Aktuell
Home | Lokales | Was qualifiziert sie eigentlich?
Zur Stichwahl treten an der Wirtschaftsingenieur und Industriekaufmann Steffen Gärtner (28) für die CDU und der IT-Unternehmensberater und Politikwissenschaftler Oliver Glodzei (48) für die Grünen. Fotos: t&w

Was qualifiziert sie eigentlich?

Reppenstedt. Die Wahlberechtigten in Gellersen sind am Sonntag, 16. Juni, erneut aufgerufen, über einen neuen Samtgemeindebürgermeister abzustimmen: Zur Stichwa hl treten an der Wirtschaftsingenieur und Industriekaufmann Steffen Gärtner (28) für die CDU und der IT-Unternehmensberater und Politikwissenschaftler Oliver Glodzei (48) für die Grünen. Im ersten Wahlgang am 26. Mai hatte Gärtner unter noch vier Bewerbern 49,26 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten, Glodzei kam als Zweitplatzierter auf 25,05 Prozent. Die LZ hat beiden verbliebenen Bewerbern schriftlich zehn Fragen gestellt. Die Kandidaten hatten für ihre Antworten insgesamt eine maximale Zeilenzahl als Vorgabe, die sie unterschiedlich verteilen durften.

Was qualifiziert Sie für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Gellersen?
Steffen Gärtner: Zunächst einmal arbeite ich gerne mit Menschen. Als Gemeindebürgermeister in Südergellersen habe ich fast fünf Jahre lang gezeigt, dass ich die Belange der Bürger aufnehmen und umsetzen kann. Als Wirtschaftsingenieur und Industriekaufmann kann ich nicht nur Politik, sondern habe auch in der freien Wirtschaft gearbeitet.
Oliver Glodzei: 25 Jahre Berufserfahrung, ein Studium der Politologie, eine Ausbildung und langjährige Erfahrung als Projektmanager, Personalführungserfahrung, zwei Wahlperioden in Samtgemeinderat und Gemeinderat, eine im Kreistag, zwei Jahre als stellvertretender Samtgemeindebürgermeister.

Was unterscheidet Sie am meisten von Ihrem Mitbewerber um das Amt?
Gärtner: Meine Erfahrungen als Gemeindedirektor. Ich habe aktiv mit allen Fachbereichen der Samtgemeinde zusammengearbeitet. Zudem habe ich fachliche Kompetenz in wichtigen Themen wie Digitalisierung, Breitbandausbau und Ortsentwicklung.
Glodzei: 20 Jahre mehr Lebenserfahrung, acht Jahre Erfahrung in der Samtgemeindepolitik, eine klare Orientierung und politische Unabhängigkeit, zwei Beraterinnen in der Familie (17 und 12 Jahre) mit Erfahrungen in Gellersens Kita- und Schullandschaft.

Was werden Sie im Amt ganz anders machen als der bisherige Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers?
Gärtner: Josef Röttgers hat sich trotz schwerer Krankheit mit Herz und Seele für die Samtgemeinde eingebracht. Themen wie Bürgerbeteiligung und eine moderne Verwaltung als bürgerfreundlichen Dienstleister möchte ich in den Fokus stellen.
Glodzei: Viel mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung wagen, Entscheidungen und Finanzen offenlegen, Politik offener und besser nachvollziehbar gestalten. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein stärker im Verwaltungshandeln verankern. Konsequente Digitalisierung von Verwaltungs­ab­läufen.

Welches Zukunftsprojekt wollen Sie für Gellersen vorantreiben?
Gärtner: Es gibt nicht nur ein Zukunftsprojekt in Gellersen. Bezahlbarer Wohnraum, attraktive Mobilitätsangebote und ein familienfreundliches Gellersen sind alles wichtige Themen. Besonders am Herzen liegt mir die Schaffung und Erhaltung von wohnortnahen Arbeitsplätzen.
Glodzei: Alle.

Wie wollen Sie mit Gellersens hohem Schuldenstand von zuletzt 12,8 Millionen Euro umgehen?
Gärtner: Die Schulden müssen runter. Ich stehe für solides Wirtschaften mit zielgerichteten Investitionen.
Glodzei: Fraktionsübergreifend ein Entschuldungskonzept erarbeiten, an das sich auch zukünftige Mehrheiten gebunden fühlen.

Die Kinderbetreuung in Gellersen ist bereits gut, wie wollen Sie den Bereich weiterentwickeln?
Gärtner: Das Betreuungsangebot soll sich nach den Bedürfnissen der Kinder und Eltern richten. Die „10er Karte“ bietet zusätzliche Flexibilität für die Früh- und Nachmittagsbetreuung. Zusätzliche Angebote wie eine schulische Nachmittagsbetreuung gilt es bedarfsgerecht umzusetzen.
Glodzei: Durch kluge Personalentwicklung gute Leute halten und neue anlocken, damit mehr Flexibilität der Betreuung zu Tagesrandzeiten schaffen, den Betreuungsschlüssel verbessern und die Kitainfrastruktur adäquat fortentwickeln.

Wie wollen Sie die Seniorenarbeit in der Samtgemeinde Gellersen fördern, am Ende vielleicht ausbauen?
Gärtner: In meinen Gesprächen mit den Senioren habe ich viel über die Bedürfnisse erfahren. Mobilität, Barrierefreiheit und ärztliche Versorgung gilt es sicherzustellen. Das Freizeitangebot möchte ich bedarfsgerecht ausbauen und aktiv bewerben.
Glodzei: Durch einen Seniorenbeirat die Bedürfnisse der älteren Generation in die Politik tragen, einen Seniorentreff einrichten, ein Gesamtkonzept für seniorengerechte Infrastruktur anregen.

Und was ist mit der Jugendarbeit?
Gärtner: Die kommunale Jugendarbeit muss sich wandeln. Das Programm soll für die Jugendlichen attraktiv sein und dafür gilt es die Jugendarbeit zu modernisieren.
Glodzei: Die gesetzliche Aufgabe, Kinder und Jugendliche an Entscheidungen der Politik zu beteiligen, endlich umsetzen: Durch ein Jugendparlament, Kinderkonferenzen und Mitentscheidungsmacht über einen Teil des entsprechenden Budgets. Die offene Jugendarbeit braucht einen konzeptionellen Neubeginn. Politik und Verwaltung konnten die Probleme bislang nicht allein lösen. Wir brauchen auch den Sachverstand der Bürgerinnen und Bürger.

Wie stehen Sie zum geplanten „3D-Campus“ zwischen Lüneburg und Reppenstedt sowie Lüneburgs neuem Wohngebiet direkt an Reppenstedts östlicher Ortsgrenze?
Gärtner: Der 3D Campus wäre ein Gewinn für Lüneburg – unabhängig vom Standort. Die anschließende Wohnbebauung an die Grenze Reppenstedts heran sehe ich äußerst kritisch, da es Reppenstedts Charakter als unabhängigen Ort gefährdet.
Glodzei: Ich finde den Plan, einfach ein Stück Lüneburg an Reppenstedt zu kleben, empörend. Ich möchte einen deutlichen, sichtbaren Abstand zwischen den Orten erhalten. Und ich halte den Grüngürtel für schützenswert und unterstütze daher die Bürgerinitiative zu dessen Erhalt.

Welche Position vertreten Sie beim geplanten Ausbau des Schienennetzes in der Region Lüneburg?
Gärtner: Dem Verfahren der Deutschen Bahn mangelt es an Transparenz. Es wird versucht über „Ortsumfahrungen“, eine Neubaustrecke umzusetzen. Das möchte ich unbedingt verhindern.
Glodzei: Eine Neubaustrecke durch Dörfer, Wald und Heide lehne ich ab, auch wenn sie „Ortsumfahrung“ genannt wird. Für den Nah- und Regionalverkehr bietet so eine Strecke naturgemäß nichts, und wenn Lüneburg seinen Status als ICE Halt verliert, sind wir in Gellersen doppelt gestraft.

Von Dennis Thomas