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Barnstedt trauert um die Gastwirtin Helga Grote. Foto: A/be

„Sie hat jeden mit einem Lächeln empfangen“

Barnstedt. Man kannte sie einfach. Überall in Barnstedt – sowieso – aber auch über die Grenzen des Ortes hinaus. Helga Grote – ihr Name stand jahrzehntelang für Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Gemeinschaft. Am Freitagmorgen ist die Gastwirtin im Alter von 91 Jahren gestorben.

Als Helga Grote 1952 mit ihrem Mann Ernst das Gasthaus an der Hauptstraße 4 in Barnstedt übernahm, konnte noch niemand ahnen, dass die Tochter eines Landwirtes den Ort prägen würde, wie kaum jemand sonst. Ihr Gasthaus sollte zu einer Institution werden: Treffpunkt für Gemeinderat, Vereine, Chöre und andere Initiativen. Kurzum der Ort, an dem sich das Leben in Barnstedt widerspiegelt.

Mehr als nur irgendeine Gastwirtin

„Ohne diesen Treffpunkt wäre das große bürgerliche Engagement in Barnstedt gar nicht denkbar“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Ilka Buecher einst in einer Laudatio, „sie prägt damit maßgeblich unsere Kultur des Miteinanders und leistet über 60 Jahre Großes für die Dorfgemeinschaft in all ihren Facetten“. Aber Helga Grote war stets mehr als nur irgendeine Gastwirtin. „Sie hat jeden mit einem Lächeln empfangen und hatte für jeden Verständnis“, erinnert sich Buecher. Ihre Gastfreundschaft sei eine Bereicherung für die Gemeinde gewesen, und das ist nur einer der Gründe dafür, warum sie 2015 ins Goldene Buch der Samtgemeinde Ilmenau aufgenommen wurde.

Auch in der Flüchtlingshilfe war Helga Grote aktiv und hatte stets ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte ihrer Barnstedter. „Wenn sie (die Geflüchteten) bei uns sind, dann müssen wir ihnen auch ein Stück Heimat geben. Kümmern wir uns nicht und lassen sie allein, wird das Leben für die Flüchtlinge noch trauriger, als es ohnehin schon ist… Wenn ich helfen kann, helfe ich“, sagte sie 2014 in einem LZ-Interview.

Sie stand bis zuletzt noch selbst am Zapfhahn

Mit helfender Hand zupacken – das tat Helga Grote stets. 2007, nach dem Tod ihres Ehemannes, führte die gelernte Hauswirtschafterin die Gaststätte, mithilfe der Kinder und Enkelkinder, alleine weiter. So stand sie bis zuletzt noch selbst am Zapfhahn, verkaufte Eis oder Getränke.

„Jeder von uns, der schon einmal bei Grotes gegessen hat, kennt diesen besonderen Moment, wenn die Tür aufgeht und Helga Grote den Raum betritt mit ihrem strahlenden Lächeln, das den ganzen Raum heller erscheinen lässt“, sagte Ilka Buecher in der schon genannten Laudatio über Helga Grote. Es ist wohl dieser Moment, der Generationen von Barnstedtern in Erinnerung bleiben wird. ada