Aktuell
Home | Lokales | Bleckede | Gut getauscht ist halb gewonnen
Weniger Verkehr und mehr Innenstadt-Flair wünscht sich die Stadt Bleckede für die „Breite Straße“. Foto: ada

Gut getauscht ist halb gewonnen

Bleckede. Das Tausch-Prinzip hat sich in vielen Bereichen des Lebens bewährt. Manch einer tauscht Briefmarken, andere Fußball-Sticker und wieder andere ihre Wohnungen. Die Stadt Bleckede tauscht nun in größerem Stil: zwei Straßen.

Mit monotonem Brummen rattert ein Auto nach dem anderen über die „Breite Straße“ in Bleckede, während die Passanten es sich vor den Cafés und Restaurants der Stadt gemütlich gemacht haben. Die Straße gehört zu Bleckedes Innenstadt und ist gleichzeitig eine der Hauptverkehrsadern. Doch das mit dem Verkehr soll sich bald ändern.

Straßen-Tausch zur Verkehrslenkung

Denn seit Bleckede 2015 mit seiner historischen Innenstadt in das Förderprogramm des städtischen Denkmalschutzes aufgenommen wurde, planen die Verantwortlichen um Bürgermeister Jens Böther, dem Zentrum mehr „Aufenthaltsqualität“ zu geben. In dem Entwurf eines städtebaulichen Rahmenplans ist etwa von einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich um die „Breite Straße“ die Rede. Tempo-Zonen sollen eingeführt, Barrieren abgebaut und der Marktplatz umgestaltet werden. Ideen, die Innenstadt lebens- und liebenswerter zu machen, gibt es viele – umgesetzt werden konnten sie bisher nicht. Auch deshalb, weil die „Breite Straße“ eine Landesstraße ist und nicht der Gemeinde gehört. „Die Optionen, an einer Landesstraße etwas zu verändern, sind gleich Null“, erklärt Jens Böther. Denn Landesstraßen kommt eine besondere Bedeutung zu, sie dürfen nicht durch die Gemeinden verbreitert, aufgepflastert oder anderweitig verändert werden. „Zum Glück haben wir die Möglichkeit, den überregionalen Verkehr auch umzuleiten“, so Böther.

Streckenverlauf „Am Bleckwerk“ wird geändert

Die Rede ist von der Straße „Am Bleckwerk“, die parallel zur Innenstadtroute verläuft. Sie soll künftig zur Landesstraße werden, während die „Breite Straße“, dann als Gemeindeverkehrsweg fungiert. Ein Tauschgeschäft, dass der Stadt Bleckede deutlich mehr Gestaltungsspielraum bei der Entwicklung der Innenstadt einräumt. Doch so leicht wie Briefmarken lassen sich Straßen nicht tauschen.

Neben dem neuen Status bekommt die Straße „Am Bleckwerk“ auch einen etwas veränderten Streckenverlauf. Damit die Straße als Landesstraße mit durchgängiger Führung erkennbar ist, könnte an der Abzweigung von der Lauenburger Straße eine abknickende Vorfahrt eingerichtet werden. Außerdem sind an manchen Stellen Fahrbahnerneuerungen nötig und der Verkehrsfluss an der Kreuzung zur Lüneburger Straße und dem Nindorfer Moorweg soll künftig durch eine Ampelanlage geregelt werden.

Ampel soll Unfallschwerpunkt entschärfen

Bereits in den vergangenen Jahren galt die Kreuzung als Unfallschwerpunkt. Zwar sei sie dieses Jahr nicht mehr in der Unfallstatistik aufgetaucht, „wir beobachten die Straße aber weiterhin“, sagt Andreas Dobslaw, Leiter der Unfallkommission der Polizeiinspektion Lüneburg.

Die Ampelanlage soll die verschiedenen Verkehrsflüsse künftig klarer regeln. Von dem Bau eines Kreisels, der zwischenzeitlich auch im Gespräch war, hat die Niedersächsische Straßenbaubehörde abgesehen. Ein Kreisel sei nicht zielführend, da neben dem Bus- und Pkw-Verkehr sehr viele Fußgänger und Radfahrer die Kreuzung passieren, heißt es in einer entsprechenden Sachdarstellung des Bleckeder Verkehrsausschusses.

Land zahlt die Hälfte für die Ampel

An der Installation der Ampel wird sich das Land voraussichtlich mit 50 Prozent, das sind 100.000 Euro, beteiligen. Dafür gab der Verkehrsausschuss des Landes bei seiner letzten Sitzung bereits grünes Licht. Alle weiteren Kosten im Zusammenhang mit dem Straßentausch übernimmt die Stadt Bleckede. „Wir sind die Verursacher“, sagt Jens Böther. Innerhalb der nächsten vier Jahre sollen die Maßnahmen an der neuen Landesstraße abgearbeitet werden. Die geplanten Veränderungen an der „Breiten Straße“ sollen dann möglichst im Anschluss und mithilfe von Städtebaufördermitteln gestemmt werden. Doch darüber will der Bürgermeister jetzt noch nicht reden. „Wir schließen erstmal den Tausch ab und dann geht es in die Detailplanung“, sagt er.

Von Anke Dankers