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Das Reppenstedter Seniorenheim im Eschenweg soll um einen dreigeschossigen Anbau erweitert werden, entlang der Südseites des benachbarten Wohnhauses (im Bild rechts). Für den Anbau mit 1000 Quadratmetern Nettogrundfläche soll auch der Parkplatz weichen. (Foto: dth)

Anbaupläne werfen Schatten voraus

Reppenstedt. Die Unternehmensgruppe „Kervita“ greift ihre Pläne wieder auf, das Seniorenpflegezentrum in Reppenstedt um einen neuen, dreigeschossigen Gebäudetrakt zu erweitern. Die Nachfrage nach weiteren Pflegeplätzen sei vorhanden, heißt es auch in der Reppenstedter Kommunalpolitik. So befasste sich kürzlich der Planungsausschuss des Gemeinderates mit einer entsprechenden Änderung des Bebauungsplans. Die Anbaupläne wurde zuletzt im Frühjahr 2017 diskutiert. Das Verfahren geriet aber ins Stocken. Unter anderem der Nabu hatte sich erfolgreich für den Erhalt ortsbildprägender Buchen und Eichen eingesetzt, die für einen Parkplatz hätten fallen sollen. Das eine Problem steht vor der Lösung, das nächste kommt: Anwohner befürchten eine Verschattung ihrer Wohnungen durch den neuen Anbau.

Auf der Terrasse bald im Dunkeln?

Reppenstedterin Helga Brügmann (69) war ratlos und verfolgte kürzlich die jüngsten Sitzung des Reppenstedter Planungsausschuss mit einiger Ratlosigkeit. Vor Jahren hatte sie sich mit ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann eine Eigentumswohnung im Eschenweg gekauft, heute in direkter Nachbarschaft zum Kervita-Seniorenheim. Ihr graut davor, künftig auf ihrer sonnenverwöhnten Terrasse bald im Dunkeln zu sitzen. Denn in einem Abstand von schätzungsweise zehn Metern soll quer, an der Südseite des Wohnhauses entlang, der dreigeschossige Anbau des Seniorenheims entstehen. Brügmann befürchtet zudem eine Wertminderung ihres Eigentums. Auch Ilga Rickert (84), die ihre Wohnung im zweiten OG gemietet hat, sagt: „Alle sagen, ich habe die schönste und hellste Wohnung im ganzen Haus. Aber damit ist es ja wohl bald vorbei.“

Im Fachausschuss meldeten sich die beiden Seniorinnen kaum zu Wort. Im Nachgang wurde ihnen von Gemeindedirektorin Susanne Stille beschieden, sie könnten im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Änderung des Bebauungsplanes Nr. 34 „Ortsmitte IV“ eine Stellungnahme abgeben. Arne Topp (CDU) erklärte, dass eine Verschattung der Nachbargebäude nicht mehr als sonst üblich erfolgen würde, dafür hätte der neue Gebäuderiegel aber eine lärmmindernde Wirkung.

Buchen und Eichen sollen bleiben

In dem nun geänderten Entwurf des Bebauungsplans werden die hochgewachsenen Buchen und Eichen in der Einfahrt zum Eschenweg nun als erhaltenswert festgehalten, der geplante Parkplatz wird neu geordnet und soll auf der heutigen Grünfläche gebaut werden. Der noch vorhandende Parkplatz hingegen wird dem Anbau weichen müssen, der sich in Höhe und Gestalt dem dreigeschossigen Bestand anpassen soll. Einstimmig votierte der Ausschuss dafür, die Änderung des Bebauungsplans grundsätzlich durchführen zu wollen.

Die Kervita-Unternehmensgruppe wollte auf LZ-Nachfrage nicht näher auf die Pläne eingehen, man wolle zunächst das Verfahren bei der Gemeinde abwarten, hieß es. Früheren Angaben zufolge, aus dem ersten Planverfahren 2017, soll der Anbau eine Nettogrundfläche von zirka 1000 Quadratmetern haben. Die damalige Zahl von 81 Betreuungsplätzen sollte auf bis 112 erhöht werden. Zudem war von der Einrichtung von zwölf Tagespflegeplätzen die Rede. Vor zwei Jahren rechneten die Investoren noch mit Ausgaben in Höhe von 3,8 Millionen Euro für den Anbau. Kervita betreibt das Seniorenpflegeheim seit 2006.

Von Dennis Thomas