Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Pia Gebert zeigt ihr kleines Zuhause, in dem sie gerade umräumt. (Foto: t&w)

Leben auf 30 Quadratmetern

Lüneburg. Zwei Schritte nach rechts, eine halbe Linksdrehung und einen großen Schritt voraus. In der Wohnung von Pia Gebert fühlt sich der Besucher ein bisschen wie ein Tetris-Stein auf der Suche nach dem perfekten Platz. Knapp 30 Quadratmeter bewohnt die 25-Jährige in ihrem Eineinhalb-Zimmer-Apartment, zu dem auch ein kleiner Balkon gehört, in Volgershall. Und auch wenn der Platz beengt ist, „ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt Gebert, die eigentlich aus Hamburg kommt.

Sie habe einen Tapetenwechsel gebraucht – einen Neuanfang – deshalb kam sie einst nach Lüneburg und wohnte zunächst in verschiedenen Wohngemeinschaften, bevor sie 2016 in die Dachgeschosswohnung nach Volgershall zog. „Es leben viele Menschen hier, man lebt einerseits anonym, aber wenn man jemanden kennt, ist es eine tolle Nachbarschaft“, sagt sie und schätzt es, je nach Lust und Laune mit den Nachbarn zu plaudern oder auch mal die Tür hinter sich zumachen zu können.

Wäsche waschen wird zum Luxus

Nur eines stört die junge Frau, die aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht arbeiten kann: die Sache mit den Waschmaschinen. Für das ganze Haus steht den Mietern jeweils eine Waschmaschine zur Verfügung, deren Verwendung 3 Euro pro Waschgang kostet. „Die meisten Leute hier haben nicht viel Geld. So wird es zum Luxus, Wäsche zu waschen“, ärgert sich Pia Gebert.

Rund 400 Ein-Zimmer-Apartments gibt es in den Wohnkomplexen nahe der Uni. 100 davon werden durch die Göttinger Hausverwaltung betreut. Die Ansprechpartnerin vor Ort ist Sibylle Frenzel. „Die Apartments sind mal für die nahe gelegene Hochschule gebaut worden“, sagt sie und erklärt, dass die Wohnungen zu Semesterbeginn noch immer nur an Studenten vermietet werden. Grundsätzlich stehen die Wohnungen aber auch anderen Mietern zur Verfügung. „Die Nachfrage ist groß, da wir auch viele Einwanderer haben, die aus ihren Unterkünften raus möchten“, sagt Frenzel. Zwischen 10 und 12 Euro kostet der Wohnungsquadratmeter kalt. Mietpreise, die vergleichsweise erschwinglich sind.

500 € warm für teilmöblierte 21 qm

Mit etwa 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter sind die Mi­kroapartments am Ilmenaugarten deutlich teurer. Bei einer Größe von durchschnittlich 21 Quadratmetern zahlen Mieter zwischen 460 und 500 Euro warm und bekommen dafür eine teilmöblierte Neubauwohnung in unmittelbarer Stadtnähe. 311 dieser Apartments betreut die Optima Hausverwaltung durch ihren Lüneburger Ansprechpartner Diklas Sönmez.

Dabei seien es längst nicht nur Studenten, die die Zimmer beziehen. „Wir haben auch Berufssoldaten, Polizisten, Ärzte und Azubis als Mieter. Manche Abiturienten fragen an, obwohl sie noch gar keine Zusage zum Studium haben“, sagt Sönmez.

Mindestmietdauer von einem Jahr

Das Gerücht, viele der Apartments stünden trotzdem leer, bestätigt er nicht: „Die Nachfrage, vor allem zu Semesterbeginn ist sehr hoch.“ Wer eine der Wohnungen bezieht, muss sich auf eine Mindestmietdauer von einem Jahr einstellen. „Aber es gibt auch Sonderfälle, zum Beispiel, wenn jemand das Studium abbricht. Über einen Nachmieter kann man aus dem Vertrag aussteigen, den suchen die Mieter dann selber“, erklärt Sönmez.

Auf seiner 2-Quadratmeter-Terrasse versorgt Charly Krökel die Salatköpfe mit Wasser. Der 59-Jährige ist Berufspendler und lebt während der Wochenenden und im Winter gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in einem Haus im Wendland, über die Wochentage in dem kleinen Erdgeschoss-Apartment in Volgershall. Seinen Lebensunterhalt verdient Krökel als freier Künstler einerseits und als Landschaftsgärtner andererseits. Das große Haus im Wendland und das Mikroapartment in Lüneburg – „beides gehört zu mir“, sagt Krökel. Vor rund 20 Jahren wohnte er schon einmal hier, vor etwa acht Jahren kam er wieder und glaubt, damit einer der wenigen zu sein, die lange bleiben. Dabei liegen die Vorteile der kleinen Mietwohnung für ihn auf der Hand: „Man muss sich nicht um den Hausflur und den Winterdienst kümmern. Gerade wenn man nicht viel da ist, ist das gut.“ Auch der finanzielle Aspekt spielt eine Rolle: nach drei Jahren steigt die Miete nicht weiter an – so ist es in seinem Mietvertrag festgehalten.

„Leerstände gibt es kaum“

Ein Blick in die gängigen Immobilienportale verrät: Ein-Zimmer-Apartments gibt es viele in Lüneburg. Sie liegen in Einzelhäusern in der Innenstadt oder in Wohnkomplexen wie „Hinter der Saline“, in Bahnhofsnähe oder in Kaltenmoor, auch in Adendorf oder Bardowick.

Ausschließlich für Studenten stellt der Verein Campus Lüneburg 38 Ein-Zimmer-Wohnungen zur Verfügung. Auch die dortige Ansprechpartnerin Anika Kraft bestätigt: „Leerstände gibt es kaum“. 470 Euro Warmmiete zahlen die Studenten durchschnittlich, wenn sie eines der Zimmer beziehen.

Die Johnny-Cash-CD liegt ganz oben auf dem Stapel der Bücher, Kartons und Kisten, die den Weg durch Pia Geberts Wohnung zum Hindernislauf machen. „Ich räume gerade etwas um“, sagt sie und erinnert lächelnd an die 300 Bücher, mit denen sie einst hier einzog. Mit Regalen im Schrank, Schubladen unter dem Bett und Extra-Schränken hat die 25-Jährige sich zusätzlichen Stauraum geschaffen. Und auch wenn sich an mancher Stelle die Habseligkeiten stapeln, zu klein sei die Wohnung nicht, findet Pia Gebert und schmunzelt „ich denke eher, ich habe einfach zu viel Kram.“

Anleitung

Zusammen recherchieren: So geht‘s

Wem gehört Lüneburg? Auf unserer Plattform www.wemgehoertlueneburg.de können Sie der LZ-Redaktion mitteilen, ob Sie selbst in Ihrer Immobile wohnen, ob Sie diese vermieten oder ob Sie zur Miete leben. Dann wüssten wir gern, wem die Wohnung oder das Haus gehört.

Damit wir Ihre Angaben auch überprüfen können, ist es wichtig, dass Sie einen Beleg hochladen. Das kann zum Beispiel ein Grundbucheintrag oder ein Mieterhöhungsschreiben sein, genauso aber auch eine Kopie oder ein Scan Ihres Mietvertrags.

Wir hoffen auch, dass Sie uns Ihre Geschichte erzählen, sowohl positive als auch negative Erlebnisse mit uns teilen. Nur mit Ihrer Hilfe und den gewonnenen Daten sind wir in der Lage, ein neues Bild der Stadt zusammenzusetzen und zu recherchieren, wo sich Missstände zeigen.

Von Anke Dankers