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IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Foto: A/phs

Von der Sorge, abgehängt zu werden

Lüneburg. Die gedämpfte Stimmung bei den Unternehmen in und um Lüneburg hält an. Zu diesem Schluss kommt zumindest die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lünebu rg-Wolfsburg nach Auswertung ihrer aktuellen Konjunkturumfrage. Im zweiten Quartal 2019 habe der Konjunkturklimaindex unverändert bei 107 Punkten gelegen, das sei deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert.

Doch so düster wie es scheinen mag, ist es beim genaueren Blick nicht. Insgesamt bewerteten 30 Prozent der 229 befragten Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut und mehr als 60 Prozent als befriedigend. Nur ein Zehntel fällt das Urteil „schlecht“. Beim Blick in die Zukunft bleiben die Unternehmen skeptisch, sind aber zuversichtlicher als im Vorquartal. Die Abwärtsentwicklung scheint damit vorerst gestoppt, wertet IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert.

Kammer fordert erneut mehr Tempo beim Ausbau der A39

Grund für die gedämpfte Stimmung sind nach seiner Einschätzung vor allem außenwirtschaftliche Belastungen: „Weltwirtschaftliche Abkühlung, Protektionismus, Handelskonflikte und der chaotisch anmutende Brexit machen insbesondere der Exportwirtschaft und den Zulieferern schwer zu schaffen“, sagt Zeinert. Noch sei die Konjunktur durch eine starke Binnenwirtschaft gestützt. Angesichts rückläufiger Investitionsneigung und Einstellungsbereitschaft der Unternehmen müsse jedoch damit gerechnet werden, dass die außenwirtschaftlich bedingten Unsicherheiten aufs Inland übergreifen. „Dem gilt es mit allen Kräften entgegenzuwirken“, appelliert Zeinert. „Die regionalen Unternehmen benötigen ein noch wirtschaftsfreundlicheres Umfeld.“

Verbesserungspotenzial sieht er vor allem im Bereich Infrastruktur: „Ob es um Breitband, Mobilfunk, Energietrassen, Gewerbeflächen oder Verkehrsinfrastruktur geht: Es muss voran gehen – und zwar schneller als bisher. Mittlerweile entwickeln sich Planungs- und Genehmigungsverfahren zur unendlichen Geschichte. Verzögerungen, wie sie nun erneut beim Ausbau der A 39 auftreten, können wir uns nicht leisten, wenn die Region Nordostniedersachsen wettbewerbsfähig bleiben soll. Um den Ausbau wirtschaftsrelevanter Infrastruktur zu beschleunigen, ist eine Reform des Planungsrechts überfällig.“

Dienstleistungsbranche steht sehr gut da

Laut IHK-Konjunkturbericht setzt sich der Abschwung vor allem in der Industrie fort: Im zweiten Quartal fiel der Konjunkturklimaindikator nochmals um sechs auf 96 Punkte. Im Sog der Industrie hat auch die Geschäftslage des Großhandels gelitten, der Klimaindikator ging um fünf auf 107 Punkte zurück. Demgegenüber fiel der Rückgang des Konjunkturklimaindikators für den Einzelhandel, der um drei auf 108 Punkte sank, moderat aus. Einzig die Dienstleistungsbranche steht sehr gut da und legte um 19 auf 132 Punkte zu. Details gibt es auf www.ihk-lueneburg.de/konjunktur im Internet. lz