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Eine deutliche Lücke klafft in der Baumreihe in der Straße Am Bäckfeld. Hier wurden gleich vier Buchen gefällt. Foto: us

Eine Straße verliert ihr Gesicht

Lüneburg. Der Anblick schmerzt: Wo stattliche Buchen das Bild der Straße Am Bäckfeld im Stadtteil Häcklingen prägten, klafft seit geraumer Zeit eine große Lücke . Vier Bäume in Reihe mussten weichen, weil sie nach Aussage der Stadt der Einrichtung von zwei Baustellen im Wege standen. Zwar habe man versucht, die Buchen zu retten, bis auf einen fünften Baum sei die Fällung letztlich aber nicht zu verhindern gewesen, heißt es aus der Verwaltung. Ärger wird einer der Bauherren vermutlich dennoch bekommen.

Ort des Geschehens sind die beiden Grundstücke Am Bäckfeld 3 und 5, die 2016 nach Aufteilung eines großen, baumumstandenen Flurstücks in drei Parzellen entstanden sind. Im Herbst 2018 hatte der Bauherr von Nummer 3 die Fällung von drei vor seinem Grundstück stehenden Buchen beantragt, doch dagegen habe sich die Verwaltung gesperrt, erklärt die Pressestelle der Stadt auf Nachfrage. Erst bei einer Ortsbegehung sei deutlich geworden, dass die Zufahrt zur Baustelle und das Aufstellen eines Baukrans nur möglich sei, wenn mindestens zwei der drei Bäume entfernt werden.

Stammdurchmesser von über zwei Metern

Die Stadt gab klein bei, im Herbst fielen die Bäume. Wenige Monate später traf es zwei weitere Buchen, sie verhinderten die Einrichtung einer Baustelle für das benachbarte Grundstück Nummer 5. Dort habe eine frühere Garage im Weg gestanden, die der neue Eigentümer aber erhalten wollte – zu Lasten der Bäume. Besonders tragisch: mit Stammdurchmessern von deutlich über zwei Metern hatten die vier Buchen imposante Größen erreicht.

Um wenigstens die Bäume vor Grundstück 5 zu retten, hatte die Stadt im Vorfeld vorgeschlagen, dass sich beide Bauherren die Zufahrt zu ihren Baustellen teilen. „Dem Vorschlag wurde nicht gefolgt“, sagt Stadtpressesprecherin Ann-Cathrin Behnck.

Nicht folgenlos werden aber vermutlich Ausastungen an einer Buche sein, die an einem der beiden Baugrundstücke steht. Erst vor wenigen Tage hatte die Häcklingerin Christa Holste dort Sägearbeiten wahrgenommen und war dabei auf den Baum gestoßen, von dem mehrere kräftige Äste abgesägt wurden. „Ich hatte gesehen, dass einer der Äste abgebrochen war. Aber warum hat man gleich so viele Äste entfernt?“, wundert sie sich. Ihre Vermutung: „Hier soll ein weiterer Baum geopfert werden. Denn ob er so noch über ausreichende Standfestigkeit verfügt, ist zumindest fraglich.“

Sie stützt ihre Vermutung auch auf eine Beobachtung, wonach von dem Grundstück ein Graben zur Straße verlegt wurde. „Allerdings so dicht an dem Baum vorbei, dass ich mich frage, ob hier auch Wurzelwerk beschädigt wurde.“

Doppelter Verstoß gegen Baumschutzsatzung

Die Stadt will der Sache nachgehen. „Wer die Arbeiten an dem Baum ausgeführt hat, ist uns nicht bekannt“, sagt Behnck. Dem Verursacher droht auf jeden Fall Ärger: Da die Arbeiten während der Brut- und Setzzeit und noch dazu ohne vorherigen Antrag bei der Hansestadt ausgeführt wurden, handelt es sich gleich um einen doppelten Verstoß gegen die Baumschutzsatzung. „Der Grund der Arbeiten war offensichtlich eine schwere Schädigung des Baumes durch die Bauarbeiten“, vermutet die Stadt.

Klar ist aber schon jetzt, dass die Bauherren Ersatzpflanzungen vornehmen müssen, in beiden Fällen je zehn Rotbuchen mit einem Stammumfang von 12 bis 14 Zentimetern. Offen sei noch, ob diese auf dem Grundstück oder an anderer Stelle gepflanzt werden müssen. Geht beides nicht, kann man sich per „Ersatzabgabe“ auch freikaufen. Die Höhe des Betrags richtet sich dabei nach der angeordneten Ersatzpflanzung.

Von Ulf Stüwe

Baumfällungen

Viele Anträge gehen durch

Seit 2013 hat Lüneburg eine Baumschutzsatzung. Seitdem ist das Fällen jedweder Art von Bäumen untersagt, die größer als 1,30 Meter sind und deren Stammumfang 89 Zentimeter übersteigt. Ausgenommen sind alle Obstbäume, die Ertragszwecken dienen (mit Ausnahme von Walnussbäumen und Esskastanien), Birken, Weiden, Pappeln und Nadelgehölze, es sei denn, sie sind für die Prägung des Ortsbildes bedeutsam, sowie Bäume in Baumschulen und Gärtnereien, wenn sie Erwerbszwecken dienen.

Ausnahmen sind gleichwohl möglich, bedürfen aber per Antrag der Genehmigung durch die Stadt. 2018 wurden 174 Fällungen beantragt, davon wurden 144 genehmigt. Im Jahr zuvor waren es bei 172 Anträgen noch 130 Genehmigungen.