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Wahrscheinlich war die Runderneuerung der Bushaltestellen in Heiligenthal überflüssig. (Foto: t&w)

Verkehrskonzept als Wundertüte

Lüneburg/Südergellersen. Das neue Verkehrskonzept dürfte für viele noch so manche Überraschung bereithalten: Der Kreis Lüneburg marschiert weiter auf die Einführung des Rufbus-Systems im letzten Quartal zu. Die ersten Tests laufen bereits in Amt Neuhaus und Bleckede (LZ berichtete) und ab August auch in Gellersen, wovon auch Bardowick profitieren soll. Doch noch sind einige Details ungeklärt, das wurde bei der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Kreistags deutlich. Dort brachte Kreistagsabgeordneter Steffen Gärtner (CDU) aus Südergellersen seine Verwunderung zum Ausdruck, dass die Gemeinde vergangenes Jahr für viel Geld zwei Bushaltestellen erneuern ließ, die kurz danach aber vom Schulbusverkehr abgeschnitten wurden. Die Südergellerser Linienführung steht darüberhinaus genauso zur Diskussion wie die Abschaffung zentraler Bushaltestellen im Lüneburger Stadtteil Ebensberg.

Endgültige Linienführung noch unklar

Mehr als 47 000 Euro hatte die Gemeinde Südergellersen vergangenes Jahr ausgegeben, um die beiden Haltestellen in Heiligenthal komplett zu erneuern. Auch an die taktilen Bodenelemente für Sehbehinderte wurde gedacht. „Und drei Monate später hat der Landkreis Lüneburg die Schulbuslinie verlegt“, monierte jetzt Gärtner im Wirtschafts- und Verkehrsausschuss. Die Verwaltung ging nicht näher darauf ein. Allein Ausschussvorsitzender Achim Gründel (SPD) schlug vor, man könne doch die ansehnliche Zimmermannsarbeit auf eine andere Bushaltestelle umsetzen. Darauf Gärtner: „Die ja, aber nicht die geleisteten Tiefbauarbeiten.“ Über die endgültige Linienführung wird noch diskutiert.

Wichtige Details noch offen

Zwar hatte der Kreistag im November 2018 grundsätzlich dem neuen Nahverkehrsplan zugestimmt, hatte aber noch zwei wichtige Detailplanungen offen gelassen. Und dazu gehört auch der Bereich Südergellersen: Die Kreisverwaltung favorisiert, die Buslinie 5201 über den nur zirka 3,5 Meter breiten Gemeindeverbindungsweg zwischen Südergellersen und Heiligenthal fahren zu lassen, um die Anbindung nach Lüneburg-Oedeme herzustellen. Die Gemeinde Südergellersen hatte sich gewünscht, die Linienführung von Heiligenthal über Kirchgellersen nach Südergellersen laufen zu lassen. Ein deutliches Meinungsbild des Ausschusses ergab sich bei der Diskussion aber auch diesmal nicht. So soll wohl dem nichtöffentlichen Kreisausschuss die Entscheidung überlassen werden. Ähnlich verhält es sich beim geplanten Wegfall von Bushaltestellen im Stadtteil Ebensberg.

Auch Haltestellen im Stadtteil Ebensberg sollen wegfallen

Mit Verweis auf das „Integrierte Mobilitätskonzept“ schlägt die Kreisverwaltung vor, die Haltestellen Ortelsburger Straße und Memeler Straße im Stadtteil Ebensberg und die Haltestelle Erbstorf Wendeplatz der Linie 5015 künftig wegfallen. Damit soll laut Merle Rahmann vom Landkreis eine Fahrtzeitverkürzung erzielt werden. Die genannten Haltestellen seien verzichtbar, da andere „zentral gelegende Haltestellen“ lediglich mit „einem zusätzlichen Weg von höchstens 350 Metern“ erreichbar seien. Die Stadt Lüneburg sowie der Ortsvorsteher vom Ebensberg hatten hingegen den Erhalt der Haltestellen gefordert.

Kritik am derzeit laufenden Testbetrieb des Rufbusses in Bleckede äußerte indes Petra Kruse-Runge (Grüne). Nach ihren Informationen sei die Bestell-Hotline für den Rufbus zeitweise nicht erreichbar gewesen. Laut Verwaltung hinge das mit der zu geringen Leistungsfähigkeit der Telefonanlage beim Verkehrsbetrieb KVG zusammen, das Problem werde aber gelöst. Gründel (SPD) regte an, die Vorbestellzeit für Rufbusse von zwei auf eine Stunde zu verkürzen: „In Uelzen klappt das, dann sollten wir das auch hinkriegen.“ Martin Gödecke (Unabhängige) mahnte zu einer besseren Information über das Rufbus-System. Eine Kampagne sei in Vorbereitung, hieß es.

Testfeld Gellersen

Das nächste Testfeld wird Gellersen sein: ab 1. August startet dort das Rufbus-Angebot. Dazu sagte Kreissprecherin Urte Modlich auf LZ-Nachfrage: „Aus der Linie 5201 werden einzelne Fahrten in das Rufbussystem integriert. Die Fahrten wiesen eine schwache Nachfrage auf. Mit dem RufMobil in Gellersen wird insbesondere der Bahnhof Bardowick angebunden und die Verknüpfung der Dörfer in dem Bereich an den Stadtverkehr und damit die Anbindung an die Hansestadt gestärkt.“

Von Dennis Thomas