Aktuell
Home | Lokales | Offenheit sieht anders aus
Die Mauern in den Nebenbereichen der Arena Lüneburger Land sind weitgehend hochgezogen. Auf dem Areal lagern auch schon Fertigbetonteile wie die Treppen für die Tribünen. Fotos: t&w / Montage: ele

Offenheit sieht anders aus

Das Großprojekt Arena kommt nicht so recht vom Fleck: Es gibt nicht nur einen De-facto-Stillstand auf der Baustelle, auch die vielfach geforderte und auch versp rochene Transparenz kommt alles andere als in Schwung. Wer am Dienstag im Ausschuss für Hochbau und Energiesparmaßnahmen jedenfalls auf eine solche gehofft hatte, musste – so wie eine Hand voll Zuschauer – nach einer Stunde den Raum wieder verlassen ohne allzu viel Neues erfahren zu haben.

Konkret wurde es erst danach – nicht öffentlich. Die Verwaltung nutzte die Chance nicht, die Projektsteuerer den Interessierten zumindest einen groben Überblick über Einsparungen geben zu lassen. Vielmehr wollte sie, dass auch das nach Monaten soeben fertiggestellte Verkehrsgutachten zuerst in den Kreisausschuss gehen sollte. Und der tagt – nicht öffentlich… Zwei SPD-Vertreter gaben sich dann auch noch alle Mühe, den gemeinsamen Antrag ihrer politischen Mitbewerber, die Kosten des Millionen-Projektes auf die eigentlich vereinbarte Summe zu begrenzen und endlich alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, lächerlich zu machen.

Immerhin in einem ist neben einem schlechten Stil die alte Arbeiterpartei SPD im Kreistag noch ganz gut: Beton rühren ihre Vertreter bei der Arena gut und gerne an. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die das haben dürfte. Da sollte man sich am Ende nicht wundern, wenn man nur noch unter „Sonstige“ auftaucht. Moderne Politik und transparentes Verwaltungshandeln sehen jedenfalls anders aus.

So kann man nur hoffen, dass die Sommerpause dafür genutzt wird, Kraft fürs wirkliche Umdenken zu tanken.

Kommentar von Marc Rath

Extraschichten für die Arena

Lüneburg. Wie teuer wird die Lüneburger Arena? Eine im Kreistag einmalige Allianz aus CDU, Grünen, FDP/Unabhängige und Linke strebt einen „Kostenrahmen von 20 Millionen Euro für das Projekt an“. Über den Antrag soll am Montag im nichtöffentlich tagenden Kreisausschuss abgestimmt werden. Doch seit Dienstagnachmittag ist der Kreispolitik bereits klar: Diese Summe dürfte wohl nicht reichen.

Auf zuletzt bis zu 25,7 Millionen Euro waren die Kosten für die Halle hochgeschnellt. Das hatte bei den Fraktionen die Alarmglocken schrillen lassen. Nach Austausch der Projektkoordination im Kreishaus und einer neuen externen Projektsteuerung sollten am Dienstag im Ausschuss für Hochbau und Energiesparmaßnahmen erste Zahlen auf den Tisch kommen, wie die Summe noch gedeckelt werden kann. Die gab es auch – aber erst nach einer Stunde und hinter geschlossenen Türen.

Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen

Das Ergebnis: Noch sind die Prüfungen von Einsparmaßnahmen, höheren Kosten durch Bauverzögerungen und von möglichen Regressansprüchen durch die neue Bausteuerung der Reese Baumanagement GmbH noch nicht abgeschlossen. Daher wird sich in den beiden Sommermonaten eine Sitzung an die andere reihen, bevor der Kreistag in einer Sondersitzung am 30. August dann Beschlüsse fällen soll.

Über den fraktionsübergreifenden 20-Millionen-Euro-Antrag sollte eigentlich bereits am Dienstag entschieden werden. Doch die SPD-Vertreter sahen sich dazu nicht in der Lage. Man habe noch Beratungsbedarf zu dem vor mehr als zwei Wochen im Kreishaus eingegangenen Papier. Die beiden Sozialdemokraten Wolfgang Marten und Hinrich Bonin witzelten zu diesem Zeitpunkt noch über die geplante Kostendeckelung. „Für Sparen sind wir immer. Aber warum nicht gleich 15 statt 20 Millionen?“

Auch die von den fünf Fraktionen vorgesehene kurzfristige Arbeitsrunde mit allen Beteiligten (darunter auch Campus Management als Betreiber und die SVG-Volleyballer als Mitnutzer) sorgte bei der SPD eher für Belustigung. „Der Verwaltung brauchen wir doch nicht vorschreiben, wie sie ihre Arbeit zu machen hat.“

„Endlich ein Konzept, wie es weitergeht“

Diese Haltung forderte CDU-Fraktionschef Günter Dubber heraus: „Da haben Einige seit anderthalb Jahren nicht miteinander gesprochen. Es wird Zeit, dass sich alle an einen Tisch setzen.“ Man habe sehr viele Monate verloren und brauche „nun endlich ein Konzept, wie es weitergeht“.

Michael Gaus von den Grünen machte zudem deutlich: „Es geht hier nicht um Einsparungen, sondern um Überschreitungen. Wir wollen wieder zurück zu dem Beschluss des Kreistags von 19,4 Millionen Euro, den wir im Dezember gefasst haben.“

Harald Subke von der AfD forderte von allen Runden eine konsequente Transparenz ein: „Wir wollen genau informiert werden.“

Ausschussmitglieder setzten durch

Daher regte sich dann auch Unmut, als Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) zunächst erwog, die am vorigen Freitag eingetroffenen Ergebnisse des Verkehrsgutachtens zunächst nicht öffentlich im Kreisausschuss zu beraten. Die Ausschussmitglieder setzten durch, dass dies nun öffentlich im Hochbauausschuss geschehen wird, der dafür am 30. Juli ebenfalls eine Extraschicht einlegen wird.

Die mehrmonatige Zwangspause wesentlicher Bereiche auf der Arena-Baustelle sorgt zumindest im aktuellen Kreishaushalt für Entspannung. Einen zunächst erwogenen millionenschweren Nachtragshaushalt müsse es nicht geben, erklärte Nahrstedt. Die Mittel könnten in diesem Jahr gar nicht mehr verbaut werden.
Nahrstedt: Stadt wartet auf Beschluss des Kreistages

Die weitere Arena-Entwicklung hängt jedoch in der Luft. Für seine Art ungewohnt deutlich reagierte der Landrat auf die Frage, ob die Stadt Lüneburg bereits ihre vertraglichen Verpflichtungen über ihre Beteiligung von insgesamt 4,4 Millionen Euro verbindlich übernommen habe: „Die Stadt will warten, bis der Kreistag grünes Licht für den Weiterbau gegeben hat.“

Von Marc Rath