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Der Flugplatz aus der Vogelperspektive: Der Pachtvertrag für das Areal läuft Ende Oktober 2020 aus. (Foto: be)

Alternativer Standort wäre teuer

Lüneburg. Die Zeit läuft. Nur noch bis Ende Oktober 2020 gilt der Betreibervertrag für den Lüneburger Flugplatz zwischen der Stadt und Luftsportverein. Die Flieger sind sich bewusst, dass es für den langfristigen Weiterbetrieb am Standort schwerlich eine Ratsmehrheit geben wird. Deshalb stellten sie jüngst einen Antrag auf Ausweisung einer Fläche für einen neuen Flugplatz im Bilmer Strauch. Im Bauausschuss nahm die Verwaltung zu dem Thema Flugplatz Stellung. Danach sind am jetzigen Standort durch bestehende Bebauungspläne bereits Gewerbe- und Industriegebiete festgesetzt.

Die Fläche des Sonderlandeplatzes umfasst 19, 5 Hektar und gehört der Stadt, die 1990 einen Betreibervertrag mit dem Verein geschlossen hat. Diskussionen und Auflagen habe es bei jeder Verlängerung gegeben, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge im Ausschuss. Kritik hinsichtlich des Lärms und wegen Gefahren durch möglicherweise abstürzende Flugzeuge gab es seit Jahren. Im Vorfeld des jüngsten Ratsbeschlusses, wonach Ende 2020 mit dem Flugplatz endgültig Schicht sein solle, hatte Mädge bereits deutlich gemacht: Entstehen soll dort ein Gewerbegebiet. Denn an solchen Flächen mangele es in Lüneburg und die Nachfrage sei groß, folgte Heiko Meyer (SPD) nun im Ausschuss dem Oberbürgermeister.

Tobias Neumann vom Bereich Stadtplanung erläuterte, dass im Flächennutzenplan der Flugplatz im nördlichen Bereich als Kasernenfläche, im südlichen Bereich als Gewerbegebiet dargestellt sei. Die rechtskräftigen Bebauungspläne inklusive Änderung überlagern Teile des Flugplatzes. Rechtskräftig wurden sie 1980 sowie 1985. „Sie ermöglichen das Baurecht für Gewerbe- und Industriegebiete.“

Refugium für die Haubenlerche

Erst eineinhalb Jahre ist es her, dass auf dem Flugplatz eine Ausgleichsmaßnahme für den Libeskind-Bau der Uni entstand – ein Refugium nicht nur für die bedrohte Haubenlerche. Der Flugplatz sei insgesamt inzwischen ein wichtiger ökologischer Lebensraum für viele Arten, hatte Nabu-Chef Thomas Mitschke jüngst erklärt und deshalb erneut die Pläne der Stadt, dort Gewerbe anzusiedeln, scharf kritisiert. Mädge sagte im Ausschuss, dass die Verwaltung im Vorfeld weiterer Planungen Untersuchungen zum Artenschutz sowie zur Klimasituation auf den Flächen vornehmen werde. Denn laut Stadtklimaanalyse verläuft über die Fläche des Flugplatzes eine Kaltluftleitbahn. Bei einer Bebauung muss daher geprüft werden, wie breit der Korridor sein muss, um diese zu erhalten.

Bezüglich des möglichen Alternativ-Standorts im Bilmer Strauch, der seit Anfang der 80er-Jahre im Flächennutzungsplan festgesetzt ist, legte Neumann Zahlen auf den Tisch. Wolle man die Fläche von 41 Hektar abholzen, müsste eine Ersatzwaldfläche von 58 Hektar entstehen. Dazu kämen Kosten für Ausgleichsmaßnahmen. Unterm Strich laut Rechnung der Stadt 1,4 Million Euro, dazu käme noch der Kaufpreis der Flächen. Große Kosten bedeute es auch, den Höhenunterschied auf dem Gelände auszugleichen.

Für die SPD kommt der Alternativstandort nicht in Frage. Fraktionschef Klaus-Dieter Salewski hielt auch fest: Der Pachtvertrag soll auslaufen. Verwunderlich sei, dass andere Fraktionen, die sich laut Ratsbeschluss ebenfalls dafür ausgesprochen hätten, das inzwischen anders sähen. Die Grünen hatten sich seit Jahren immer dafür ausgesprochen, dass die Flieger den Abflug machen sollten. Wolf von Nordheim sagte, es gebe keinerlei Grund, an der Beschlusslage etwas zu ändern. Aber mit Blick auf das Stadtklimagutachten dürfe es keine Bebauung der Landebahn geben, sie solle Part des Grüngürtels Ost werden.

Befürworter und Gegner des Flugplatzes

Birte Schellmann (FDP) verwies darauf, dass sich ihre Fraktion immer dafür ausgesprochen habe, den „Traditionsverein“ zu halten, der sowohl als Sport- und Segelflugverein wie auch für die Wirtschaft wichtig sei. Angesichts des Klimawandels sollte dort nicht gebaut werden, damit die Kaltluftströme in die Stadt fließen können. Die Linke habe sich noch kein abschließendes Urteil gebildet, sagte Karlheinz Fahrenwaldt. Eins sei aber klar: Die Fraktion lehnt eine Abholzung des Bilmer Strauchs ab.

Die CDU habe sich in der Vergangenheit mit deutlicher Mehrheit für den Flugplatz ausgesprochen, den Ratsbeschluss dann aber mitgetragen, „weil wir bei den Gewerbeflächen in einen Engpass gekommen sind“, erklärte Eberhard Manzke. Eine temporäre Verlängerung des Betreibervertrages, bis die Pläne der Stadt umsetzbar sind, könne sich seine Fraktion vorstellen. Voraussetzung sei, dass der Luftsportverein nicht gegen die Bebauungspläne klagt.

Reserven mit Tücken

Lüneburgs Wirtschaftsförderer Jürgen Enkelmann sagt: „Die aktuelle Nachfrage an kurzfristig verfügbaren Gewerbegrundstücken auf Lüneburger Stadtgebiet übersteigt das Angebot.“ Im Bereich des Gewerbegebiets Lüneburg-Ost/Hafen gebe es noch rund 1,2 Hektar Gewerbeflächen in städtischem Besitz. Doch die Autobahnplanungen erschwerten eine Vermarktung dieser Flächen. „Darüber hinaus entstehen zirka 5 Hektar Gewerbeflächen im Hanseviertel III.“

Auf Grund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in der Region Lüneburg seien vorhandene Flächenreserven aufgebraucht. Es bedürfe einer weitsichtigen Bauleitplanung, damit Flächen entsprechend der Nachfrage kurzfristig verfügbar gemacht werden könnten. Enkelmann: „So lässt sich künftiges Wirtschaftswachstum, mit entsprechenden Sekundäreffekten (erhöhte Steuerkraft der Kommune, sinkende Mobilitätskosten durch wohnortnahe Arbeitsplätze) durch Erweiterung existierender Betriebe und Ansiedlung neuer Unternehmen sichern.“

Von Antje Schäfer