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Ezgi Gültekin (r.) möchte mal in Deutschland studieren. Für sie und ihre Mitschüler Pelin Dogan und Ataberk Uzun (v.r.) ist das Austauschprojekt mit der Lüneburger Gesamtschule eine tolle Gelegenheit, ihr Deutsch zu vertiefen. Yannick Iwonn (l.) freut sich schon auf seinen Aufenthalt in der Türkei nach den Sommerferien. (Foto: t&w)

Eine ungewöhnliche Kooperation

Lüneburg. Jugendliche aus England oder Frankreich sind regelmäßig zu Gast an Lüneburger Schulen, Austauschschüler aus der Türkei nicht. Die IGS Lüneburg hat jetzt als Gastgeber 13 türkische Schüler empfangen. Initiiert haben den ungewöhnlichen Besuch zwei Lehrerinnen: Kirsten Ettrich-Örtel, die seit 1998 in der Türkei lebt und dort Deutsch lehrt, und Mareike Nikolaus, die an der IGS arbeitet und im vorigen Jahr eine Weiterbildung in der Türkei absolviert hat. Per Zufall kam Nikolaus ans Gymnasium Bornova Anadolu Lisesi (BAL) in Izmir, wo Ettrich-Örtel seit drei Jahren tätig ist. Der glückliche Umstand mündete nun in dem Besuch.

Studium in Deutschland ist das Ziel vieler Schüler

Ettrich-Örtel sagt: „Als Deutschlehrerin in der Türkei habe ich oft Schwierigkeiten, den Schülern die Sprache greifbar zu vermitteln, besonders da das Stundenvolumen extrem gekürzt wurde. Ein Austausch ist also ideal, um dem Fach richtig Leben einzuhauchen.“ Schnell seien die Schulleitungen überzeugt gewesen. Finanziert wurde der Austausch von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke, der Initiative Pasch-net, dem Schulverein und der Sparkassenstiftung Lüneburg. Ettrich-Örtel: „Neben der Sprachförderung ist uns bei dem Projekt wichtig, dass Vorurteile abgebaut werden. Wir müssen mit solchen Aktionen aktiv dagegen vorgehen, dass internationale Barrieren entstehen, wollen so den Frieden sichern.“

Seit zwei Jahren lernen die türkischen Schüler Deutsch, dabei hätten sie bereits ein „sehr hohes Sprachniveau“ erreicht. Bis zum Schulabschluss sollen sie ein Sprachdiplom auf einem solchen Niveau in der Tasche haben, das ihnen ermöglicht, in Deutschland zu studieren. „Deshalb sind wir unheimlich dankbar, dass die Organisation dieses Austauschs so reibungslos geklappt hat. Ohne so großartige Hilfe bei der Finanzierung beispielsweise hätten 90 Prozent meiner Schüler nicht mitkommen können“, verdeutlicht die in der Türkei lebende Pädagogin.

„Auf lange Sicht ist es unser Ziel, eine Schulpartnerschaft zwischen der IGS und der BAL aufzubauen“, sagt Mareike Nikolaus. Neben einem Rahmenprogramm, das Museenbesuche und Stadtführungen beinhalte, arbeiteten die 13 Gastschüler mit 13 deutschen Schülern in Kleingruppen zusammen. „Wichtig ist, dass die Jugendlichen ins Gespräch kommen und eine interkulturelle Begegnung stattfindet.“ Oberthema ist die Nachhaltigkeit, ansonsten dürften die Schüler frei arbeiten. Gerade das sei ein großer Vorteil, findet IGS-Schüler Yannick Iwonn: „Die Arbeit zusammen macht viel Spaß, wir sind alle sehr engagiert dabei. Die Motivation muss auch von einem selbst kommen, wenn man aus einer guten Idee ein gutes Produkt machen will.“ Schwierigkeiten bei der Verständigung gebe es kaum, „zur Not weichen wir fix auf Englisch aus.“

Gegenbesuch in der Türkei ist für September geplant

Ezgi Gültekin lernt in der Türkei in der 10. Klasse, zusätzlich zum regulären Deutschunterricht habe sie bereits an einem freiwilligen Deutschkursus in einer Akademie teilgenommen. „Ich möchte unbedingt in Deutschland studieren“, erzählt sie. „Deshalb ist das hier eine tolle Erfahrung für mich. Mit meiner Gastfamilie komme ich auch gut zurecht.“ Auch mit den anderen Schülern. „Gestern haben wir alle unsere Adressen in die WhatsApp-Gruppe geschickt, für Postkarten und Briefe.“ Ihr persönliches Highlight sei ein privater Besuch im Heide Park Soltau gewesen: „Zuerst hatte ich ein bisschen Angst, aber nach der ersten Achterbahnfahrt wollte ich alles andere auch ausprobieren.“

Nach den Sommerferien, im September, werden die 13 deutschen Schüler für eine Woche in die Türkei reisen, wo sie ihre Projektarbeit wieder aufnehmen wollen. Pläne dafür gibt es bereits: „Gerade beschäftigen wir uns mit Waldbränden, recherchieren darüber und bereiten eine Präsentation vor“, erklärt Ezgi. „In der Türkei, wo das Prob-lem akut ist, wollen wir dann einen Film drehen und T-Shirts mit Sprüchen zu dem Thema ausdrucken.“

Von Josephine Wabnitz