Dienstag , 17. September 2019
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Enkeltrick und falsche Rechnungen: Gerade Senioren sind häufig das Ziel von Betrügereien. (Foto: Polizei)

Ärger um angebliche Erotikdienste

Scharnebeck. Die Mahnungen wirken auf den ersten Blick seriös: Angegeben sind Telefonnummer, Datum und Uhrzeit des vermeintlichen Telefongesprächs. Der Anlass für die Rechnungen ist pikant: Weil die Telefonanschlussinhaber angeblich einen „Service für besondere sexuelle Ansprüche“ genutzt haben sollen, fordert ein Anbieter aus Tschechien Geld von ihnen.

Verbraucherzentrale warnt vor Falle

Auch einem älteren Ehepaar aus der Samtgemeinde Scharnebeck, das anonym bleiben möchte, flatterten jüngst zwei solcher Mahnungen ins Haus. Die erste ausgestellt von der Firma „Vecon“, die zweite von „Venor“: 140 beziehungsweise 198 Euro sollen die Senioren in bar per Einschreiben an eine Postfach-Adresse in Tschechien oder per SEPA-Überweisung auf ein tschechisches Konto senden. Gemacht haben sie das bislang nicht – zum Glück, denn die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt vor einer Falle.

Auch in der Lüneburger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale kennt man die dubiosen Schreiben. Leiterin Sabine Oppen-Schröder erklärt: „Dieser Anbieter aus Tschechien, der regelmäßig seinen Namen wechselt, begleitet uns seit Jahren. Folgende Namen gab es in den letzten Monaten: Vecon, Evor, Elpro, Paycom, Ventus, Bestcom, Kowas, Greif, Eustar, Payco, Ivora, Worcom. Nach unserer Einschätzung geht es nur darum, mit wenig Aufwand viele Menschen zur Zahlung zu bewegen.“

Mir war sofort klar, dass meine Frau da nicht angerufen haben konnte.“ – Scharnebecker Senior

Derzeit bekämen vor allem Verbraucher in Ostfriesland, Stade und Celle häufiger Post von dem Anbieter, sagt Oppen-Schröder. In der Region Lüneburg sind dagegen bisher nur Einzelfälle bekannt: „In jüngster Zeit gab es einen Verbraucher in Lüneburg, der eine Zahlungsaufforderung zunächst von Vecon über 90 Euro im April 2019 erhielt und dann von Elpros im Mai über 140 Euro für die gleiche Leistung.“ Ähnlich erging es dem Ehepaar aus der Samtgemeinde Scharnebeck. Nachdem der Ehemann die erste Rechnung im Mai 2019 über 140 Euro nicht bezahlte, folgte rund einen Monat später prompt die nächste, diesmal über 198 Euro.

IBAN aus Tschechien

„Mir war sofort klar, dass meine Frau da nicht angerufen haben konnte, schließlich kenne ich sie ja schon lange“, sagt der Senior. „Außerdem haben mich die ausländische Telefonnummer und die IBAN aus Tschechien stutzig gemacht.“ Nach dem ersten Schreiben habe er bei der Polizei Scharnebeck angerufen und den Rat erhalten, die Rechnung wegzuwerfen. Als die zweite Mahnung eintraf, habe die Polizei auf dem Revier den Fall aufgenommen. Passiert sei seitdem nichts mehr. Doch der ältere Herr will es nicht dabei belassen. „Ich habe eine Rechtsschutzversicherung und will mit der Sache zum Anwalt“, kündigt er an. „Es kann doch nicht sein, dass man denen das Handwerk nicht legen kann. Das muss man doch schaffen. Aber einfach wird das nicht.“

Sabine Oppen-Schröder rät allen Betroffenen: „Wer das Telefongespräch nicht geführt hat, sollte die Rechnung nicht bezahlen, sondern der Forderung widersprechen. Wenn Betroffene gezahlt haben, können sie ihr Geld nachträglich kaum zurückholen. Wer tatsächlich einen Erotikanbieter angerufen hat, muss lediglich die Verbindungskosten bezahlen. Weitere Kosten fallen nur dann an, wenn vorher ein Vertrag abgeschlossen und der Preis festgelegt wurde.“

Wer Fragen zum Thema hat, kann die Beratung der Verbraucherzentrale in Lüneburg, Schröderstraße 16, nutzen. Öffnungszeiten: Mo. 10-13 Uhr und 14-18 Uhr, Di. 10-14 Uhr sowie Do. 10-13 Uhr und 14-16.30 Uhr.

Von Emilia Püschel