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Die Kita am Brandheider Weg soll erweitert werden. Die Kosten allein für die neue Küche überraschten im jüngsten Jugendhilfeausschuss dann doch. Foto: t&w

Hunderttausende für eine Küche

Lüneburg. Noch sind es nur erste Planungen, doch die Dimension des Vorhabens, allem voran die finanzielle, lässt aufhorchen. Für rund 1,6 Millionen Euro will die Stadt das Gebäude der Kita am Brandheider Weg erweitern, unter anderem wegen Aufstockung um zwei weitere Gruppen. Dafür soll auch der Küchenbereich in Angriff genommen werden. Allein hierfür nennt die Stadt einen aberwitzigen Betrag.

Fast nur beiläufig informierte Thomas Wiebe, bis vor kurzem bei der Stadt noch für den Bereich Bildung und Betreuung zuständig, im jüngsten Jugendhilfeausschuss gegen Ende der Sitzung über die Erweiterungspläne: Auch die Kita müsse vergrößert und an neue Vorgaben angepasst werden. Kosten: 790.000 Euro.

Nebenflächen für Lager und Personal

Weil Ausschussmitglied Dirk Neumann (AfD) bei dem Betrag seinen Ohren offenbar nicht so recht trauen mochte, fragte er vorsichtshalber noch einmal nach: „Nur für eine Küche?“ So ganz genau stehe der Betrag noch nicht fest, ruderte Wiebe daraufhin zurück, das seien erste Schätzungen, man müsse alles noch einmal genau durchrechnen. Klar sei aber: Da es sich um eine Kita-Küche handele, könne nicht der Maßstab für eine normale Küche angelegt werden, hier seien die Anforderungen deutlich höher. Zudem soll sie von derzeit 15 auf 100 Quadratmeter erweitert werden inklusive Nebenflächen unter anderem für Lager und Personal, wie die Stadt im Nachhinein erfuhr.

„Die Kochküche wird für mindestens einhundert Mahlzeiten ausgelegt sein“, ließ Stadtpressesprecherin Ann-Kristin Jenckel wissen. „So erklärt sich der genannte Betrag, der aber bisher nur eine grobe Schätzung ist.“

Gebäude gehört der Stadt

Beim Evangelischen Kindertagesstättenverband als Träger der Einrichtung kommt das Vorhaben gut an. „Wir unterstützen den Ausbau der Küche sehr, denn wir kommen allmählich an unsere Grenzen“, sagt Dagmar Oertzen. Generell sei der Bedarf an Kita-Plätzen „riesengroß, wir haben unendliche Wartelisten“.

Dass in der Küche auch jetzt schon richtig gekocht und nicht nur Essen aufgewärmt wird, sei für Kinder enorm wichtig, erklärt Dagmar Oertzen. „Das hat einen hohen pädagogischen Wert, denn insbesondere Kinder, die den ganzen Tag in der Kita verbringen, können so vom Einkauf bis zum Endprodukt alles miterleben.“

Inwieweit der Verband an den Umbaukosten beteiligt ist – das Gebäude gehört der Stadt, der Verband ist nur Mieter – konnte sie nicht sagen. Unklar ist auch, wann mit Sanierung und Erweiterung gestartet werden soll. „Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest“, erklärte Pressesprecherin Jenckel.

Von Ulf Stüwe