Aktuell
Home | Lokales | E-Tretroller in Lüneburg: Noch eine Rarität

E-Tretroller in Lüneburg: Noch eine Rarität

Lüneburg. Noch muss man sie suchen, um sie zu Gesicht zu bekommen, zumindest in Lüneburg. Vor gut einem Monat hat der Bund grünes Licht für die sogenannten E-Scooter gegeben, die flinken und wendigen kleinen Tretroller mit Elektroantrieb. Ihre Einführung war äußerst umstritten. Einige sahen in ihnen eine Bereicherung ihrer individuellen Mobilität sowie eine Entlastung der Straßen und CO₂-Reduzierung, andere eine zusätzliche Gefahr im Straßenverkehr und auf Fußwegen. Noch ist offen, wann die E-Scooter in Lüneburg starten.

„Noch kleine Problme“ sieht Sebastian Koepke-Millon von der Pressestelle der Stadt Lüneburg für die Bereitstellung solcher Roller für die Hansestadt. Man befinde sich derzeit in abwartender Haltung, was andere Städte in der Größenordnung Lüneburgs diesbezüglich planen. „Wir warten erst einmal ab, wie sich die rechtliche Lage entwickelt“, erklärt Koepke-Millon.

Das Problem: Sie sind schnell und leise

Das Problem, von dem Koepke-Millon spricht, beziehe sich auf die Unterscheidung von langsameren und schnelleren Rollern. Während die mit 12 km/h fahrenden langsameren Scooter nur auf Fußwegen fahren dürften, müssten die schnelleren die Radwege oder die Straße nutzen. Das Problem bei den langsamen: sie seien recht leise und könnten deswegen leicht überhört werden.
Die anderen Roller hingegen seien mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde für die Straße eigentlich zu langsam. Dies könne laut Koepke-Millon zu Problemen mit Radfahrern führen. Außerdem wolle man den Fokus eher auf den Ausbau für Fahrradfahrer setzen, als ein weiteres Verkehrsmittel zuzulassen.

Des Weiteren sei auch noch nicht bekannt, wo man die Roller zum Verleihen zur Verfügung stellen soll. Infrastrukturelle Änderungen seien aktuell nicht geplant. Von daher müsse Lüneburg vorerst auf E-Roller verzichten, „es sei denn, man kauft oder leiht sich woanders einen Roller“, so Koepke-Millon.

Hamburg ist da deutlich schneller. In der Elbmetropole dauerte es nicht lange, da gab es schon die ersten Modelle zum Verkauf, teilweise sogar schon vor der Zulassung. Die ersten Verleih-Anbieter waren schnell zur Stelle, auch viele Start-Ups sehen darin offenbar eine Chance, sich am wachsenden Mobilitätsmarkt erfolgreich zu behaupten. Neben vier privaten Anbietern stehen in Hamburg zwei weitere Anbieter schon in den Startlöchern. Mehr als 2000 Roller sind in der Hansestadt unterwegs.

Kosten fürs Ausleihen noch recht hoch

Wer nur zeitweise einen E-Scooter nutzen will und sich für ein Leihgerät interessiert, muss vergleichsweise tief in die Tasche greifen. Die Preise variieren zwischen 20 und 30 Cent pro Kilometer, je nach Anbieter.

In Lüneburg gibt es noch keine E-Roller zum Verleih, es habe sich noch kein privater Anbieter an die Stadt gewandt, erklärt Koepke-Millon. Anderweitige Pläne gebe es derzeit nicht, heißt es von der Pressestelle.

Die Zurückhaltung von Stadt und privaten Anbietern hat vermutlich auch mit einer Situation zu tun, wie man sie in Hamburg aktuell wahrnimmt. Viele der ausgeliehenen Roller werden am Ende der Fahrt irgendwo im Stadtgebiet abgestellt und müssen nachts mühsam wieder eingesammelt und zu den Verleih-Standorten zurückgebracht werden – ein nicht zu unterschätzender logistischer und kostspieliger Aufwand. Häufig würden die Roller sogar auf Verkehrsinseln oder in Fußgängerzonen stehen- und liegengelassen, Fußgänger sollen darüber schon gestürzt sein.

Während Lüneburg noch abwartet, haben andere Städte gut einen Monat nach Zulassung der E-Scooter bereits eigene Erfahrungen sammeln können. Ihr Fazit fällt in vielen deutschen Städten größtenteils positiv aus. Es gebe nur wenige Unfälle oder Probleme, die wiederum meist darauf zurückzuführen seien, dass die Regeln nicht ausreichend bekannt sind.

Deshalb wird auch betont, vorsichtig mit diesem Gefährt umzugehen. Denn die Roller sind leise und zugleich flott unterwegs – zwei Faktoren, die sowohl von den Nutzern als auch von den anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgängern häufig noch unterschätzt werden.

Mindestalter 14 Jahre

Wer E-Tretroller fahren will, muss mindestens 14 Jahre alt sein. Erlaubt ist das Fahren nur auf Radwegen bzw. auf der Straße, wenn kein Radweg vorhanden ist. Gehwege sind für E-Roller mit Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h tabu. Ab 20 Jahren gilt die Alkoholgrenze von 0,5 Promille wie auch beim Autofahren, unter 20 Jahren ist „Alkohol am Lenker“ verboten, es gilt die Null-Promille-Grenze. Beim Kauf eines Rollers sollte man darauf achten, dass das Modell eine Prüfplakette und damit auch eine Straßenzulassung hat.

Von Daniel Behrends