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Radfahrer müssen auf der Straße fahren. Piktogramme weisen alle 20 bis 50 Meter den Weg. Foto: be

Radfahrer müssen auf die Straße

Adendorf. Rad- und Autofahrer teilen sich in Adendorf künftig die Straße. „Der Gesetzgeber lässt innerorts nur noch kombinierte Fuß- und Radwege zu, die mindest ens 2,50 Meter breit sind“, sagt Bürgermeister Thomas Maack (SPD). „Und weil sie bei uns schmaler sind, müssen wir reagieren und die gemeinsamen Fuß- und Radwege auflösen.“

Bauhof-Mitarbeiter entfernen die entsprechenden Schilder an den Wegen. „Radfahrer müssen nun künftig die Fahrbahn benutzen.“ Diese neue Regelung gilt jeweils komplett für die Dorfstraße inklusive Heinrich-Hille-Straße bis nach Erbstorf, den Kirchweg, Im Suren Winkel, an der Teichaue und am Scharnebecker Weg Richtung Sportanlagen und Schule Am Katzenberg. Es gibt aber eine Ausnahme: Nach der Straßenverkehrsordnung müssen Kinder bis zum 8. Lebensjahr die Gehwege mit ihren Fahrrädern benutzen. Begleitpersonen dürfen dies auch.

Appell zu mehr Rücksichtnahme

Eine Firma bringt zurzeit Piktogramme auf den Asphalt auf, die den Radlern alle 20 bis 50 Meter den richtigen Weg weisen. „Eine Umgewöhnung und deutliche Veränderung steht den Adendorfern bevor“, weiß Maack. Er appelliert daher an alle Verkehrsteilnehmer, noch mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen als ohnehin schon. Im Zuge der Umgestaltung verschwinden nicht nur Schilder, sondern auch Markierungen von der Fahrbahn, die bislang in Kreuzungsbereichen den Verlauf der Radwege gekennzeichnet haben.

Gefährlicher soll es ihm zufolge durch die neue Verkehrsführung nicht werden. „Das bestätigen uns alle Experten, die an der Planung mitgewirkt haben. Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass die Neuregelung mit Umsicht und Vorsicht gelebt wird, ganz besonders in der Umstellungsphase.“ Zunächst werde die Gemeinde die neue Situation beobachten. Sollte sich der Bedarf für Nachbesserungen herauskristallisieren, werden diese laut Maack angepackt.

Neue Radbügel an den Einzelhandelsstandorten

Die Umgestaltung ist Teil des aktuellen Verkehrsentwicklungsplanes der Gemeinde, der seit eineinhalb Jahren in Arbeit ist. „So haben an der Neuordnung des Radverkehrs neben einem Planungsbüro Vertreter der Schulen, des Einzelhandels, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ADFC und die Ratsgremien mitgewirkt“, berichtet der Bürgermeister. Deshalb ist er überzeugt, dass durch die Veränderung sich die Situation für die Radfahrer verbessern wird, Adendorf radfahrfreundlicher wird.

Dazu beitragen sollen fortlaufend auch neue Radbügel an den Einzelhandelsstandorten im Ort. „Die Abstellmöglichkeiten sollen möglichst überdacht sein“, wünscht sich Maack. Auch Ladestationen für E-Bikes sind geplant. Darüber hinaus werden Hindernisse für Radfahrer entfernt. In einer Studie hatte die Uni Lüneburg festgestellt, dass etwa Sackgassenschilder oder Umlaufsperren – Gitter, die am Ende eines Weges als Barriere wirken – die Weiterfahrt stoppen, obgleich diese eigentlich für Radler möglich wäre, wie im Köhlerweg, in der Schiller- und Bonnestraße. „Es werden immer mehr Radfahrer in Adendorf“, hat er beobachtet. „Unser Ziel ist es, dass die Leute im Ort mit dem Fahrrad zum Einkaufen, zum Sport, zu Veranstaltungen und zur Schule fahren. Deshalb bauen wir die Infrastruktur aus.“

Bestandteil eines großen Maßnahmenpakets

Die Erfahrungen aus Adendorf mit der neuen Verkehrsführung fließen Maack zufolge ins Radwegekonzept des Landkreises ein. „Ziel ist es, den Radverkehr nach Lüneburg zu verbessern und zu beschleunigen.“

Dahinter stehe, vor Ort den Klimaschutz voranzutreiben. „Aus Theorie wird langsam Praxis, nach der Einstiegsberatung kommen Klimaschutzprojekte zum Tragen, wie bei uns in der Gemeinde etwa die plastikfreie Bewirtung in Eishalle und Freibad, ein E-Auto für unseren Hausmeister und ein Elektro-Lastenrad, das beim Bauhof im Einsatz ist.“ Zum Maßnahmenpaket zähle auch die Einrichtung eines Bahnhaltepunktes, die Umrüstung der Bushaltestellen auf Barrierefreiheit und die Modernisierung der Straßenbeleuchtung mit LED-Technik.

Von Stefan Bohlmann