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Die Johannes-Rabeler-Schule könnte nun doch eine längere Zukunft haben. Foto: t&w

Wende bei der Förderschule

Lüneburg. Es war im Grunde beschlossene Sache: Die Johannes-Rabeler-Schule würde im Sommer keine neue Schüler aufnehmen. Die Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen würde langsam auslaufen. Dagegen regte sich Protest bei Eltern und in der Politik, der nun zu fruchten scheint. Denn offenbar gibt es nun genügend Anmeldungen für eine neue 5. Klasse, sodass die Schule wohl doch noch eine längere Zukunft hat. Das letzte Wort hat jetzt Kultusminister Grant Hendrik Tonne.

Wie viele Schüler gibt es tatsächlich für Klasse 5?

Zum Hintergrund: Im Zuge der Inklusion sollen auch Kinder mit diagnostizierter Lernschwäche an Regelschulen unterrichtet werden. Da aber die Inklusion in Niedersachsen noch an vielen Stellen hakt, hatte das Land den Schulträgern die Möglichkeit eingeräumt, die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen bis 2028 fortzuführen. Die Stadt Lüneburg wollte für ihre Schule davon keinen Gebrauch machen. Das ärgert Eltern, die ihr Kind an einer Förderschule besser aufgehoben sähen, und auch in der Politik gibt es Widerstand. Die Jamaika-Gruppe im Rat kämpft für den Erhalt der Förderschule, hat mit Niedersachsens CDU-Generalsekretär Kai Seefried auch einen einflussreichen Mitstreiter gewonnen, der sich dafür beim Kultuminister starkmacht.

Die Verwaltung argumentierte stets, dass es für eine neue 5. Klasse gar nicht genügend Kinder im Stadtgebiet gebe und verwies auf eine entsprechende Elternbefragung. Aus der Jamaika-Gruppe gab es den Vorwurf, die Verwaltung habe den Antrag extra so gestellt, dass die Landesschulbehörde die Genehmigung verweigern musste. Die Schule hatte zwischenzeitlich eine Liste mit 26 Interessenten aus Stadt und Landkreis für Klasse 5 vorgelegt, weit mehr als die für den Fortbestand erforderliche Mindestanforderung von 13 Schülern. Der Rat hatte daraufhin im Mai mehrheitlich beschlossen, einen erneuten Antrag zur Fortführung der Schule zu stellen. Zähneknirschend erledigte die Verwaltung den Auftrag.

Alles in allem koste das 960.000 Euro

Im Schulausschuss des Rates hieß es nun, dass die Landesschulbehörde die Liste Name für Name geprüft habe – mit dem Ergebnis, dass sie jetzt die Empfehlung für einen Fortbestand gebe. Das aber müsse der Kultusminister absegnen. Die Befürworter der Förderschule wie die Ausschussvorsitzende Sonja Jamme (CDU) vernahmen die Kunde mit einem Lächeln. Denn im Grunde gibt es nun keine Argumente mehr dagegen. Selbst Bildungsdezernentin Pia Steinrücke sagte: „Es war immer klar: Wenn wir auch Kinder aus dem Landkreis aufnehmen, wird es reichen.“

Weil das Gebäude im Herzen der Innenstadt schon anderweitig verplant war – unter anderem braucht die nahegelegene Oberschule am Wasserturm mehr Platz, zudem wollte die Verwaltung selbst ein Nebengebäude nutzen – müsse nun umgebaut und saniert werden. Im Verwaltungsausschuss und im Rat wird das in der kommenden Woche zum Thema. Alles in allem koste das 960.000 Euro, die nicht im Haushalt eingeplant sind. Der Rat müsste das deshalb außer der Reihe absegnen, die Kämmerin entsprechend im Etat umschichten. Nach dem Vorschlag der Verwaltung müsste dann das geplante Stadtteilhaus in Oedeme noch länger warten.

Appelle der Eltern an den Kultusminister

Auch der Stadtelternrat sowie Dr. Thomas Felleckner, Elternratsvorsitzender der Rabeler-Schule, und Stefanie Ratz, in gleicher Funktion an der auslaufenden Schule an der Schaperdrift in Oedeme, appellieren an den Minister, die Verlängerung abzusegnen. „Wir glauben, dass die Verwaltung die Sache von Beginn an systematisch torpediert hat, in der Hoffnung, dass wir Eltern verzweifelt aufgeben“, schreiben Ratz und Felleckner an Tonne. „Wir bitten Sie dringend, schnell und positiv über den Antrag zur Weiterführung der Johannes-Rabeler-Schule zu beschließen und so unseren Kindern die für sie so notwendige Beschulung zu ermöglichen.“

Von Alexander Hempelmann

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