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Der kleine Hafen von Alt Garge sieht idyllisch aus - und soll es auch bleiben, fordert eine Initiative. Foto: t&w

Unruhe im Hafenidyll

Alt Garge. Lärm und Schmutz sowie die Zerstörung der Tier- und Pflanzenwelt befürchten die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Elbtalschutz. Ihr Ärger entzündet sich an zwei jüngst errichteten Anlagen im Hafen Alt Garge. „In sensiblen Bereichen des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue ist es zu Baumaßnahmen gekommen, die offensichtlich nicht genehmigungsfähig sind“, kritisiert BI-Sprecher Werner Schulze. „Wir erheben öffentlich die Forderung, dass beide Anlagen zurückgebaut werden.“

Anlage gebaut in Eigenleistung

Die Bürgerinitiative könnte mit ihrem Anliegen Erfolg haben. Nach LZ-Recherchen haben weder das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg noch die Untere Wasserbehörde des Landkreises Lüneburg die Baumaßnahmen genehmigt. Die Vorgänge werden jetzt beim Kreis geprüft, im Zweifel könnte tatsächlich ein Rückbau erforderlich werden. Eine Tatsache, die den Bootsfreunden im Hafen Alt Garge gar nicht gefallen dürfte. Der 2. Vorsitzende des Vereins beruft sich auf eine alte Vereinbarung.

Stein des Anstoßes sind eine bereits im Frühjahr fertiggestellte Slip-Anlage im nördlichen Hafenbereich sowie ein noch im Bau befindlicher Bootssteg am Westufer. Die Slip-Anlage ist eine Art Rampe, über die Boote zu Wasser gelassen oder an Land gezogen werden können. „Sie wurde von uns in Eigenleistung gebaut“, berichtet der 2. Vorsitzende der Bootsfreunde e.V. Seinen Namen möchte er ausdrücklich nicht in der LZ lesen. „Paddler können dort ihre Paddelboote zu Wasser lassen, ohne die Grünanlagen zu zertreten.“ Was aus seinem Mund positiv klingt, sieht Werner Schulze ganz anders: „Durch die neue Beton-Slip-Anlage wird mehr Motorbootverkehr angezogen. Nach Angaben verschiedener Anwohner sollen Pkw fast direkt bis ins Wasser fahren, um Schnellboote auf Trailern einzubringen. Oft sollen Pkw auf den Betonplatten Anfahrprobleme haben und mit laut durchdrehenden Reifen für erheblichen Gummiabrieb sorgen.“

Arbeiten haben vor rund zwei Wochen begonnen

Der westlich gelegene Bootssteg ist den Elbtalschützern ebenfalls ein Dorn im Auge, zwei große Betonpfeiler sind schon jetzt dort zu sehen, wo er einmal stehen soll. Angeblich will ein Mitglied des Segelsportvereins Alt Garge den Steg für seine eigene Jacht nutzen. „Durch die Baumaßnahmen werden Schilfgürtel, seltene Wasserpflanzen und Brutgebiete für Fische zerstört“, klagt Schulze. Die Arbeiten haben vor rund zwei Wochen begonnen, seit gut einer Woche ruhen sie. Hintergrund ist das laufende Verfahren der Unteren Wasserbehörde, die wiederum die Untere Naturschutzbehörde involviert hat. Lisa Nakath vom Fachdienst Umwelt beim Landkreis Lüneburg erklärt: „Beide Bauten befinden sich im Gebiets-teil A des Biosphärenreservats. Der Fokus in diesem Bereich liegt auf dem Gehölzschutz. Ob besonders schützenswerte Tier- und Pflanzenarten dort vorkommen, wird jetzt geprüft und muss sich im Verfahren zeigen.“

Der 2. Vorsitzende der Bootsfreunde, einer Art Dachverband der Sportbootvereine im Hafen Alt Garge, hat kein Verständnis für die Vorwürfe seitens der Bürgerinitiative: „Wir haben den Biber und den Eisvogel hier, Enten, Gänse und Schwäne, durch unsere Aktivitäten im Hafen wird kein Tier gestört. Im Gegenteil, wir tun alles, um mit der Natur in Einklang zu sein.“

„Wir haben die Wasserfläche gepachtet“

Gefragt, wer die Bauarbeiten abgesegnet habe, antwortet er prompt: „Unser 1. Vorsitzender, weil wir Eigentümer der Liegeplätze sind.“ Und: Vor rund 25 Jahren, bei der Gründerversammlung des Dachverbandes der Sportbootvereine, sei den Bootsfreunden vom WSA Lauenburg eine Nutzungserlaubnis der Wasserfläche inklusive der Uferbefestigung bis zur Böschungskante erteilt worden. „Wir haben die Wasserfläche gepachtet. Als Pächter können wir darüber bestimmen, was dort passiert“, ist der 2. Vorsitzende überzeugt.

Beim WSA Lauenburg teilt man diese Auffassung nicht. „Das WSA ist als Eigentümer der Wasserfläche im Hafen Alt Garge sowohl privatrechtlich als auch hoheitlich tätig. Wenn jemand dort eine neue Anlage bauen möchte, muss er sich bei uns eine strom- und schifffahrtspolizeiliche Genehmigung einholen“, sagt der Kommissarische Leiter Tilman Treber. „Für eine solche Genehmigung liegen bei uns im Zusammenhang mit den aktuellen Maßnahmen im Hafen Alt Garge keine Anträge vor.“

Konsequenzen noch nicht absehbar

Dass eine strom- und schifffahrtspolizeiliche Genehmigung einzuholen ist, müsste dem 1. Vorsitzenden der Bootsfreunde bekannt gewesen sein, schließlich ist er selbst in leitender Position beim WSA beschäftigt. Gegenüber der LZ wollte er sich nicht zum Thema äußern. Wie es nun weitergeht, erläutert Lisa Nakath vom Fachdienst Umwelt: „Wir fordern jetzt vom Verursacher und Antragsteller die Unterlagen nach. Erst nach der Prüfung steht fest, welche Konsequenzen sich ergeben.“ Denkbar wären Ausgleichsmaßnahmen oder eben der Rückbau der umstrittenen Anlagen.

Von Emilia Püschel