Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Ein Coca-Cola-Glas an einer Bohrstelle bei Vögelsen. Laut Umweltministerium wird für die Wasserentnahme für die Getränkeherstellung auch eine Gebühr fällig: 0,09 Euro pro 1000 Liter. Mit dem Geld finanziert das Land Wasserschutzmaßnahmen. Foto: dth

Erstmal probieren

Lüneburg. Nach wie vor laufen beim Landkreis Lüneburg die Vorbereitungen für den sogenannten Scoping-Termin anlässlich des Wasserrechtsverfahrens zur Entnahme von 350.000 Kubikmeter Grundwasser pro Jahr im Auftrag von Coca-Cola. Bekanntlich will der Getränkehersteller westlich der Stadt Lüneburg einen dritten Förderbrunnen einrichten, um perspektivisch die Produktion der Getränkemarke „Vio“ zu verdoppeln.

Dabei will der Getränkeriese im Grundwasserkörper „Ilmenau Lockergestein links“ aus Tiefen von bis zu 300 Metern ursprünglich reines Grundwasser holen. Bei dem Scoping-Termin soll es auch um den Pumpversuch gehen. Der Pumpversuch ist im weitesten Sinne eine Art Crashtest, um die Auswirkungen einer regelmäßigen Wasserförderung einschätzen zu können.

Pumpversuch dauert mehrere Wochen

Insgesamt hat Coca-Cola nach eigenen Angaben 19 Messstellen rund um Vögelsen, Reppenstedt und Ochtmissen eingerichtet und dafür in die Tiefe gebohrt. Im Herbst 2017 glaubten Vertreter des Getränkeherstellers zwischen Vögelsen und Mechtersen einen geeigneten Brunnenstandort gefunden zu haben. Mittlerweile hält es der Konzern offen, welcher Standort es denn sein soll. Klarheit wird es spätestens geben, sobald das Verfahren in die Öffentlichkeitsbeteiligung geht. Doch zunächst soll der Pumpversuch durchgeführt werden, der selbst einer wasserrechtlichen Genehmigung bedarf, sagt auf LZ-Nachfrage Kreissprecherin Isabel Wesselink.

Der Pumpversuch dauere nach Landkreis-Angaben mehrere Wochen. Wesselink: „In dieser Zeit werden unter anderem die Wasserstände in den erstellten Grundwassermessstellen aufgezeichnet. Außerdem findet durch flache Grundwassermessstellen und Lattenpegel eine Beweissicherung zu Biotopen statt.“ Über einen gewissen Zeitraum werde dann die Menge gefördert, die später im Echtbetrieb aus dem Brunnen entnommen werden soll. „Während des Pumpversuchs überprüfen wir, ob und welche Absenkungen sich etwa in den Grundwassermessstellen einstellen. Der Versuch dient als Grundlage für den Erlaubnisantrag“, lässt der Fachdienst Umwelt mitteilen.

Trinken, Kochen, Putzen

Die Behörde muss neben der Umweltverträglichkeit auch sicherstellen, dass die Grundwasserentnahme durch Coca-Cola keinen Nachteil für die öffentliche Trinkwasserversorgung bedeutet. Die öffentlichen Wasserversorger bedienen sich ebenfalls an dem schätzungsweise 1000 Jahre alten Grundwasser, das in der Lüneburger Umgebung durch Ton und Mergel besonders gut von äußeren Einflüssen abgeschirmt ist. Allein der Wasserbeschaffungsverband Elbmarsch fördert beispielsweise in seinen fünf Wasserwerken jährlich insgesamt rund fünf Millionen Kubikmeter des fossilen Grundwassers, damit die Menschen das kostbare Nass zu Hause zum Trinken, Kochen, Putzen oder zum Wässern ihrer Gärten nutzen können. Rund 88.000 Einwohner würden damit versorgt. Im Gegensatz dazu sei die von Coca-Cola erwünschte Menge eher klein – Vertreter des Getränkeherstellers werden nicht müde, das zu betonen. Allerdings sieht es anders aus, wenn man den Pro-Kopf-Verbrauch zum Maßstab nimmt.

Wassermenge würde für drei Dörfer reichen

Nach Angaben des Wasserbeschaffungsverbands Elbmarsch liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch für das tägliche Leben bei rund 144 Litern pro Kopf – inklusive Kleingewerbe und Gastronomie. Die von Coca-Cola angestrebte Fördermenge von 350.000 Kubikmeter würde – gerechnet auf ein Jahr – dem durchschnittlichen Trinkwasserverbrauch von mehr als 6659 Personen entsprechen. Das ist ungefähr die dreifache Einwohnerzahl der Gemeinde Vögelsen.

Inwiefern dieser zusätzliche Schluck an dem bisher nicht näher genannten Brunnenstandort vertretbar ist, muss der Landkreis bewerten. Das zugrundeliegende hydrogeologische Gutachten wurde zwar von Coca-Cola bezahlt, die Kreisbehörde lasse sich aber bei der Auswertung auch vom Gewässerkundlichen Landesdienst beraten, heißt es.

Von Dennis Thomas