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Die Asphaltkaries ist nicht mehr zu übersehen. Jetzt diskutierte der Embsener Bauausschuss, mit welcher Methode die Fliederstraße und die Straße Im Dorfe wieder instand gesetzt werden sollen. Foto: be

Kampf der Asphaltkaries

Oerzen. Der Saal im Gasthaus Kruse war gut gefüllt: „60 bis 70 Zuhörer waren es bestimmt“, schätzt Embsens Gemeindedirektor Peter Rowohlt, – „darunter viele Ratsmitglieder“. Das große Interesse an der jüngsten Bauausschusssitzung überrascht Rowohlt allerdings nicht – denn auf der Tagesordnung standen auch die Fliederstraße und die Straße Im Dorfe. Reparieren oder sanieren? Das war die Frage, die der Bauausschuss an diesem Abend erörtern wollte. Und über allem schwebte vor allem die große Sorge der Anwohner, dass sie nach der Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) für die Baumaßnahme zur Kasse gebeten werden könnten.

Straßen sind ein Flickenteppich

Beide Straßen zusammen sind rund 900 Meter lang. Wobei das Wort Straßen fast übertrieben scheint. Flickenteppich beschreibt den baulichen Zustand der Fliederstraße und der Straße Im Dorfe da schon eher. Dass dringender Reparaturbedarf besteht, ist für Embsens Kommunalpolitiker daher unstreitig. Welche baulichen Maßnahmen notwendig sind, das hatte Ulrich Beußel vom gleichnamigen Ingenieurbüro im Auftrag der Gemeinde untersucht.

Und er hatte gute Nachrichten im Gepäck. An sechs verschiedenen Stellen hatte der Ingenieur Bodenproben genommen. Das Ergebnis: „Der Untergrund der Straßen ist intakt, die Tragfähigkeit des Unterbaus gegeben“, fasst Rowohlt Beußels Expertise zusammen. Nicht gut: Einige der Proben zeigten eine Belastung mit Schadstoffen auf. Wie also geht es jetzt weiter?

Strabs empfinden immer mehr Bürger als ungerecht

„Insgesamt gibt es drei Alternativen“, verdeutlicht Rowohlt, wobei die Grundsanierung der beiden Straßen am teuersten wäre: Auf mehr als eine Million Euro schätzt Beußel die Kosten. Und in diesem Fall müssten auch die Anwohner einen Großteil der Kosten aufgrund der gültigen Straßenausbaubeitragssatzung tragen. Wobei dann erst einmal der Status der Straßen geklärt werden müsste. Handelt es sich um reine Anliegerstraßen? Oder um Anliegerstraßen mit erhöhtem innerörtlichen Verkehr?

Denn je höher der Anteil des Fremdverkehrs in der Zweckbestimmung einer Verkehrsanlage zu Buche schlägt, desto geringer ist der Anteil der Anlieger am umlagefähigen Aufwand. Will heißen: Handelt es sich um eine reine Anliegerstraße, müssen die Anwohner in der Regel 75 Prozent der Ausbaukosten tragen. Wohnen sie dagegen an einer Hauptverkehrsstraße, reduziert sich ihr Anteil auf bis zu 25 Prozent. Doch die Strabs empfinden immer mehr Bürger als ungerecht. In Niedersachsen und auch im Landkreis Lüneburg wird der Widerstand gegen die Straßenausbaubeiträge deshalb immer größer.

Die Kosten trägt ausschließlich die Gemeinde

Nicht nur Rowohlt ist erleichtert, dass bei beiden Straßen laut Expertise eine Grundsanierung nicht notwendig ist, die Fliederstraße und die Straße Im Dorfe durch Reparatur wieder instand gesetzt werden können. Das bedeutet: Die Kosten trägt ausschließlich die Gemeinde.

Zwei mögliche Reparatur-Verfahren stellte Beußel den Ausschuss-Mitgliedern und Zuhörern vor: Das kostengünstigste Verfahren ist das Auftragen einer dünnen Asphaltdeckschicht in Kaltbauweise (DSK). Die so hergestellte Straße halte dann wieder bis zu zehn Jahre. Die Kosten belaufen sich auf rund 150 000 Euro.

Entscheidung nach der Sommerpause

Aufwändiger, und mit 250.000 Euro auch teurer, ist die zweite Alternative – nämlich das Abfräsen der Straße und das anschließende Aufbringen einer neuen Deckschicht. Dafür sollen die beiden Straßen dann auch wieder bis zu 15 Jahre halten.

Nach der Sommerpause will der Rat Embsen entscheiden, mit welcher Methode die beiden Straßen instand gesetzt werden sollen – „mit dem Votum der Anwohner im Ohr, die sich gegen eine straßenausbaubeitragsfähige Sanierung ausgesprochen haben“, erinnert Rowohlt, der hofft, dass im nächsten Jahr die Flickenteppiche in der Fliederstraße und der Straße Im Dorfe endlich beseitigt werden.

Denn zu tun gibt es viel: Auch der Häcklinger Weg, der Betzendorfer Weg und der Querlberg haben ihre besten Jahre hinter sich. Auch hier nagt Asphaltkaries.

Von Klaus Reschke