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An der Ecke Schomakerstraße und Ochtmisser Kirchsteig könnte ein Neubau entstehen. Eine Bauvoranfrage ist gestellt. (Foto: Behns)

Ein schwieriges, massives Erbe

Lüneburg. Unruhe am Ochtmisser Kirchsteig: An dem von Senkungsschäden gebeutelten Straßenzug ist ein geplantes Bauprojekt an der Schomakerstraße Gesprächsthema. Mehrere Anwohner berichten, dass unweit der Kreuzung an der Herderschule ein Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll. Angeblich mit einer Tiefgarage im Boden. Nachbarn haben Sorge, dass es beim Bau zu Erschütterungen kommen könnte und glauben ihre Häuser in Gefahr. Der Verwaltung liege eine Bauvoranfrage vor, heißt es aus dem Rathaus, aber kein Bauantrag.

„Es geht dabei um ein privates Vorhaben, das drei Gebäude involviert, davon ein Reihenhaus und zwei Mehrfamilienhäuser mit je fünf beziehungsweise sieben Einheiten“, sagt im Rathaus Sprecher Sebastian Koepke-Millon: „Eine Beteiligung der Nachbarn findet bereits statt; eine Kollegin von der Bauaufsicht befindet sich derzeit in Gesprächen mit Anwohnern.“ Das betroffene Areal liege „nicht direkt im Senkungsgebiet, jedoch im Nahbereich. Zahlreiche Details sind noch zu klären, um die Voranfrage weiter bearbeiten zu können.“

Erschütterungen gilt es zu vermeiden

Wie berichtet, senkt sich seit rund 15 Jahren vor allem im unteren Bereich des Ochtmisser Kirchsteigs die Erde – zwischen Herderschule und dem Kreisel an Mönchsgarten. Der Geologe der Stadt, Thorsten Trapp, der die Problematik seit Jahren kennt und begleitet, macht für das Phänomen eben auch das Versickern von Regen und Schmelzwasser sowie Wasserbewegungen im Untergrund verantwortlich. Allein im vergangenen Jahr lag die Senkung am extremsten Punkt bei knapp 30 Zentimetern. Manche Häuser stehen so schief, dass sie zwischen Straße und Gartenseite einen Höhenunterschied von rund einem Meter aufweisen.

Im Jahr 2000 wurde für den Bau von zwei Häusern ein Teil des Bunkers freigelegt. Mächtig und massiv liegen die Mauern im Boden. (Foto: ta)
Die Folgen des Absackens sind mit bloßem Auge zu erkennen. Die Stadt hat reagiert, am Ochtmisser Kirchsteig gilt ein Tempolimit von 20 km/h und eine Gewichtsbegrenzung, Lastwagen und Bussen dürfen dort eigentlich nicht fahren. Das Ziel: Erschütterungen vermeiden.

Bunker als Lager genutzt

Gerade die befürchten Anlieger, wenn an der Schomakerstraße die Baumaschinen anrollen. In diesem Bereich liegen Reste eines alten Bunkers. Als dort im Jahr 2000 zwei Häuser hochgezogen wurden, lagen Fundamente frei. Ein Teil der Anlage wurde abgetragen, ein anderer verfüllt. Unklar ist für Anlieger, was von der Hinterlassenschaft des Krieges noch im Erdreich schlummert und möglicherweise für eine Tiefgarage verschwinden müsste.

Die Post nutzte die unterirdische Räume und hatte dort unter anderem Schaltschränke untergebracht. (Foto: ta)
Ein Blick ins LZ-Archiv erzählt die Geschichte: Die Reichspost war offenbar auf Hitlers Kriegspläne eingestellt und plante vor. 1939 wurde der Bunker gebaut. Im gleichen Jahr taucht die Adresse Schomakerstraße 62 erstmals im Adressbuch auf, Telegraphenleitungsaufseher Karl Heuer wohnte dort. Der Bunker war Verbindungsstelle für Fernschreiber und Verstärkerstelle für die Telefonleitungen zwischen Hamburg und Hannover. „Es war nicht nur ein Luftschutzbunker für die Bevölkerung, sondern auch für die Technik“, hatte ein Postsprecher damals erklärt. Bis 1984 nutzte die alte Bundespost den Bunker für Technik, danach als Lager.

Von Carlo Eggeling