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Hündin Vega soll der kleinen Wölfin Sicherheit und Geborgenheit in ihrer neuen Heimat, dem Wildpark, vermitteln. Foto: gfh

Hündin hilft kleiner Wölfin

Nindorf. Verspielt läuft die kleine Wölfin über die Wiese. Doch an ihrer Seite sind keine Geschwister, sondern eine Hündin mit Namen Vega. Beide leben nun gemei nsam im Nindorfer Wildpark Lüneburger Heide. Die Hündin ist künftig die tierische Betreuerin der Wölfin – denn Kontakt zum Menschen soll es möglichst wenig geben.

Der weibliche Wolfswelpe war am Pfingstmontag in einem Waldgebiet zwischen Bautzen und Dresden einem Paar zugelaufen, das dort einen Spaziergang gemacht hatte. Als die Kleine in die Auffangstation des Naturschutz-Tierparks Görlitz gebracht wurde, wog sie 1100 Gramm und war drei bis vier Wochen alt – was bedeutet, dass sie kurz vor dem Verhungern war, wie Wolfsexpertin Tanja Askani vom Wildpark Lüneburger Heide weiß.

Da auch intensives Monitoring keine ausreichenden Anhaltspunkte für das Rückzugsgebiet der Eltern und weiterer Geschwister lieferte, war eine Rückführung der kleinen Wölfin in ihr Rudel nicht möglich. Alleine aber hätte das Tier in der Wildnis auch nicht überleben können. Experten vermuten, dass die Mutter beim Umzug in eine andere Höhle gestört wurde und der Nachwuchs verloren ging oder das zunächst blind und taub geborene Wölfchen flügge geworden war.

Wachsam, aber auch sehr verspielt

Nun hat sie eine neue Heimat im Wildpark Lüneburger Heide gefunden, wo sie – noch hinter den Kulissen – von Tanja Askani betreut wird. Seit sie gefunden wurde, hat sie schon fast 4000 Gramm zugenommen – das Leben in der Heide scheint der kleinen Wölfin gut zu tun.

„Die Prägungsphase bei Wolfswelpen verläuft zwischen der zweiten und vierten Lebenswoche. Diese Zeit hat die kleine Fähe wahrscheinlich noch mit ihrer Wolfsfamilie verbracht“, sagt Tanja Askani. Die Sozialisierungsphase beginne mit der vierten Lebenswoche und sei mit acht Wochen beendet.

„Die Kleine muss noch viel lernen“

„Bevor der Welpe vom Wildpark Lüneburger Heide aufgenommen wurde, lebte die kleine Wölfin seit ihrem Auffinden alleine in einer Auffangstation. Sie sollte keinen Kontakt zu Menschen haben, da ja noch die Absicht bestand, sie wieder in ihre Familie zu integrieren. Das macht es für uns jetzt nicht einfacher, die Kleine muss noch viel lernen.“ Die kleine Wölfin ist sehr wachsam, reagiert blitzschnell auf fremde Geräusche und Eindrücke, so wie es bei einem wilden Wölfchen zu erwarten ist. Sie ist aber – so wie alle Jungtiere – sehr neugierig, verspielt und intelligent. Behutsam wird sie mit neuen Reizen bekannt gemacht, die es im Wald für Wolfswelpen so nicht gibt. Zurzeit hilft dem kleinen Wildfang die wolfserfahrene Hündin Vega. „Sie vermittelt dem Welpen Sicherheit und Geborgenheit und hilft der Mini-Wölfin dabei anzukommen.“

Nach Nindorf kam die kleine Wölfin, weil der Wildpark bereits Aufzuchterfahrungen habe, erklärte das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Außerdem gebe es mit dem Land Niedersachsen eine Kooperationsvereinbarung für die Aufnahme von Wölfen, die nicht mehr in die Natur entlassen werden können.Wann auch die Besucher die noch namenlose Wölfin sehen können, steht derzeit noch nicht fest. rnd/dpa

Von Peer Körner