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Zu den Hauptstoßzeiten sind viele Busse am Lüneburger Bahnhof unterwegs. Und es werden noch mehr. Die Stadt möchte deshalb zusätzliche Halteplätze schaffen. Foto: be

Mehr Platz für Busse und Fahrräder

Lüneburg. Immer mehr Bürger aus Stadt und Kreis nutzen Bus, Rad, Bahn – und von einem weiteren Anstieg der Pendlerzahlen ist auszugehen. Die Stadt hat in der Vergangenheit mit dem zweiten Fahrradparkhaus und mit dem Ausbau des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) entsprechende Angebote geschaffen. Doch inzwischen sind auch die schon wieder an ihren Kapazitätsgrenzen. Die Verwaltung präsentierte nun im Verkehrsausschuss Ideen, wie das Bahnhofsumfeld weiter entwickelt werden könnte. Die Politik gab grünes Licht, dass die Verwaltungen Planungen für eine Mobilitätszentrale, mehr Bushalteplätze und ein drittes Fahrradparkhaus aufnimmt. Von einer Realisierung der Projekte ist allerdings frühestens 2022/23 auszugehen.

Schon heute reichen die Plätze für Fahrräder nicht

Verkehrsplaner Sebastian Heilmann gab eingangs einen Rückblick darauf, wie sich das Bahnhofsumfeld in den vergangenen 23 Jahren verändert hat. Los ging es 1996 mit dem Bau des kostenpflichtigen Radspeichers. Es folgten unter anderem der Bau der Parkpalette am Bahnhof, Bau und Erweiterung des ZOB, Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, Errichtung eines zweiten, diesmal kostenlosen Fahrradparkhauses. Die Radabstellplätze reichen allerdings längst nicht mehr. Laut einer Erhebung von Tanja Berg vom Bereichs Verkehrsplanung gibt es im Bahnhofsumfeld 2290 Stellplätze, 2540 Räder waren aber zum Zeitpunkt der Erhebung abgestellt. Die Pläne im Eiinzelnen:

Die Kapazitäten fürs Fahrradparken sollen erhöht werden durch mehr Plätze auf der Ostseite der Gleisanlagen, die Erweiterung der Abstellmöglichkeiten im Radspeicher und einem weiteren, neuen Radspeicher für Räder, Pedelecs und Lastenräder, der direkt zwischen Busschleife und Bahnmeisterei am ZOB entstehen könnte. Außerdem soll der Bahnhofsvorplatz neu gestaltet werden im Sinne der Barrierefreiheit. Sprich: Die wild geparkten Räder sollen weichen. Bis 2025 ist das Ausbauziel nun 3000 Stellplätze.

Für den ZOB sollen ebenfalls zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Hintergrund ist, dass im Zuge des neuen Nahverkehrsplanes des Landkreises, der im Dezember in Kraft tritt, mehr Busse gleichzeitig dort ankommen und abfahren. Das kann zu Engpässen an den Buseinstiegen kommen. Deshalb soll der jetzige Busparkplatz an der Busschleife künftig als Haltesstelle miteinbezogen werden. Busabstellanlagen könnten dort entstehen, wo auch der dritte Radspeicher geplant ist, Carsharing sowie StadtRad sollen dort ebenfalls ihre Stationen haben.

Eine Mobilitätszentrale könnte im jetzigen Reisezentrum entstehen, aus dem sich die Deutsche Bahn mit ihren Info-Schaltern und Ticketverkäufen zurückziehen will. Einziehen könnte dort die Uelzener Eisenbahngesellschaft metronom, die sich laut Verkehrsvertrag verpflichtet hat, Fahrkarten für Nah- und Fernverkehr an einem Schalter zu verkaufen. Die Verwaltung nimmt damit auch den Antrag der Jamaika-Gruppe für eine solche Zentrale auf, die einem „gebündelten Angebot von Verkehrsträgern“ am Bahnhof Rechnung tragen soll. Erste Gespräche mit der DB, die Vermieter der Immobilie sei, habe es bereits gegeben, sagte Verkehrsdezernent Markus Moßmann. In der Mobilitätszentrale könnten auch das KVG-Kundencenter, eine Tourist-Info, aber auch der ADFC oder Carsharing-Anbieter Cambio angesiedelt sein, wie Claudia Schmid (Grüne) ergänzend vorschlug.

All das seien Ideen, die zu begrüßen seien, machten der Ausschussvorsitzende Jens-Peter Schultz (SPD) und Dr. Gerhard Scharf (CDU) deutlich. Deshalb solle die Verwaltung in die Planungen einsteigen, dafür gab es auch das Votum der anderen Fraktionen. Ulrich Löb (Grüne) gab allerdings zu bedenken: Das zusätzliche Radparkhaus dürfe höchsten 50 Meter vom Bahnhof entfernt entstehen.

Christoph Podstawa (Linke) kritisierte, dass Autos aus seiner Sicht zu viel Platz im direkten Bahnhofsumfeld besetzten. Das müsse sich ändern. Es sei nicht einzusehen, dass Menschen direkt vorm Bahnhof mit dem Auto abgeholt würden. Diese Einschätzung allerdings ließ Frank Soldan (FDP) den Kopf schütteln: Für Menschen, die per Bahn nach Lüneburg kämen wie zum Beispiel seine 81-jährige Mutter, müsste es doch die Möglichkeit geben, dass sie mit dem Auto abgeholt werden.

Von Antje Schäfer