Ich möchte Sie aufrufen, Mut zu haben, denn nur der Mutige wird belohnt“, sagt er und verweist auf andere Bauprojekte wie etwa das Sportzentrum und einen Lebensmittelmarkt, die damals umstritten, heute jedoch nicht mehr wegzudenken seien. Er gebe Brief und Siegel darauf, dass es sich in Sachen Kita-Neubau ähnlich verhalte.

Die Opposition ließ sich von den Worten des Bürgermeisters jedoch nicht umstimmen. Sieben Ja- und sechs Nein-Stimmen winkten die Planentwürfe schließlich knapp in Richtung Bauantrag. Nun gehe es darum, Demokratie zu verstehen, sagt Feit. Er wolle nächstes Mal nicht wieder einen Antrag besprechen, indem es um Grundsatzentscheidung gehe.

Von Anke Dankers