Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Der Mehrweg-Coffee-to-go-Becher der Marke Recup ist in schon in vielen Orten zu haben. (Foto: be)

Ein Becher für Lüneburg

Lüneburg. Genüsslich unterwegs einen Kaffee zu schlürfen und hinterher den Becher einfach wegzuschmeißen ist vielleicht komfortabel, aber für die Umwelt ein Desaster. Allein in Deutschland sollen 320.000 solcher Einweg-Tassen im Müll landen – pro Stunde, schätzt die Deutsche Umwelthilfe. Und davon landen viele auch nicht im Mülleimer, sondern auf Straßen oder im Gebüsch. Dass sich das ändern muss, darüber sind sich alle einig. Doch wie?

Mathias Schneider von der Lüneburger Stadtmarketing, Sina Spachmann vom „Öko? Logisch“-Referat der Leuphana Universität Lüneburg und Heiko Meyer vom Lüneburger Citymanagement (LCM) wollen den „Recup“-Mehrwegbecher in der Hansestadt etablieren. (Foto: be)
In Lüneburg ist eine Lösung jetzt zum Greifen nahe: Der „Recup“-Becher kommt. Das ist ein Kunststoffbecher, den Kunden gegen einen Pfand von 1 Euro ausleihen – und nach dem Kaffeegenuss gegen den Euro oder einen frischen Becher eintauschen können. Und das in allen Cafés, die an dem „Recup“-System teilnehmen. Der benutzte Becher wird dann wieder ausgegeben, „natürlich nachdem er fachmännisch gespült wurde“, sagt Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburger Citymanagements (LCM). Zusammen mit dem „Öko? Logisch“-Referat des Allgemeinen Studierendenauschusses (AStA) der Leuphana Universität und der Lüneburger Stadtmarketing wollen sie die Mehrwegbecher in der Hansestadt etablieren. Ihr Ziel ist es, dass wirklich überall, wo es Getränke zum Mitnehmen gibt, der „Recup“-Becher zum Einsatz kommt. „Das macht das System ja attraktiv“, sagt Meyer, „wenn die Kunden ihren Becher überall abgeben können.“ „Recup“-Partnercafés gibt es viele in Deutschland: Fast 3000 nehmen bereits an dem Pfandsystem teil, um die 300 allein in und um Hamburg.

Keine Einwegbecher mehr an der Uni

Schon jetzt hätten zehn Gastronomen in der Stadt ihre Zusage gegeben, berichtet Meyer. Noch etwa zehn weitere seien nötig, damit „Recup“ anlaufen könnte. Dafür soll es am 11. Juli eine Infoveranstaltung im Lüneburger Rathaus geben, im Oktober würden dann die ersten Mehrweg-Becher ausgegeben werden können. „Mit 20 Partnern in Lüneburg würden wir 25.000 ‚Recup‘-Becher bestellen“, sagt Mathias Schneider von der Lüneburger Stadtmarketing. Alle Cafés, die an dem System teilnehmen, müssen neben den einmaligen Anschaffungskosten für die Becher auch eine „Systemgebühr“ von einem Euro pro Tag zahlen. „Dafür müssen sie aber eben deutlich weniger Einwegbecher kaufen“, sagt Meyer.

Letztere in der Innenstadt komplett aufs Abstellgleis zu verbannen, ist vorerst schwierig, da sind sich die die Initiatoren sicher. An der Uni soll das anders sein. „Wir wollen in Zukunft gar keine Einwegbecher mehr anbieten“, sagt Sina Spachmann vom „Öko? Logisch!“-Referat der Universität. Apropos Universität: Die Lüneburger „Recup“-Becher sollen die Skyline der Stadt als spezifisches Markenzeichen erhalten – und zwar inklusive Libeskind-Bau, da sind sich die drei einig.

Das Pfandleihsystem wird interessierten Unternehmen am Donnerstag, 11. Juli um 19 Uhr im Magistratszimmer des Lüneburger Rathauses (Eingang D, 1. Stock) vorgestellt, in einem Gespräch sollen Fragen beantwortet und die geplante Einführung des Systems besprochen werden.

Zur Sache

Kunststofftasse aus dem Süden

Das Münchener Unternehmen „reCup GmbH“ wurde im September 2016 gegründet, im März 2017 folgte die Fusion mit dem Berliner Pfandsystem „JustSwapIt“. Die jetzigen Becher sind aus Polypropylen und werden in Deutschland hergestellt. Kunden können sich auch passende Deckel zu den Bechern kaufen, die kein Teil des Pfandsystems sind.
In anderen Städten gibt es die „Recup“-Becher auch in unterschiedlichen Größen, in Lüneburg soll zunächst einheitlich ein 0,4-Liter-Becher ausgegeben werden.

Von Robin Williamson