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Die Runde am Rande des Stadtfestes ermöglichte intensiven Austausch zwischen Politikern und Besuchern. Moderiert wurde die Veranstaltung von LZ-Chefredakteur Marc Rath (rechts). Foto: t&w

Konstruktiver Austausch statt Streitgespräch

Lüneburg. Am Rande des Stadtfestes diskutierte eine Gruppe Lüneburger am Samstag im Rahmen der Bürgerrecherche „Wem gehört Lüneburg?“ über das Wohnen in ihrer Stadt. Die Landeszeitung hatte zum Streitgespräch mit Politikern aus dem Stadtrat im LZ-Innenhof am Sande eingeladen. Statt einem handfesten Streit gab es einen konstruktiven Austausch – sowohl unter Politikern, als auch mit dem Publikum. Das brachte verschiedenste Vorschläge ein, wie eine kommunale Wohnungstauschbörse, die Suchende bei einem Wohnungswechsel unterstützen soll, oder eine Überarbeitung der Gesetze zum Vorkaufsrecht von Immobilien, um in bestehenden Nachbarschaften leichter bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können.

Diese Antworten gaben die Gäste:

Klaus-Dieter Salewski (SPD): „Lüneburg gehört den Bürgern dieser Stadt. Da gibt es vermögende und nicht so vermögende Menschen. Um für alle bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, müssen wir mit den Randgemeinden reden und kooperieren, denn die Flächen des Stadtgebietes sind begrenzt. Die Gemeinden in der Region verfolgen aber natürlich auch eigene Interessen: Der Westen ist klar Richtung Hamburg orientiert, ganz anders der Osten.“

 

Karl-Heinz Fahrenwaldt (Die Linke): „Als kleine Fraktion kann Die Linke nur Anregungen liefern und das werden wir auch weiterhin tun. So wollen wir beispielsweise die Bahnstrecken rund um Lüneburg reaktivieren und an diesen Trassen Wohngebiete schaffen. Wir werden wie alle Jahre zuvor wieder einen Mietspiegel beantragen. Der kann zwar die Wohnungsknappheit nicht lösen, aber die Preise deckeln. Denn Wohnen ist ein Menschenrecht, genau so wie Wasser.“

 

Birte Schellmann (FDP): „Die Gemeinden müssen mehr in den Geschosswohnungsbau und in genossenschaftliches Bauen investieren anstatt in Einfamilienhäuser. Da ist die Stadt auf freiwillige Kooperationen mit der Region angewiesen. Das regionale Denken hat begonnen, wir haben also eine wichtige Entwicklung vor uns. Außerdem schaue ich nach Berlin: Es gibt Vorschriften in unserem Land, die das Bauen derart teuer machen, dass man kaum noch bauen kann, so wie Brandschutz-Vorschriften usw. . Da müssen wir ran und schauen, was davon wirklich notwendig ist – vielleicht mit einer Art Bau-TÜV.“

 

Rainer Mencke (CDU): „In der Vergangenheit war es schwierig in Lüneburg, überhaupt Mehrheiten zum Bauen zu finden. Ich wünsche mir daher für die Zukunft, dass wir dieses Thema öfter mit den Fraktionsspitzen diskutieren. Investoren und Eigentümer dürfen wir nicht an den Pranger stellen. Sie investieren in die Zukunft und bringen der Stadt auch wichtige Steuereinnahmen. Wenn jemand viel Platz hat und davon etwas abgeben soll, ist das für mich eine reine Neid-Diskussion. Die Idee einer Wohnungstauschbörse sollten wir jedoch innerhalb der Jamaika-Koalition diskutieren, um in diesem Bereich effektiver zu werden.“

 

Ulrich Blanck (Bündnis 90/Die Grünen): „Bauen allein ist heute nicht mehr die Antwort. Warum haben wir denn Leerstand in gewissen Gebieten? Weil man wegen fehlender Infrastruktur dort nicht gut wohnen kann. Da muss sich etwas tun. Außerdem finde ich die Idee einer kommunalen Wohnungstauschbörse gut, das sollten wir angehen. Und auch den Vorschlag aus dem Publikum, sich das Vorkaufsrecht von Immobilien genauer anzuschauen, sollten wir diskutieren.“

 

Mehr dazu lesen Sie am Montag in der Landeszeitung und in der Instagram-Story von „Wem gehört Lüneburg?“.

Text: kg, Fotos: t&w

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