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Trotz Tarifsteigerungen wird den kommunalen Theatern bald weniger Geld zur Verfügung stehen. (Karikatur: GK+)

Überflutung im Postfach

Lüneburg/Hannover. Die sechs kommunalen Theater stehen in Niedersachsen vor einer erneuten Kürzungsrunde, wenn die aktuellen Pläne innerhalb der Landesregierung Wirklichkeit werden. Bevor auf einer Haushaltsklausur am Montag in Hannover hier Weichen gestellt werden, lassen die Lüneburger mit den Häusern in Celle, Göttingen, Hildesheim, Wilhelmshaven und Osnabrück die Aktion #rettedeintheater wieder aufleben.

Finanzminister Reinhard Hilbers und Kulturminister Björn Thümler (beide CDU) könnten daher bis zum Wochenende viel Post bekommen. Ihre Mailpostfächer sollen „geflutet“ werden. Mit diesem Mail-Flashmob protestieren Theatermacher und ihre Freunde dagegen, dass das Land künftig keine Tarifsteigerung mehr übernehmen will. Dabei hatten die sechs Theater im Herbst mühevoll eine Steigerung des Etatposten für kommunale Theater um drei Millionen Euro erkämpft.

Zusätzliche Millionen in Aussicht gestellt

Dieses Plus wäre binnen zwei Jahren wieder aufgebraucht. Theater-Intendant Hajo Fouquet rechnete auf LZ-Anfrage nach: 345 000 Euro von den drei Millionen gehen pro Jahr nach Lüneburg. „Die Tarifsteigerung 2019 bedeutet für uns Mehrausgaben in Höhe von 230 000 Euro.“ Für 2020 erwartet er zusätzliche 240 000 Euro. Bislang haben sich Land und Träger diese geteilt.

Dabei hatten sich SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag im Herbst 2017 nicht nur zur Beteiligung an den Tarifsteigerungen bekannt, sondern zusätzlich sechs Millionen Euro pro Jahr für die sechs Theater in Aussicht gestellt. Daran soll jetzt mit der Mailaktion erinnert werden.

Die Streichungspläne sorgen koalitionsintern für Unmut. Lüneburgs SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers ist verärgert: „Das konterkariert die politischen Beschlüsse und darum hoffe ich, dass die Regierungsfraktionen Lösungen finden, um dies zu verhindern“, kommentiert die Abgeordnete das Vorgehen der beiden CDU-Ressortchefs. Stadt und Landkreis müssten aber künftig ebenfalls schauen, „ob und wie sie einen höheren Beitrag zur Finanzierung leisten können“, appelliert Schröder-Ehlers.

Von Marc Rath