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Reinhart Günzel am Kalkberg: Die Natur liegt dem 84-Jährigen am Herzen. Er gilt als Lüneburgs Gewissen für den Umweltschutz Foto: ob

Ein Ende mit Fortsetzung

Lüneburg. 14 Jahre lang war Reinhart Günzel das Gesicht des Lüneburger Nachhaltigkeitsrates. Als Sprecher war er für die Organisation und Leitung von insgesamt 54 Sitzungen zuständig, lud zahlreiche Gäste ein, hielt Kontakt zu Vertretern der Stadtverwaltung und präsentierte Ergebnisse in der Öffentlichkeit. Nun beginnt für den Nachhaltigkeitsrat ein neuer Abschnitt. Günzel zieht sich zurück, beim offiziellen Abschied bekam als Würdigung seiner Verdienste um die Hansestadt eine Ehrenurkunde. „Es war eine intensive Zeit“, bilanziert der 84-jährige. „Wir haben viel bewegen können.“

Mit im Boot bei der Gründung des Böll-Hauses

Reinhart Günzel, geboren 1935 im Erzgebirge und aufgewachsen in der DDR, steht in Lüneburg wie kein zweiter für Themen der Nachhaltigkeit. In die Region zog es ihn nach seinem Studium in Hannover, um als Landschaftsplaner in Hamburg zu arbeiten. Als Mitglied des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), in dem er später auch als Landesvorsitzender fungierte, engagierte er sich in vielfältigen Projekten. Eines davon war die Gründung des Heinrich-Böll-Hauses 1991, ein anderes der Aufbau des Nachhaltigkeitsrates, der 2005 erstmals tagte. Oberbürgermeister Ulrich Mädge gab im Vorfeld zu Protokoll, der Rat solle „die Arbeit der Stadt im Sinne der Nachhaltigkeit kritisch begleiten.“ Er beschrieb eine Aufgabe, der Günzel in den folgenden Jahren mit viel Herzblut nachgehen sollte.

Eines der wichtigsten Ziele, erinnert sich Günzel heute, sei von Anfang an der Aufbau einer „guten Verbindung zur Universität“ gewesen. Schon früh existierte die Idee, Lüneburg durch Zusammenarbeit zwischen Stadt und Uni zur „Modellstadt für Nachhaltigkeit“ zu machen. In jeder seiner ersten fünf Sitzungen thematisierte der Rat mögliche Kooperationsmodelle mit der Leuphana, was mit der Gründung der deutschlandweit ersten Fakultät Nachhaltigkeit im Jahr 2010 mündete. Im Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“, das bis heute allen Erstsemestern einen Einblick in das Themenfeld der Nachhaltigkeit bietet, wurden im Wintersemester 2015/16 die Strategien entwickelt, die nun das Fundament der „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ bilden. In all den Jahren seien „viele große Veranstaltungen des Rates über die Universität gelaufen“, sagt Günzel.

Abgucken, was Lüneburg von anderen lernen kann

Abseits dieser Entwicklung standen beim Nachhaltigkeitsrat Diskussionen über Entwicklungen in Lüneburg, mögliche Implementierungen internationaler Beschlüsse sowie Impulsvorträge von Gästen, die über Konzepte und Bemühungen anderer Orte berichteten, im Zentrum. Stets schauten Günzel und seine Mitstreiter, wie Lüneburg davon womöglich profitieren könne. Als Höhepunkt vieler angestoßener Veranstaltungen nennt Reinhart Günzel die beiden Nachhaltigkeitssymposien, die namenhafte Wissenschaftler nach Lüneburg lockten.

Angesprochen auf aktuelle Gesellschaftsentwicklungen äußert sich der scheidende Sprecher optimistisch: „Es ist eine große Welle in Gang gesetzt worden“, sagt Günzel mit Blick auf die weltweiten Fridays-for-future-Proteste. „Es ist sehr eindrucksvoll, wie Jugendliche in diese Thematik eingestiegen sind.“ Zukünftig gelte es, noch intensiver an Nachhaltigkeitsthemen zu arbeiten.

Welche Rolle Günzel dabei selbst einnehmen wird, ist unklar. Er wolle sich zunächst „klar machen, wie es um verschiedene Gruppierungen steht“, die sich in Lüneburg mit Themen der Nachhaltigkeit beschäftigen. Hier sei die Vielfalt in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Günzel plant, sich in den nächsten Wochen einen Überblick verschaffen. Eines stehe jedoch außer Frage: „Ich will weitermachen!“

Von Oliver Becht