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Das neue Quartett: (v.l.) Anna Dingler, Adrian Wulf, Lisa Bolten und Daryoush Danaii. Foto: t&w

Eine Stimme, die gehört wird

Lüneburg. Es ist das erste Mal seit langer Zeit, das ein Kollektiv die gesamte Amtszeit über zusammen geblieben ist: Jetzt mussten sich Julius Flinks, Katharina Hoppe, Lena Lukow und Merten Ebbert verabschieden und ihr Büro für die nächsten Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses, kurz AStA, räumen. In der vergangenen Woche wurde gewählt: Wieder haben sich vier Studenten an der Leuphana zusammengefunden, die bereit sind, sich für die Belange ihrer Kommilitonen einzusetzen und sie gegenüber der Öffentlichkeit und verschiedenen Gruppen an der Hochschule zu vertreten. Sie sind jetzt offiziell im Amt. Wer die vier neuen Gesichter sind?

Lisa Bolten

hat für den Job als AStA-Sprecherin sogar ihr Auslandssemester in Polen sausen lassen: Die 21-Jährige, die aus Jena kommt und seit zwei Jahren Kulturwissenschaften in Lüneburg studiert, engagiert sich seit dem ersten Semester bei der studentischen Interessenvertretung. Angefangen hat sie im Radioreferat „Katerfrühstück“, später an unter anderem an den Planungen zur Kulturetage in Gebäude 9 mitgewirkt (siehe Infobox) und dann im Februar das Amt der PR- und Öffentlichkeitsbeauftragten übernommen. Vor kurzem wurde Lisa Bolten dann gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, sich als AStA-Sprecherin zu bewerben. „Ich konnte mir das mit den anderen gut vorstellen. Wir haben uns mehrfach zusammengesetzt und ausgelotet, was wir für Ziele haben. Das hat sich gut ergänzt“, sagt sie, die sich vorgenommen hat, das Jahr dafür zu nutzen, noch mehr Studenten auf den AStA aufmerksam zu machen. „Er ist ein Ansprechpartner für alle, die ein Anliegen haben.“ Die Vertretung habe gegenüber der Uni eine Legitimation, „das ist eine Stimme, die gehört wird.“

Anna Dingler

(23) hat die vergangenen zwei Jahre als gelernte Verwaltungsfachangestellte beim Jobcenter gearbeitet und nebenbei ihre Fachhochschulreife nachgeholt. Weil sie mit dem Abschluss in ihrer Heimat Bayern nicht studieren konnte und es das Fach Kulturwissenschaften nicht an Fachhochschulen gibt, fiel die Wahl auf Lüneburg. Eigentlich wollte die junge Frau im Kulturreferat Referentin werden, doch dann kam auch bei ihr die Frage auf, ob nicht das Sprecher-Amt etwas wäre. „Ich habe lange überlegt, ob ich das schon im 2. Semester machen will. Dann habe ich mich dafür entschieden. Man weiß ja nie, wie die Umstände im nächsten Jahr sind“, sagt sie und macht die soziale Gerechtigkeit als ihr Herzensthema aus. „Ich kann mein Studium auch nur finanzieren, weil ich Bafög erhalte. Deshalb bin ich gespannt auf das neue Gesetz.“ Die Novelle soll dieses Jahr in Kraft treten – mit Anhebungen bei den Einkommenssätzen. Das hat zur Folge, dass mehr Studenten Unterstützung erhalten können. Dass sie davon erfahren und das Geld dann auch erhalten, dafür möchte sich Anna Dingler einsetzen.

Daryoush Danaii

hat sich für die Leuphana wegen des Studiengangs Studium Individuale entschieden, inzwischen ist der 20-jährige Bergedorfer im 4. Semester. Der Wunsch, sich politisch zu engagieren, hat Danaii zunächst ins Studierendenparlament (StuPa) befördert. „Ich wollte irgendwann nicht mehr nur Anträge beschließen, sondern sie auch umsetzen.“ Der Sprung von der Legislative zur Exekutive ist gelungen: Als AStA-Sprecher hat sich der Student vor allem das Thema Vernetzung auf die Fahnen geschrieben, er will eng mit den Vertretungen der anderen Hochschulen zusammenarbeiten. „Mir geht es da vor allem um Themen wie Wohnraum oder die Rahmenprüfungsordnung.“ Wofür Danaii auch streiten will, ist eine andere Verteilung der Sitze im Senat: Dort sind drei Studenten vertreten, aber zehn Professoren. „Wie kann es sein, dass Studenten, die die Mehrheit ausmachen, kaum Einfluss darauf nehmen können, was an ihrer Uni passiert?“

Adrian Wulf

ist der Dienstälteste in der Runde: Der 28-Jährige kam 2013 nach Lüneburg, um Umweltwissenschaften zu studieren. Inzwischen befindet er sich im Master Nachhaltigkeitswissenschaften und kann etliche Jahre Engagement im AStA, StuPa und in der Fachgruppenvertretung vorweisen. „Ich bin fast seit dem ersten Tag dabei.“ Im Nachhaltigkeitsreferat hatte Wulf verschiedenste Funktionen inne, irgendwann wuchs dann der Wunsch, „dem AStA etwas zurückzugeben“ und sich als Sprecher zu bewerben. Sein Thema? Nachhaltigkeit. Damit hängt in seinen Augen auch die Verbesserung der internen Organisation zusammen. Er macht es an einem Beispiel fest: „In den Vorjahren war es so, dass viel Wissen verloren gegangen ist, wenn sich ein Kollektiv verabschiedet hat. Das neue Team hat dann bei null angefangen.“

Gebäude 9

Kulturetage statt Café

Seit einem Jahr steht die Fläche im Erdgeschoss von Gebäude 9 leer. Die Pläne, dass Studenten sich dort mit einem Café verwirklichen, haben sich inzwischen nach langem Hin und Her zerschlagen. Geplant ist dort nun eine Kulturetage. Der Hauptraum, ausgestattet mit Technik, Podest und Buffet, soll für Veranstaltungen gebucht werden können, in den Nebenräumen ist ein Areal zum Arbeiten und Entspannen und eine Teeküche geplant. „Unsere Pläne sind soweit gut angekommen“, sagt Lisa Bolten. „Leider hängt die Bauvoranfrage seit Dezember bei der Stadt.“ Für eine vernünftige Nutzung seien Umbaumaßnahmen nötig: das Herausreißen und Verschieben mancher Wände, ein neues Lichtkonzept, neue Stromleitungen. Bei der Stadt sagt Pressesprecherin Ann-Kristin Jenckel: „Die Bauvoranfrage für die Umnutzung wird gerade abschließend bearbeitet. Ein Bescheid, mit dem eine Baugenehmigung in Aussicht gestellt wird, ergeht in den nächsten Tagen.“

von Anna Paarmannn