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Die Rackerstraße ist den vergangenen Jahren zu einer neuen Gastro-Meile geworden. Nicht nur hier fühlen sich Anwohner vom Lärm gestört, der weit über 22 Uhr hinaus reicht. Foto: t&w

Draußen ist es ganz schön (laut)

Lüneburg. Es ist alle Jahre wieder dasselbe Spiel: Wenn es warm ist, spielt sich das Leben auch gern vor Lokalen ab. Das ist gut für den Umsatz der Wirte und die Stimmung der Gäste. Weniger schön finden es oftmals Anwohner, wenn bis nach Mitternacht mit dem entsprechenden Pegel auf ihren Straßen getafelt wird. Im Rathaus sind entsprechende Beschwerden wegen Ruhestörung eingegangen, auch die Polizei wurde alarmiert. Nun hat das Ordnungsamt Gastronomen angeschrieben mit der „freundlicher Erinnerung der Stadt an alle Gastro-Betreiber, sich an geltende Regelungen zu halten“.

In einem der LZ vorliegenden Schreiben an einen Kneipier an der Rackerstraße schreibt der Mitarbeiter des Amtes: „In der Vergangenheit hat die Hansestadt Lüneburg zahlreiche Beschwerden aufgrund von Lärmbelästigungen nach 22 Uhr erhalten.“ So weist der Mann vom Ordnungsamt darauf hin, dass die „gesetzlich geschützte Nachtzeit“ eingehalten werden müsse, die beginnt um 22 Uhr. Das ist nichts Neues, sondern seit einer Ewigkeit bekannt. Und genauso lange setzen sich Gäste und die Inhaber von Lokalen darüber hinweg. In diesem Jahr kommt das eher kühle Wetter den Anwohnern eigentlich zupass, im heißen Sommer 2018 herrschte über lange Wochen Außensaison.

Bußgelder wegen Lärmbelästigung

Doch nun sagt Pressesprecher Sebastian Koepke-Millon: „Diese Zeit wird künftig strenger kontrolliert, um auch den Anliegen der Anwohner gerecht zu werden. Trotzdem gestehen wir ja Sondernutzungsrechte zu, weil die Außengastronomie natürlich sehr gefragt und auch ein Merkmal unserer lebendigen und lebenswerten Innenstadt ist. Aber alles sollte eben im Rahmen bleiben.“

Er nennt als mögliche Konsequenzen Bußgelder wegen Lärmbelästigung, die bis zu 5000 Euro ausmachen können. Im Schreiben des Ordnungsamtes heißt es zudem, dass „schlimmstenfalls die Untersagung des Restaurationsvorgartens“ infrage komme.

Die Frage „Wem gehört die Stadt?“ hat sich über die Jahre quasi ausgedehnt. Gästen oder Anwohnern? War es in den 1980er-Jahren vor allem der Stintmarkt, der abends Hunderte Gäste lockte, die mit Plastikbechern voller Bier auf dem Pflaster standen, kamen später Straßenzüge hinzu: die Schröderstraße, die Heiligengeist- und die Untere Schrangenstraße mit einer Bar, die reichlich Außenplätze anbietet – und inzwischen auch die Rackerstraße, an der sich mehr Kneipen angesiedelt haben.

Wenig Möglichkeiten einzugreifen

Während die Stadt die Wirte unter Druck setzen kann, gelingt ihr das anderen Stellen augenscheinlich nicht. Als es aufgrund von Schlägereien und Krach vor rund zwei Jahren darum ging, Sperrzeiten im Wasserviertel durchzusetzen, waren Imbisse und Kioske, die als billiger Schnaps- und Bierlieferant bis zum Morgengrauen fungieren, kaum zu fassen. Die Verwaltung hatte damals erklärt, dass hier andere Regelungen gelten und sie daher nur wenig Möglichkeiten habe einzugreifen.

Dazu kommt seit drei, vier Jahren die Fraktion, die für sich entschieden hat, wem die Stadt gehört, nämlich ihr: junge Leute, die mit Wein und Bier samt Musik kommen und bis in die tiefe Nacht auf der Kaufhausbrücke „cornern“, also an der Ecke rumhängen.

Von Carlo Eggeling