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Das ehemalige China-Restaurant am Deutsch-Evern-Weg ist zu einem Wohnhaus umgebaut worden. Hier kam es Mitte März zu der Bluttat in der Drogenszene. Foto: t&w

Der Tod ohne Konsequenzen?

Lüneburg. Das Duo hatte den mutmaßlichen Dealer überfallen, wollte ihm Geld und Drogen abnehmen. Das ging gründlich schief, zwar erlitt der 44 Jahre alte Drogenlieferant Knochenbrüche, doch der wehrte sich. Am Ende war einer der Angreifer tot, sein Komplize konnte flüchten. Es waren dramatische Szenen, die sich Mitte März in einer Wohnung des ehemaligen China-Restaurants am Deutsch-Evern-Weg in Lüneburg abspielten. In den nächsten Wochen soll der Fall vor dem Landgericht verhandelt werden. Mit einer Überraschung: Hatte die Polizei damals in einem Tötungsdelikt ermittelt, geht die Staatsanwaltschaft inzwischen von Notwehr aus, das Verfahren gegen den 44-Jährigen könnte eingestellt werden. Das Verfahren richtet sich laut Gerichtssprecher Nicolas-Uwe Vollersen gegen den festgenommenen Komplizen (31).

Mann erlitt „multiple Stichverletzungen“

Ein 39-Jähriger und sein 31 Jahre alter Bekannter sollen nach dem Stand der Ermittlungen am 16. März in eine Wohngemeinschaft eingedrungen sein. Dort fielen sie über den 44-Jährigen her, dem gelang es allerdings, den 39-Jährigen mit einem Messer abzuwehren, der Mann erlitt „multiple Stichverletzungen“, denen er erlag. Der 44-Jährige kam zunächst in Untersuchungshaft.

Die Wohnung im ehemaligen China-Restaurant nahe der Friedrich-Ebert-Brücke galt in der Szene, die sich im Clamartpark trifft, als Umschlagplatz für Drogen. Nachbarn hatten der Landeszeitung berichtet, dass Süchtige sich hier mit Heroin und Kokain eingedeckt hätten. Bewohner der Hauses, einer von ihnen nach eigenen Worten selbst im Methadonprogramm, schilderten im Frühjahr, dass regelmäßig Kunden an der Tür klingeln: „Das geht morgens um halb neun los und geht bis abends.“ Methadon ist ein Drogenersatzstoff.

Eine Anklageerhebung ist nicht beabsichtigt

Den Begleiter des Räubers hatte die Polizei ein paar Tage nach der Tat bei Göttingen aufgespürt und festgenommen, dorthin hatte er Verbindungen. Der Mann muss sich nun wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Aufgrund des rechtlichen Ablaufs des Verfahrens gibt die Anklagebehörde keine Auskunft mehr, sondern das Landgericht. Dort sagt Sprecher Vollersen, die Staatsanwaltschaft gehe in ihrer Anklage im Falle des überfallenen mutmaßlichen Dealers von Notwehr aus: „Eine Anklageerhebung ist nicht beabsichtigt.“ Es stehe noch nicht genau fest, wann der Prozess beginnt.

Über den getöteten 39-Jährigen hatte es im März von der Polizei geheißen, dass er unter anderem wegen Eigentums- und Körperverletzungsdelikten im Knast gesessen habe. Der Junkie sei wahrscheinlich erst kürzlich aus einer anderen Region wieder nach Lüneburg zurückgekehrt – das „Abzocken des Dealers war ein tödlicher Fehler“.

Von Carlo Eggeling