Aktuell
Home | Lokales | Dahlenburg | „Wir möchten alles zeigen“
So sah es im März auf der Baustelle der BHZP in Ellringen aus. Jetzt wollen sich Kreistagsmitglieder vor Ort informieren. Foto: t&w

„Wir möchten alles zeigen“

Ellringen. Still ruht die Baustelle der „Bundes Hybrid Zucht Programm“ GmbH (BHZP) in Ellringen, seit das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Dezember vergangenen Jahres den „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ für unwirksam erklärt hatte – wegen diverser Rechtsfehler. Der Landkreis Lüneburg als Bauaufsichtsbehörde hatte daraufhin die Baugenehmigung für das umstrittene Millionenprojekt ausgesetzt – nur noch Sicherungsarbeiten durften ausgeführt werden, um die bereits errichtete Bausubstanz zu sichern. Doch Kritiker werfen der BHZP vor, sich nicht an diese Auflagen zu halten.

Bisher sind keine Verstöße festgestellt worden

Beispielsweise spricht der Salzhäuser Eckehardt von einem „Schwarzbau“, an dem heimlich und leise weitergearbeitet werde. Auf LZ-Nachfrage bezieht Lüneburgs Kreisrätin Sigrid Vossers dazu Stellung. Demnach habe der Landkreis Lüneburg den Vollzug der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung ausgesetzt. Davon ist auch die Baugenehmigung betroffen. Vossers: „Seither gilt ein Baustopp, der auch eingehalten wird. Wir haben dem Unternehmen jedoch eingeräumt, zur Sicherung der bereits erstellten Bausubstanz bestimmte Restarbeiten abzuschließen.“ Das erfolge in enger Abstimmung mit dem Fachdienst Umwelt und werde von dort überwacht und dokumentiert. Vossers: „Bisher sind keine Verstöße festgestellt worden.“ Anderslautende Behauptungen seitens der Bürgerinitiative bzw. Herrn Scheiblers „entsprechen nicht der Wahrheit“. Der Kreis habe nun Scheibler aufgefordert, entsprechende Behauptungen zu unterlassen.

Jetzt wollen sich Mitglieder des Lüneburger Kreistages ein Bild vor Ort machen und die Baustelle am Dienstag selbst in Augenschein nehmen. BHZP-Geschäftsführer Dr. Conrad Welp selbst hat nach eigenem Bekunden bei einem Besuch von Kreisrätin Vossers vor wenigen Tagen in Ellringen die Einladung an die Kreistagsmitglieder ausgesprochen. „Wir möchten den Politikern zeigen, was wir hier eigentlich machen“, sagt Welp und fügt hinzu: „Es ist doch allemal besser, miteinander statt übereinander zu reden.“ Er versteht seine Einladung an die Kreistagsmitglieder somit als eine Info- und nicht als Kontrollveranstaltung. „Ansonsten sage ich das Ganze auch ganz schnell wieder ab!“, droht der BHZP-Geschäftsführer.

Stallanlage für 746 Sauen konzipiert

Die Grünen im Kreistag sehen die Aktivitäten der BHZP seit langem kritisch: Fraktionschefin Petra Kruse-Runge sagt: „Wir können uns doch nicht immer alle einig sein in den Kommentaren zum Klimaschutz und wenn es vor Ort konkret wird, läuft doch alles wie immer.“ Die BHZP ist für Kruse-Runge auch weniger eine Forschungseinrichtung als vielmehr nur eine große Ferkel-Produktionsstätte. Das sieht man bei der BHZP natürlich anders: „Seit mehr als 36 Jahren schafft das BHZP die züchterischen Grundlagen für die deutsche Schweinehaltung und entscheidet, wie fett oder mager, wie stressresistent oder -anfällig, wie groß oder klein die Schweine auf den Bauernhöfen im Land sind“, beschreiben Dr. Welp und seine Mitarbeiter ihr berufliches Selbstverständnis: „Wir führen zusammen mit Universitäten wissenschaftliche Projekte durch“, hatte vor wenigen Monaten BHZP-Mitarbeiterin Dr. Elisabeth Gerstenkorn im Gespräch mit der LZ erklärt.

Kruse-Runge überzeugt das nicht: Die neue Stallanlage, für die zurzeit der Baustopp gilt, sei schließlich für 746 Sauen, vier Eber, 2393 Ferkel und 3168 Jungsauen konzipiert. „Und wenn neue Ferkel gezüchtet werden, werden auch die groß und müssen dann irgendwo untergebracht werden“, sagt die Kreistagsfraktionschefin der Grünen.

Es gibt viel zu besprechen

Die Öko-Politiker im Kreis zeigen sich daher alarmiert: In einer Pressemitteilung schreiben sie: „Neben der höchstumstrittenen Erweiterungsplanung der Schweinezuchtanlage (BHZP) in Ellringen gibt es offenbar Bestrebungen, in Rosin, Tripkau und Köstorf Ställe in enormer Größe zu bauen. Die innere Logik der Massentierhaltung von den Ferkeln zu der weiteren Fleischproduktion nimmt hier im Landkreis womöglich Formen an.“

Tanja Bauschke (Grüne) geht noch einen Schritt weiter: „Die Grünen Lüneburg sehen angesichts der gravierenden Planungsmängel keinerlei Chancen für einen neuen Bebauungsplan.“ Das wäre das Ende für den Weiterbau. Es gibt bei der Besichtigung also viel zu besprechen.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Neuer Bebauungsplan im Verfahren

Der vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg für unwirksam erklärte „Vorhabenbezogene Bebauungsplan“ wird nun erneut überarbeitet. Die BHZP hat dazu ein neues Planungsbüro beauftragt. „Der neue Entwurf befindet sich seit dem 27. Juni in der öffentlichen Auslegung. Die Pläne können im Dahlenburger Rathaus noch bis zum 29. Juli eingesehen werden.

Nun ebenfalls Teil des Planentwurfs ist auch die Zuwegung und die geplante Gülleleitung von der BHZP zur Kreisstraße und weiter zur Biogasanlage, heißt es aus dem Rathaus. Im ersten vom Gericht kassierten Bebauungsplan fehlte dieses Projekt in der Darstellung.

Danach, so der weitere Fahrplan des Fleckens Dahlenburg, findet die Abwägung der Einwendungen von den Bürgern und den Trägern öffentlicher Belange statt, bevor der Rat erneut über den dann geänderten Bebauungsplan beschließt.