Aktuell
Home | Lokales | Die Schützen und ihre Bikes
Einige Mitglieder der Motorradabteilung im Scharnebecker Schützenverein (v.l.): Jürgen Reimer, Dierk Oldenburg, Marvin Daum, Christian Hannebohm, Laurent Ay und Monika Oldenburg. (Foto: t&w)

Die Schützen und ihre Bikes

Scharnebeck. Es gibt Fragen, die stellt man besser nicht: Zum Beispiel sollte man niemals einem Mitglied des Schützenvereins Scharnebeck die Frage stellen, auf welche Freizeitbeschäftigung er gegebenenfalls eher zu verzichten bereit wäre – aufs Motorradfahren oder auf den Schießsport?

„Das ist eine gaaaanz schlechte Frage…!“, sagt Monika Oldenburg schmunzelnd. Doch bevor sie erläutern kann, warum sie die als unfair empfindet, ergreift Jürgen Reimer das Wort: „Als Vorsitzender des Schützenvereins Scharnebeck komme ich doch kaum noch zum Schießen“, sagt der 63 -jährige. Aber auf dem Motorrad durch die Lande zu fahren, das sei für ihn dagegen „Entspannung pur“.

So wie der pensionierte Sparkassen-Mitarbeiter denken offenbar einige im Schützenverein Scharnebeck. Denn er ist der einzige Schützenverein in weitem Umkreis, wenn nicht gar in ganz Niedersachsen, mit einer eigenen Motorradabteilung. „Motorradfreunde Schützenverein Scharnebeck“ tragen die Biker im Logo, das als eigenes Abteilungsschild auch am „Maibaum“ vor dem Schützenhaus hängt. Neben den Plaketten des Grünen und des Schwarzen Korps, des Damen Korps oder des vereinseigenen Spielmannzuges.

Nur ein Pendant in Düsseldorf

„Meines Wissens gibt es nur noch in Düsseldorf einen Schützenverein mit einer aktiven Motorradgruppe innerhalb des Vereins“, berichtet Reimers. In der Vergangenheit habe es zwar mal Überlegungen gegeben, sich gegenseitig zu besuchen – „doch da ist bislang nichts draus geworden“, bedauert der Schützenpräsident.

Dass ihre Biker-Abteilung etwas Besonderes ist, wissen Jürgen Reimer und sein Vize Christian Hannebohm. „Vor zehn Jahren haben wir unsere Gruppe innerhalb des Vereins ins Leben gerufen“, berichten die beiden dem LZ-Redakteur, der sich mit den Motorradfreuden zum „Gespräch unter Bikern“ verabredet hat. 16 Mitglieder zählt die Truppe, doch nicht alle haben an diesem Sonnabendnachmittag Zeit. Doch immerhin sechs sind auf ihren Maschinen zum vereinbarten Treffpunkt am Schützenhaus gekommen: Jürgen Reimer auf seiner Kawasaki, Christian Hannebohm auf BMW, Marvin Daum auf seiner Harley, Laurent Ay auf der Yamaha, Dierk Oldenburg auf BMW und Monika Oldenburg auf ihrer Kawasaki.

Vorurteil der Spießigkeit

Schützenvereine leiden vielfach unter dem Vorurteil der „Spießigkeit“. Auch aus diesem Grund hatten wir uns seinerzeit überlegt, uns als Verein breiter aufzustellen“, sagt Reimer und Monika Oldenburg ergänzt: „Wir wollen mit den gängigen Klischees aufräumen.“ Bis dato waren die Biker innerhalb des Schützenvereins häufig alleine unterwegs – jetzt haben sie die Gelegenheit, gemeinsame Ausfahrten mit den Schützenbrüdern und -schwestern zu unternehmen. „Für den einen oder anderen war das sogar der Anlass, sich eine eigene Maschine zuzulegen“, berichtet Hannebohm, der als als selbstständiger Handwerker auch an Motorradtouren teilnimmt, die von den Lüneburger Kaufleuten organisiert werden.

Um sich den Motorradfreunden des Schützenvereins anzuschließen, muss man allerdings Mitglied im Schützenverein sein. „Das ist schon Voraussetzung“, erklären Reimers und Dierk Oldenburg. Neben normalen Ausfahrten in die nähere Umgebung unternehmen die Biker des Schützenvereins auch mehrtägige Touren mit Übernachtungen – etwa in das Weserbergland, den Harz oder auch an die Ostsee. „Unsere Frauen kommen dann meist auch mit“, berichtet Hannebohm. Die wenigsten allerdings als Sozia, sondern im Auto. Was aber auch ganz praktisch ist, weil das eigene Gepäck dann nicht mühsam auf dem Bike, sondern bequem im Kofferraum des Pkw verstaut werden kann.

Tour nach Italien steht an

Demnächst planen Jürgen Reimer, Christian Hannebohm und Dierk Oldenburg eine Motorradtour nach Italien. Die Anfahrt über die Autobahn findet dann aber im Auto statt, mit den Bikes auf dem Trailer. „Das ist die entspanntere Anreise“, ist Hannebohm überzeugt und keiner seiner motorradfahrenden Schützenbrüder will ihm da widersprechen.

Von Klaus Reschke