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Der Metronom streicht zwei wichtige Verbindungen.

Metronom streicht zwei Verbindungen zur Hauptverkehrszeit

Uelzen/Lüneburg. Besonders die Pendler sind frustriert: Seit Wochen fallen regelmäßig die Metronom-Züge nach Uelzen oder Hamburg aus, und das auch noch zur Hauptverkehrszeit. Gestern gab die Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Uelzen eine klare Ansage: „Bis auf weiteres“ sind die Fahrten um 6:26 Uhr ab Uelzen nach Hamburg und um 17:28 Uhr von Hamburg nach Uelzen aus dem Fahrplan gestrichen. Der Grund: Gleich drei Zugverbände sind nicht einsatzfähig, weil die dazugehörigen Steuerwagen durch Unfälle beschädigt sind.

Diese Unfälle liegen schon einige Wochen zurück, und ursprünglich war geplant, dass die Züge Ende Mai oder Anfang Juni wieder fahren können, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin. „Leider hat die Werkstatt es nicht geschafft. Die Steuerwagen sind stärker beschädigt worden, als zunächst angenommen.“ Die Reparatur werde noch mindestens sechs bis acht Wochen dauern. Danach, so hofft der Metronom, soll der Regelfahrplan wieder aufgenommen werden können.

Die Eisenbahngesellschaft veröffentlichte am Freitag einen Brief an ihre Fahrgäste auf ihrer Website und den sozialen Netzwerken, in welchem sie ihr Vorgehen erklärt – und bedauert. Viele der gebeutelten Pendler reagierten irritiert, manche ließen ihrer Wut freien Lauf. Wieso denn ausgerechnet Züge in der Hauptverkehrszeit gestrichen werden, fragte etwa der User Leif Scheele auf Facebook. Auf LZ-Nachfrage erklärt Metronom-Sprecher Pamperin: „Uns war es wichtig, dass der Stundentakt aufrecht erhalten bleibt.“ Nicht bedient werden jetzt die so genannten Zwischentakte – die Fahrten, die in den Hauptverkehrszeiten zusätzlich zu den Fahrten zur vollen Stunde angeboten werden. Pendler, die diese Zwischentakte nutzten, müssten dadurch nur eine halbe Stunde länger auf den nächten Zug warten, und Zugreisende außerhalb der Stoßzeiten können weiterhin stündlich ihr Ziel erreichen.

Die dürften dafür jetzt um Einiges voller werden. Auf die Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn dürfen die Pendler jedoch nur mit einem entsprechenden Fahrschein ausweichen, betont Pamperin.

Andere Pendler beschweren sich im Netz auch über die steigenden Ticketpreise, die ihrer Meinung nicht im Verhältnis zur erbrachten Leistung stehen. Einige drohen gar, ihr Geld für die Monatstickets anteilig zurückzuverlangen. „Das ist nicht möglich“, sagt Pamperin. Die Fahrkarten seien ja nicht für eine bestimmte Zugverbindung gelöst, außerdem können die Fahrgäste auch die Folgetakte nutzen. „Es gibt ja die Möglichkeit, zu fahren.“

Und auch die für die Ticketpreise könne der Metronom nichts: „Die werden von den einzelnen Verkehrsverbünden festgelegt, wie etwa dem HVV.“ Das Geld für die Fahrkarten lande auch nicht direkt beim Metronom, sondern unter anderem in den Töpfen der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und der Verkehrsverbünde – die auch einer der Auftraggeber des Metronoms sind. „Aus diesen Töpfen bekommen wir das Geld für den Zugbetrieb“, sagt Pamperin – doch der Fahrkartenverkauf selbst macht nur 30 Prozent der gesamten Summe aus. Die restlichen 70 Prozent seien vor allem Steuergelder. „Wir kriegen für jeden Zug, der fährt, Geld von unseren Auftraggebern.“ Daher seien die ausgefallenen Takte auch ein finanzieller Ausfall für die Eisenbahngesellschaft.

Und nicht nur das – der Metronom muss dafür auch noch eine Strafe bezahlen. Kurz um: „Es liegt in unserem eigenen Interesse, dass die Züge schnell wieder fahren.“

Von Robin Williamson

 

Brief an die Fahrgäste

Hier die Erklärung, die u.a. auch auf Facebook veröffentlicht wurde, im Wortlaut:

„Liebe Fahrgäste,

es tut uns leid!

ab sofort haben wir die Fahrten 
• 06:26 Uhr von Uelzen nach Hamburg (82858)
• 17:28 Uhr von Hamburg nach Uelzen (82883)
bis auf weiteres aus dem Fahrplan gestrichen.

Warum?
Für Ende Mai/Anfang Juni hatten wir angekündigt, dass die drei durch einen Unfall beschädigten Steuerwagen wieder fahren können.

Leider hat die Werkstatt es nicht geschafft. Die Steuerwagen sind stärker beschädigt worden, als zunächst angenommen. Die Reparatur wird noch mindestens weitere 6 – 8 Wochen dauern.

Das Problem daran: Ohne Steuerwagen kann der ganze Zug nicht fahren. Somit fehlen uns aktuell drei komplette Züge, welche wir dringend brauchen – vor allem in der Hauptverkehrszeit zwischen Hamburg und Lüneburg.
Zu dieser Zeit sind bei metronom wirklich alle Züge im Einsatz, um auch die Zwischentakte fahren zu können.

Nun, da uns drei komplette Zugverbände fehlen, mussten wir immer wieder zwei Fahrten streichen – 06:26 Uhr von Uelzen nach Hamburg und 17:28 Uhr von Hamburg nach Uelzen.

Wir möchten, dass ihr euch auf uns verlassen könnt. Auch wenn mal etwas nicht läuft wie geplant. Deshalb haben wir diese beiden Zugfahrten solange grundsätzlich gestrichen, bis die Steuerwagen repariert sind.

Wir sind uns dessen sehr bewusst, dass es sich bei den beiden Fahrten um wichtige Züge im Berufsverkehr handelt und die alternativen Fahrten im „normalen“ Stundentakt dann sehr voll sein werden.

Aber wir möchten sichergehen, dass ihr nicht vergebens am Bahnsteig steht und wartet.

Wir hoffen auf euer Verständnis und tun alles dafür, die Reparatur schnell zu beenden.“