Aktuell
Home | Lokales | Zahl der Wildunfälle im Landkreis nimmt zu
Im Landkreis Lüneburg sind in diesem Jahr bisher 451 Wildunfälle gemeldet worden. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 396 Wildunfälle. Foto: dth

Zahl der Wildunfälle im Landkreis nimmt zu

Lüneburg. Mit der „Blattzeit“, der Paarungszeit des Rehwildes, die von Mitte Juli bis Mitte August andauert, steigt auch die Gefahr der Wildunfälle. Darauf weist die Jägerschaft Lüneburg ausdrücklich hin. Während dieser Zeit verfolgen die Rehböcke oft kilometerlang paarungsbereite Ricken, auch am Tage. Dabei überqueren sie Straßen und Wege. Manchmal vertreiben ältere Rehböcke jüngere Rivalen, ohne auf den Straßenverkehr zu achten. In ihrem Liebesrausch bemerken sie ein herannahendes Auto viel später als zu anderen Jahreszeiten.

Getreideernte vertreibt Tiere von den Feldern

Bei einer Kollision kommt es zu hohem Sachschaden – für das Reh endet die Karambolage meistens tödlich. Wenn das Reh noch eine führende Ricke ist, haben die dazugehörenden Kitze keine Überlebenschancen. Außerdem führt die beginnende Getreideernte zu einem Fluchtverhalten des Wildes vor dem Mähdrescher. Wo gestern noch ein wogendes Getreidemeer dem Wild Deckung bot, stehen heute nur noch Stoppeln und morgen ist das Feld bereits gegrubbert.

Obwohl die Statistik der Jägerschaft eine Verringerung der Wildunfälle aufzeigt, teilte die Polizei auf Anfrage der LZ mit, dass in diesem Jahr im Landkreis Lüneburg bisher 451 Wildunfälle gemeldet wurden, wobei zwei Personen schwer und vier Personen leicht verletzt wurden. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 396 Wildunfälle.

Da nicht alle Wildunfälle bei der Polizei gemeldet werden, liegt die Dunkelziffer weitaus höher. Wildunfälle sind deutschlandweit ein Problem: Seit 1975 hat sich der Straßenverkehr bis heute verfünffacht – bei steigenden Wildbeständen. Hat der Autofahrer eine Vollkaskoversicherung für sein Fahrzeug abgeschlossen, kommt die Versicherung für den Gesamtschaden auf. Bei einer abgeschlossenen Teilkaskoversicherung wird der Schaden mit lebenden oder totem Haarwild ersetzt.

Abblendlicht einschalten, Hupen

Weicht ein Autofahrer einem Wild aus und fährt gegen ein Hindernis, kann der Autofahrer die „Rettungskosten“ gelten machen- das gilt allerdings nur für Haarwild bis Fuchsgröße. Grundsätzlich gilt bei Auftauchen von Wild auf der Straße: Abblendlicht einschalten, Hupen, das Lenkrad festhalten und bremsen. Den Wildunfall muss der Autofahrer nachweisen, daher ist es erforderlich, dass die Polizei den Schaden aufnimmt und eine Wildunfallbescheinigung ausstellt. Dieses Dokument kann auch vom Revierinhaber oder einem Förster ausgestellt werden.

Seit Jahren versucht die Jägerschaft mit gezielten Maßnahmen, die Wildunfälle im Landkreis zu minimieren. Mit der Aktion orangefarbige Dreibeine, die die Polizeiinspektion Lüneburg in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg empfohlen hatte. Sie sollen dort am Straßenrand platziert werden, wo sich ein Wildunfall ereignet hat. Die Jägerschaft will diese Aktion wieder aktivieren. Sowie die Montage der blauen Wildwarnreflektoren an den Begrenzungspfählen.

Dämmerung ist die bedrohlichste Tageszeit

Auch wenn die Wirkung der blauen Reflektoren kontrovers diskutiert wird, wird sie die Reflektoren auch weiterhin beschaffen und montieren. Kreisjägermeister Hans Christoph Cohrs empfiehlt den Revierinhabern, im Rahmen des genehmigten Abschussplanes, bevorzugt weibliches Rehwild an den Straßen zu erlegen und fügt hinzu: „Der beste Schutz gegen Wildunfälle sind angepasste Geschwindigkeit und vorausschauendes Fahren. Wer Tempo 80 statt 100 fährt, reduziert den Bremsweg um 25 Meter.“ Besonders unfallträchtig sind unübersichtliche Wald- und Feldränder in der Dämmerung.

Von Oskar Lüning

Zur Sache

Was ist zu tun, wenn es passiert ist?

Die Jägerschaft Lüneburg rät Autofahrer zu folgenden Maßnahmen:

  • Warnblinkanlage einschalten
  • Unfallstelle mit Warndreieck absichern
  • Wild von der Straße ziehen
  • Wenn das Wild flüchtet, Fluchtrichtung kennzeichnen – nicht selbst nachsuchen.