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Uwe Luhmann (l.) und Arndt Conrad mit ihren Bieternummern im Versteigerungssaal an Friedrichstraße. (Foto: Höfgen)

Wem gehört die Buchholzer Bahn?

Lüneburg/Berlin. Einst fuhren auf der Strecke Züge zwischen Lüneburg und Brackel – nun kamen große Teile des Streckenbandes bei einer öffentlichen Verst eigerung in Berlin unter den Hammer. Verkäufer der in fünf Abschnitte portionierten Strecke war die Deutsche Bahn. Sie hat Schienen und Schotter weitgehend entfernt, über vielen Strecken sind aber noch die Elektrifizierungs-Leitungen aktiv.

Auch Vertreter aus Kommunen waren in dem an der Berliner Friedrichstraße gelegenen Versteigerungssaal gekommen und boten für die Flächen, die zu ihrem Gemeindegebiet gehören – mit unterschiedlichem Erfolg. Die Gemeinde Mechtersen ersteigerte ein 31 Hektar großes Grundstück für 82 000 Euro. Dazu kommen noch 12 Prozent für Courtage und Grunderwerbssteuer sowie Notarkosten. Das Mindestgebot hatte hier bei 60 000 Euro gelegen.

Mindestgebot von 15 000 Euro

Solch einen großen Spielraum hatten die Lüneburger für ein 8,6 Hektar großes Streckenband der alten Buchholzer Bahn, das über Vögelsen und Ochtmissen führt, nicht. Hier hatte das Mindestgebot bei 15 000 Euro gelegen – am Ende fiel hier der Hammer bei 64 000 Euro. Wer die Strecke ersteigerte, blieb zunächst offen. Der Meistbietende war per Telefon zugeschaltet, über seine Identität verriet das veranstaltende Auktionshaus aus Datenschutzgründen nicht.

Somit blieb offen, was der Erwerber mit dem Grundstück machen könnte. Es ist weiterhin Bahnbetriebszwecken gewidmet und – auch ohne Schienen – elektrifiziert. Die Mitarbeiterin aus dem Baudezernat, die für Lüneburg nach Berlin gekommen war und mitbot, fand den letztlich gezahlten Preis „irre“. Eine Gremienentscheidung, höher mitzubieten, habe es wegen der Kürze der Zeit nicht gegeben. Die Stadt hätte das Streckenband gern als Ausgleichsfläche erworben, sagte sie. Diese werden benötigt, um beispielsweise Bäume anzupflanzen, die wegen Baumaßnahmen woanders gefällt werden.

Abwarten, was der neue Eigentümer nun plant

Während Lüneburg nun abwarten muss, welche Ideen der neue Eigentümer entwickelt, ist man in Mechtersen demnächst für 31 Hektar – oder acht Kilometer – ehemaliger Bahnstrecke verantwortlich – und hat dafür schon Pläne. Wichtig sei zunächst gewesen, dass die Fläche in kommunalen Besitz kommt, sagten Arndt Conrad, der den Bürgermeister der Samtgemeinde Bardowick vertrat, und Mechtersens Bürgermeister Uwe Luhmann. Ein Aspekt war, dass die Strecke die Straßen und Wasserläufe in der Gemeinde kreuze. Auch hier könnte das Streckenband als Ausgleichsfläche dienen.

Bei 82 000 Euro war übrigens noch lange nicht die Obergrenze für Conrad und Luhmann. Eine genaue Zahl nannten sie nicht. Es sei aber nicht schwer gewesen, einen entsprechenden Gremienbeschluss zu bekommen – im Gegenteil: „Wir sind aufgefordert worden“, sagte Conrad.

Andere Möglichkeiten, die Flächen zu nutzen, sieht Luhmann übrigens kaum. Denn die vorhandenen Stromleitungen werden für die ICE-Strecke von Hamburg nach Hannover benötigt. Deshalb sind die Strecken weiterhin Bahnbetriebszwecken gewidmet – auch wenn dort längst keine Schienen mehr liegen.

Insgesamt wurden 64 Objekte angeboten, darunter Bahnhöfe, aber auch Wohnhäuser und Waldflächen.

Von Ingmar Höfgen