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Philipp Trzeciak (l.) und David Storek freuen sich auf die Universiade in Neapel. Storek ist Leiter der deutschen Delegation. Foto: t&w

Verbindung von Sport und Bildung

Lüneburg. Philipp Trzeciak fährt ganz sicher nicht als Tourist nach Italien, hat sich ein klares Ziel gesetzt: „Bei einem Wettkampf will man immer die Goldmedaille gewinnen. Das ist auch diesmal so.“ Der 24-jährige Taek­wondoka ist einer von zwei Studenten der Leuphana-Universität, die an der Universiade, den Weltsportspielen der Studenten, vom 3. bis 14 Juli in Neapel teilnehmen. Neben Trzeciak ist auch David Storek dabei – als Leiter der deutschen Delegation, sozusagen als „Chef de Mission“.

Als aktueller deutscher Meister im Taekwondo (Gewichtsklasse bis 80 kg) rechnet sich Philipp Trzeciak, der in Hamburg-Bergedorf wohnt, auch bei der Universiade in Neapel gute Chancen aus. Und er freut sich riesig darauf: „Das ist ein Highlight für mich. Sowohl in meiner sportlichen als auch in meiner Uni-Laufbahn. Vom Charakter her ist das ähnlich wie Olympia.“

Große Bühne für junge Athleten

Neapel ist für den Student der Betriebswirtschaftslehre und Industrietechik die letzte Chance für einen Start bei der Universiade. Zum einen, weil er kurz vor dem Abschluss seines Studiums steht und man für die Teilnahme an einer Uni immatrikuliert sein muss. Zudem sind die Weltsport-Spiele für jüngere Athleten gedacht, daher gilt dort die Altersgrenze U 25.

David Storek findet das völlig in Ordnung, zumal er in der Universiade in erster Linie eine Bühne für den Nachwuchs im Spitzensport sieht. „Bei den Olympischen Spielen in Rio waren etwa 60 Prozent der Teilnehmer Studierende. Daran kann man auch ablesen, was für ein Niveau die Wettkämpfe der Universiade haben“, sagt er. Der 25-jährige Lehramts-Student (Deutsch, Sport) ist in Neapel Leiter der deutschen Delegation. Diese besteht aus etwa 130 Athleten und 70 Mitgliedern des Funktionsteams.

Seit 2015 ist er im Hochschulsport aktiv

„Meine Aufgabe ist es, Deutschland und auch das Team zu repräsentieren. Ich bin die Schnittstelle zwischen dem Veranstalter und der deutschen Mannschaft“, erzählt David Storek. Bei Empfängen, organisatorischen Fragen oder auch möglichen Streitfällen ist David Storek erster Ansprechpartner.

Seit 2014 studiert der gebürtige Berliner in Lüneburg, seit 2015 ist er im Hochschulsport aktiv und nach einer internationalen Weiterbildungsmaßnahme rückte er ein Jahr später in den Vorstand des Allgemeinen deutschen Hochschulsportverbandes (ADH) auf. Das Amt als Delegationsleiter bei der Universiade ist auch für den passionierten Allroundsportler (u.a. Fußball, Tischtennis, Beachvolleyball, Rennrad) ein Highlight.

Verbindung zwischen Sport und Bildung

Und es wird eine logistische Herausforderung. Denn Neapel sprang recht kurzfristig für die brasilianische Hauptstadt Brasilia als Ausrichter ein. Das hatte zur Folge, dass die Infrastruktur (Unterbringungsmöglichkeiten, Sportstätten) in der süditalienischen Metropole in der verbliebenen Zeit nicht so optimal gestaltet werden konnten wie gewünscht. So liegen die Sportstätten teilweise recht weit aus­einander, viele Disziplinen finden in den Vororten statt, viele Athletinnen und Athleten sind auf Kreuzfahrtschiffen untergebracht. „Hoffentlich funktioniert die Klima-Anlage“, meint Storek schmunzelnd.

Das Faszinierende am Hochschulsport ist für ihn die Verbindung zwischen Sport und Bildung. „Ich bewundere das Austauschprinzip“, meint er, „die Uni-Standorte stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern teilen ihre Erkenntnisse.“ Als besonders wichtig erachtet er die freiwillige Selbstverpflichtung der Unis, die sich „Partnerhochschulen des Spitzensports“ nennen, darunter auch die Leuphana. Damit ist gemeint, dass es den Top-Athleten, die an diesen Hochschulen studieren, mit besonderen Maßnahmen erleichtert wird, Spitzensport und Studium unter einen Hut zu bringen.

Von Matthias Sobottka

Die Universiade

Größte Multisportveranstaltung nach Olympia

Die Universiade kann man als Olympische Spiele der Studierenden bezeichnen. Sie wird im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen. In Taipeh 2017 waren rund 13.000 Teilnehmer aus 141 Nationen am Start. In Neapel werden es nun „nur“ etwa 8000 Sportlerinnen und Sportler aus 150 Ländern sein. Die geringere Teilnehmerzahl rührt daher, dass Neapel kurzfristig für Brasilia als Ausrichter eingesprungen ist (siehe oben). Nach den Olympischen Spielen ist die Universiade die größte Multisportveranstaltung der Welt.

Insgesamt gibt es 15 obligatorische Sportarten bei der Universiade: Leichtathletik, Basketball, Fechten, Fußball, Gerätturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Schwimmen, Wasserball, Tennis, Tischtennis, Judo, Volleyball, Taekwondo, Bogenschießen. Zusätzlich kann der Gastgeber noch drei optionale Sportarten anbieten.

Die Veranstaltung in Neapel ist die 30. Universiade. Alles begann 1959 in Turin. In Deutschland wurde die Universiade erst einmal ausgetragen: 1989 in Duisburg.