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Kampf für hohe Wahlbeteiligung

Lüneburg. Kein Geheimnis verrieten die beiden Kandidaten für die Stichwahl zum Landrat, Jens Böther (CDU) und Norbert Meyer (SPD), auf die Frage, welche Schlagz eile sie am Montagmorgen nach dem Urnengang am kommenden Sonntag, 16. Juni, in der LZ über sich lesen wollen: Beide hoffen, ihren jeweiligen Namen in der Überschrift zu dem Bericht zu finden, der den Wahlsieger und neuen Landrat im Landkreis Lüneburg verkündet. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, wie beide einräumten beim LZ-Wahlforum am Mittwochabend in der Musikschule Lüneburg vor rund 180 Interessierten, darunter auch Gymnasiasten der Herderschule Lüneburg. Beide Bewerber wollen in den noch verbleibenden Stunden alles daran setzen, so viele Bürger wie möglich für die Teilnahme an der Stichwahl zu mobilisieren. Das gemeinsame Ziel bei aller Konkurrenz ist eine gute Wahlbeteiligung.

Offensiv, zum Teil kontrovers, aber jederzeit fair

LZ-Chefredakteur Marc Rath, der zusammen mit seinem Kollegen Malte Lühr das Wahlforum moderierte, betonte, dass die Musikschule als Haus der Kultur ein hervorragend geeigneter Ort ist, um die politische Kultur zu fördern. Dazu trugen Jens Böther und Norbert Meyer im Verlauf der zweistündigen Veranstaltung dann auch bei – offensiv, zum Teil kontrovers, aber jederzeit fair. Nach kurzer Vorstellung der Kandidaten, bei der die Zuhörer Persönliches und Vergnügliches erfahren konnten, etwa, dass Norbert Meyer, wenn er denn mal flucht, dies dann aber nur beim Autofahren tut. Oder dass Jens Böther gerne Hits der 80er- und 90er-Jahre bei Partys nicht schön, aber laut mitsingt.

Danach ging es mit Volldampf in die Kreispolitik. Böther und Meyer stellten sich den Fragen von Publikum und Moderatoren zu ihren jeweiligen Ideen, Visionen, Plänen und Zielen, die sie als Landrat anpacken und in die Tat umsetzen wollen. Themen waren wie schon im ersten Durchgang beim Wahlforum in der Scharnebecker Domäne am 6. Mai zum Beispiel die Elbbrücke, Kritik am Projekt Arena Lüneburger Land, bezahlbarer Wohnraum, ärztliche Versorgung auf dem Land und das Verhältnis zwischen Stadt und Landkreis. Dieses Mal ging es dann darüber hinaus auch um:

Rufbus

Norbert Meyer: „Das Rufbus-System ist ein Riesengewinn vor allem für die kleinen Orte. Der Probebetrieb in Amt Neuhaus und Bleckede läuft hervorragend. Mit einer Öffentlichkeitskampagne muss den Menschen beigebracht werden, wie der Rufbus funktioniert. Dazu brauchen wir auch die Samtgemeinden und Gemeinden.“

Jens Böther: „Das ist ein verlässliches Modell, das sich durchsetzen wird. Ich finde es gut, weil es ein richtiges Konzept für den ländlichen Raum ist. Nun muss der Rufbus noch in die Köpfe der Menschen, damit sie ihn auch nutzen. Das heißt, es muss ihnen noch intensiver und gezielter gezeigt werden, wie das System funktioniert.“

Kostenlose Schüler-Tickets

Jens Böther: „Ein richtiges Ziel, das für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgt. Bund und Land wollen das kostenlose Schüler-Ticket, daher wird es auch kommen. Aber: Es werden nur diejenigen finanziell unterstützt, bei denen es ein solches Angebot noch nicht gibt. Wir müssen daher aufpassen, dass wir nicht auf den Kosten sitzenbleiben. Bevor wir also Preise senken, sollten wir zuerst die Qualität im Nahverkehr verbessern.“

Norbert Meyer: „Meine Idee ist es, zuerst ein 365 Euro-Jahresticket auf den Weg zu bringen, mit dem Fahrgäste für einen Euro am Tag durch den Landkreis fahren können, Schüler für den halben Fahrpreis. Wenn wir wissen, wie wir es finanzieren, sollten wir dann später das kostenlose Schüler-Ticket einführen. Ich denke, auf Dauer kommen wir dahin.“

Klimaschutz

Norbert Meyer: „Das Thema wird bei mir Chefsache, die Klimaschutz-Leitstelle in der Kreisverwaltung ausgebaut. Wir müssen im Kleinen mit dem Klimaschutz beginnen. Konkret können wir das als Landkreis, indem wir den CO₂-Ausstoß der Busse im Nahverkehr bis 2030 reduzieren, Sonderprogramme fürs Radfahren auflegen, um die Leute von der Straße zu bekommen. Auch können wir Blühstreifen anlegen.“

Jens Böther: „Nachhaltigkeit muss künftig in jede Entscheidung einfließen. Wir dürfen dabei nicht nur auf die Kosten schauen, sondern auch auf die Auswirkung auf die CO₂-Bilanz. Mit dem Kreistag werde ich ein Klimaschutz-Leitbild entwickeln für ein planmäßiges Vorgehen. Die öffentliche Hand muss als Vorbild vorangehen. So können wir etwa die kreiseigenen Immobilien und den Fuhrpark energieautark machen.“

Grüngürtel West

Jens Böther: „Das ist ein Problem, das die Stadt Lüneburg selbst verschuldet hat. Der Landkreis ist nicht der Ausputzer. Sollte aber aus Lüneburg ein entsprechendes Signal kommen, den Grüngürtel unter Landschaftsschutz stellen zu wollen, wäre ich sofort dazu bereit.“

Norbert Meyer: „Wohnraum und Arbeitsplätze dort zu schaffen, beruhen auf einem Beschluss, der mit großer Mehrheit im Stadtrat auf den Weg gebracht wurde. Um die Frischluftzufuhr zu erhalten, kann ich mir einen Kompromiss vorstellen, wonach ein 330 bis 550 Meter breiter Streifen unter Naturschutz gestellt wird.“

Baugenehmigungen

Norbert Meyer: „Der Kritik, dass Baugenehmigungen beim Landkreis teilweise zu lange dauern, stimme ich zu. Dieses Problem werde ich mit als erstes anpacken durch mehr Rückendeckung für die Mitarbeiter des Bauamtes. Außerdem muss die immer noch vakante Stelle des Amtsleiters besetzt werden.“

Jens Böther: „Es gibt Probleme, die durch ein offeneres Arbeitsklima behoben werden können. Es fehlt der Mannschaft an Rückhalt, weil zu wenig Entscheidungen an der Verwaltungsspitze getroffen werden. Das führt dann zu einer Absicherungsmentalität, die zu diesen Zeitverzögerungen führt.“

Schul- und Breitensport in der Arena Lüneburger Land

Jens Böther: „Die Arena taugt nicht für den Schulsport. Es sind keine Geräteräume geplant, es gibt nur zwei Umkleideräume. Sie ist lediglich für Ballsport geeignet.“

Norbert Meyer: „Die Arena ist so geplant, dass sie auch für den Breitensport und damit auch für den Schulsport nutzbar ist.“

Von Stefan Bohlmann