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Steffen Gärtner ist mit 28 Jahren der jüngste hauptamtliche Bürgermeister im Landkreis. Aus gesundheitlichen Gründen verabschiedete sich der parteilose Josef Röttgers nach zwölf Jahren von den Ratsmitgliedern. (Fotos: t&w)

Der Jüngste übernimmt das Ruder im Rathaus

Reppenstedt. Der jüngste Bürgermeister im Landkreis Lüneburg war er schon vorher. Trotzdem wird sich für Steffen Gärtner jetzt sehr viel ändern: Denn vom ehrenamtlichen Bürgermeisterposten im beschaulichen Südergellersen wechselt der 28-jährige CDU-Mann als hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Gellersen auf den Chefsessel im Reppenstedter Rathaus. Dort wurde der „Neue“ jetzt während der jüngsten Sitzung des Samtgemeinderates in einer feierlichen Zeremonie vereidigt.

Selten verlaufen Sitzungen des Rates so emotional wie an diesem Abend. Das lag weniger an Gärtner, der erstmals am großen Ratstisch Platz genommen hatte, sondern vielmehr an dessen Vorgänger Josef Röttgers (parteilos), der nach zwölf Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Zuvor stand für einen kurzen Moment noch ein dritter Mann im Fokus, nämlich der ermordete Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke. In einem Kondolenzschreiben, das Ratsvorsitzender Hans-Jürgen Nischk (CDU) verlas, drückt der Rat sein Entsetzen über die Tat aus: „Gewalt beginnt in den Köpfen und mit Worten“, heißt es in dem Text, mit dem sich die Kommunalpolitiker entschieden gegen jede Form von Gewalt im öffentlichen Diskurs wenden.

„Vergessen wir nie: Es geht um Menschen. Den Respekt und das menschliche Miteinander sollten wir wahren.“ – Josef Röttgers , ehemaliger Verwaltungschef CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Bergen würdigte die Verdienste Röttgers und zählte auf: Einführung der Krippenbetreuung mit jetzt vier Einrichtungen, „hervorragender“ Zustand der Schulen, zukunftsweisende Investitionen in die Feuerwehr und hoher Einsatz für den Breitbandausbau. „Diese zwölf Jahre haben der Samtgemeinde sehr gut getan. Du warst der Motor dieser Entwicklung. Und das Ergebnis ist vorbildlich.“ Zwar habe es auch gegensätzliche Auffassungen gegeben, „aber der Respekt füreinander stand bei dir immer über allen Interessen.“ Stehende Ovationen begleiteten die Dankesworte, die Röttgers sichtlich bewegt entgegennahm.

Abschied mit Tränen

Als dieser sich dann bei „seiner“ Verwaltung bedankte, kullerten auch bei Verwaltungsvertreterin Susanne Stille ein paar Tränen. „Sie war immer unterstützend an meiner Seite und hat mir das Leben hier sehr leicht gemacht“, so Röttgers, der seine Amtszeit mit knappen Worten zusammenfasste: „Es war mir eine Freude und eine Ehre.“ Und dann schrieb der scheidende Verwaltungschef, der krankheitsbedingt vorzeitig in den Ruhestand tritt, „seinem“ Rat noch etwas ins Stammbuch: „Vergessen wir nie: Es geht immer um Menschen. Den Respekt und das menschliche Miteinander sollten wir wahren. Denn das ist das A und O in einer Gesellschaft, in die wir alle eingebettet sind und auf die wir stolz sein können.“

Nachdem er den Amtseid abgelegt hatte, nahm sein Nachfolger den Ball auf: „Ich werde Bürgermeister für alle Fraktionen und für alle Bürgerinnen und Bürger sein“, sagte Gärtner. „Es stehen große Aufgaben an, die ich mit Tatendrang, Ehrgeiz und überparteilich angehen möchte. Ich freue ich mich riesig auf eine stets konstruktive Zusammenarbeit.“ Zu den Glückwünschen aus dem Rat folgten die Erwartungen auf dem Fuß: Christian Purps (SPD) bat als Sprecher der Mehrheitsgruppe im Reppenstedter Gemeinderat darum, dass Gärtner auch das Amt als Gemeindedirektor übernehmen und sich verstärkt für Radfahrer einsetzen möge. SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Hinrich Bonin sagte, Röttgers habe „keine Zicken gemacht“ und Beschlüsse umgesetzt, auch wenn sie nicht seiner Meinung entsprochen hätten. „Es wäre schön, wenn das auch weiter so gilt.“ Und Bergen machte Mut: „Ich wünsche dir eine ruhige Hand, Vermittlungsgeschick und Begeisterung, die die Bürger ansteckt. Das hast du in Südergellersen schon bewiesen. Das kannst du.“

Von Ute Klingberg-Strunk