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Ein Teil ihrer Arbeit: Diana Erdmann versorgt Rehkitze, die verletzt oder als Waisenkind bei ihr abgegeben wurden, mit Milch. Fotos: tl

Täglich jede Menge Neuzugänge

Soltau/Lüneburg. Es ist wieder so weit: Hochsaison, nicht nur im Freibad, sondern auch bei der Wildtierhilfe Lüneburger Heide: In der Auffangstation auf dem Emhof nahe Soltau kommen täglich 30 bis 50 Jungtiere an. Stockenten, Singvögel, Greifvögel, Waschbären – sie alle sollen in der Station aufgenommen werden, aktuell wohnen dort 150 Jungtiere. Denn es ist Zeit für Nachwuchs im Tierreich. Was ist zu tun, wenn man Tierbabys im Garten findet?

„Hände weg!“, rät Diana Erdmann, Vorsitzende der Wildtierhilfe Lüneburger Heide. Meist sei die Aufnahme von Jungtieren „1-A-Kindesentführung“, sagt sie. Bei Vögeln sei es ganz normal, dass sie bei ihren ersten Flugversuchen den Ast verfehlen und auf dem Boden landen. Besonders wenn der Vogel schon befiedert ist, bestehe keine Gefahr, die Eltern kümmern sich im Normalfall. Wenn der Vogel noch nackt ist, empfiehlt es sich, ihn vorsichtig zurück ins Netz zu setzen – das Gleiche gelte bei Fledermäusen. Auch Hasen brauchen erstmal keine Hilfe: Manche Leute würden eine Stunde bei den kleinen Hasen stehen und sich wundern, wenn die Mutter nicht kommt. Doch erstens käme die Mutter nicht, wenn Menschen dabei stehen, und zweitens füttere sie ihre Jungen nur morgens und abends, erklärt Erdmann.

Vorsicht geboten sei bei der Fütterung

Mit einem Vorurteil räumt Erdmann auf: „Man darf Jungtiere anfassen“, sagt sie, „es ist absoluter Aberglaube, dass die Eltern das Baby verstoßen, wenn es berührt wurde.“ Einen Nachteil gibt es aber doch: Ihre Duftneutralität schützt die Jungen vor Angreifern. Darum soll man sie mit Gras abreiben, wenn man sie angefasst hat.

Vorsicht geboten sei bei der Fütterung: Je nach Art, Gewicht, Alter brauche das Tier anderes Futter. Besonders schlecht sei es, Milch zu geben – auch keine Katzenmilch. Sei ein Tier unterkühlt, könne es die Milch nicht verdauen und würde kollabieren. Erdmann erzählt von kuriosen Einfällen: „Einmal haben Leute einen Turmfalken mit Sahnetorte gefüttert, weil sie keine Milch zu Hause hatten.“ Im Notfall solle man den Tieren eine isotonische Lösung zu trinken geben: Wasser mit ein bisschen Traubenzucker und einer Prise Salz.

Häufig würden Tiere falsch aufgenommen. Die beste Lösung sei, bei den Auffangstationen anzurufen, wenn man sich nicht sicher ist, ob das Tierbaby überhaupt Hilfe braucht. Durch Whatsapp sei Vieles leichter geworden: Mit einem Foto wüssten die Tierschützer oft schon, was zu tun sei. lz

Weitere Infos im Netz unter www.wildtier-hilfe.de