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Martin Gödecke hat an einem Tag mit dem Pedelec die Radrouten von Lüneburg nach Bleckede und zurück getestet. Doch im Grunde macht für ihn nur eine alternative Strecke Sinn: ein durchgängiger Radweg entlang der Landesstraße 221. Foto: t&w

Er will das Rad ins Rollen bringen

Bleckede. „Bleckede ist der einzige größere Ort im Landkreis, der keinen direkten Fahrradweg nach Lüneburg hat“, moniert der Lüneburger Kreistagsabgeordnete Martin Gödecke (Die Unabhängigen). „Bis Neetze gibt es einen wunderbaren, breiten und schattigen Radweg entlang der Landesstraße 221, danach muss man entweder direkt auf der Fahrbahn der L221 weiter- oder einen Umweg über Scharnebeck fahren.“

Eine Tatsache, die den passionierten Radfahrer und Berufspendler ärgert. Nicht nur, weil der Vermieter von Ferienwohnungen in Bleckede im Ausbau der Radwege Potenzial für den Tourismus sieht. Sondern vor allem, weil er überzeugt ist, dass sich auch viel mehr Pendler aus der Region in den Sattel schwingen würden, wenn es eine zeitsparendere und sicherere Radstrecke gäbe. Und wo die verlaufen sollte, steht für den 57-Jährigen auch schon fest.

Die Stoppuhr stets griffbereit

Der Bleckeder macht sich für einen durchgängigen Fahrradweg entlang der Landesstraße 221 von Lüneburg nach Neetze und weiter bis Bleckede stark. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, hat Gödecke jetzt an einem Tag zwei bestehende Routen nach Bleckede – einmal auf und an der L 221, einmal über Scharnebeck – mit einem Pedelec getestet. Die Stoppuhr stets griffbereit, unterwegs mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 25 km/h, verglich er die Fahrtdauer und Besonderheiten auf beiden Strecken.

Dabei ging es auch darum, am eigenen Leib zu erfahren, mit welchen Widrigkeiten Radler derzeit auf den schon bestehenden Wegen zwischen Lüneburg und Neetze rechnen müssen. Zwar ist aktuell eine dritte Radverbindung von der Hansestadt über Wendhausen nach Neetze in Planung (siehe Infokasten), doch bis diese umgesetzt ist, wird noch einige Zeit vergehen. Und schon jetzt steht für den Kommunalpolitiker fest, dass auch diese keine gute Alternative darstellt. Mit seinem medienwirksamen Test strebt der Lokalpolitiker eine politische Resolution zum Thema an.

Rücktour führte von Bleckede wieder nach Neetze

Bahnhof Lüneburg, ein sonniger Montagabend, die Temperaturen sind auch um 18 Uhr noch immer schweißtreibend. Martin Gödecke, weißes Hemd, den blauen Fahrradhelm unter dem Arm, kommt erstaunlich entspannt und frisch zum Treffpunkt. Eine vierstündige Fahrradtour, einschließlich mehrerer Pausen, liegt hinter ihm. Aufbruch zur ersten Tour war um 14 Uhr am Bahnhof Lüneburg gewesen, über den Lüneburger Hafen und die Bundeswehrbrücke nahe der Otto-Brenner-Straße ging es auf der Landesstraße 221 über Neu Sülbeck und Sülbeck nach Neetze und von dort weiter an der L221 entlang zum Bleckeder Marktplatz. Die Rücktour führte von Bleckede wieder nach Neetze, von dort über den Bolterser Weg, Rullstorf, die Straße am Kronsberg, Scharnebeck und Erbstorf wieder zum Lüneburger Bahnhof.

Das Ergebnis: „Für die 27,7 Kilometer lange Strecke über Scharnebeck habe ich eine Stunde und 14 Minuten gebraucht“, sagt der Kommunalpolitiker. „Dagegen habe ich die insgesamt 25,2 Kilometer lange Strecke auf und an der L221 entlang in nur einer Stunde und fünf Minuten geschafft. Die Differenz von neun Minuten mag auf den ersten Blick nicht so wild erscheinen, aber für Pendler, die die Strecke täglich mit einem normalen Fahrrad fahren, ist das sehr wohl ein großer Unterschied.“ Zudem sprächen das höhere Sicherheitsgefühl und mehr Komfort für einen durchgängigen Radweg entlang der Landesstraße 221.

Gebaut wird vorerst nur ein Teilabschnitt

Doch noch liegt dieses Ziel in weiter Ferne. Laut dem Radwegekonzept 2016 für Landesstraßen in Niedersachsen wird in absehbarer Zeit nur ein Teilabschnitt der Radverbindung Lüneburg-Neetze gebaut: Während der Radweg an der Landesstraße 221 zwischen Lüneburg und Nutzfelder Kreisel unter zwölf Strecken an dritter Stelle hinsichtlich der Dringlichkeit steht, ist die Weiterführung des Radweges an der L 221 vom Nutzfelder Kreisel bis nach Neetze nur im „weiteren Bedarf“ enthalten (siehe Infokasten).

Helfen würde eine bessere Kommunikation

Der Landkreis Lüneburg, der derzeit ein Radverkehrskonzept für den gesamten Landkreis erarbeitet, hat die Weiterführung zwar auch auf dem Zettel: Die Verbindung werde „begutachtet“, sagt Kreissprecherin Urte Modlich. Aber sie schränkt ein: „Es handelt sich um eine Landesstraße. Damit ist das Land Straßenbaulastträger.“

Martin Gödecke will das so nicht hinnehmen. Er glaubt, dass eine bessere Kommunikation zwischen den Radwegeplanern bei Kreis und Land helfen würde, das Vorhaben zu beschleunigen. „Es braucht jemanden, der sagt, ich rede mal mit dem Land Niedersachsen“, meint er, und fügt hinzu: „Die Radwegplaner sollten sich einmal selbst aufs Fahrrad setzen.“ Der 57-Jährige hat genau das getan. Ob er dadurch das Rad ins Rollen bringt, wird sich zeigen.

Von Emilia Püschel

Neue Wege

Ab 2021 über Wendhausen

Das Radwegekonzept 2016 für Landesstraßen in Niedersachsen sieht in absehbarer Zeit den Bau eines Teilstücks der Radverbindung Lüneburg-Neetze vor: Umgesetzt werden soll demnach voraussichtlich ab 2021 ein 2,50 Meter breiter Radweg auf dem Abschnitt von Lüneburg bis zum Nutzfelder Kreisel und von dort entlang der Kreisstraße 28 (Richtung Barendorf) bis zur Einmündung in Richtung Wendhausen, insgesamt eine Strecke von 2,4 Kilometern (LZ berichtete).

Die Strecke gehört damit zu den zwölf Radwegen aus dem Geschäftsbereich Lüneburg, deren Umsetzung als dringlich eingestuft wird. Der weitere Abschnitt vom Nutzfelder Kreisel bis nach Neetze kann allerdings frühestens dann erst baulich realisiert werden, wenn die zwölf Radwege aus dem vordringlichen Bedarf fertiggestellt sind.

Eine Art Übergangslösung ist bis dahinlaut Annette Padberg von der Landesbehörde für Straßenbau vorgesehen: „Um kurzfristig eine Verbesserung zu erreichen, wird im Rahmen des Abschnittes Lüneburg bis Kreisverkehrsplatz ein kurzes Stück Radweg an der Kreisstraße Richtung Barendorf gebaut. Damit können die Radfahrer eine vorhandene Wegeverbindung über Wendhausen nach Neetze nutzen.“