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Männer und Maschinen (v.l.): Jürgen Bunge, Joachim Reimers, Bernd und Jürgen Wöhlke. Foto: t&w

Die Faszination von altem Blech

Barskamp. Jürgen Bunge ist 63 Jahre alt – ein gestandener Mann: Aber wenn er über seinen Opel Monza spricht, dann ist das Alter vergessen, dann fühlt sich der gelernte Kaufmann wieder jung. „Schon als junger Mann wollte ich dieses Auto besitzen“, sagt er und seine Augen leuchten. Dennoch musste er Jahrzehnte warten, bis er sich seinen automobilen Traum erfüllen konnte. Und wer könnte Bunges Faszination für Oldtimer besser nachvollziehen als Bernd Wöhlke? Der Barskamper mit dem markanten, blonden Schnauzbart ist Vorsitzender der „Oldtimer-Freunde Elbtalaue Bleckede“ – dem Verein also, der am Sonntag, 11. August, auf dem Festplatz am Bleckeder Elbschloss bereits das 36. Oldtimertreffen veranstaltet.

Aber wer sind die Männer, deren Herz beim Anblick von altem Blech und Eisen lauter und schneller schlägt? „Sie können uns gerne besuchen kommen!“, hatte Wöhlke vor geraumer Zeit zur Stippvisite in seine Werkstatt nach Barskamp eingeladen – und der ist die LZ jetzt natürlich gerne gefolgt.

Werkstatt war Drehort für die Roten Rosen

Dort warten an diesem späten Dienstagnachmittag neben Bernd Wöhlke (66) auch sein Bruder Jürgen (64), Jochen Reimers (70) und Jürgen Bunge. Auch sie sind, wie könnte es anders sein, als begeisterte Oldtimer-Freunde Mitglied im Verein.

Eine Hebebühne, Werkzeug an den Wänden, Blechschilder, Ersatzteile, Öle und Pflegemittel in den Regalen… Wöhlkes Werkstatt präsentiert sich genau so, wie eine Schrauber-Werkstatt aussehen muss. Fanden übrigens auch die Macher der ARD-Serie „Rote Rosen“, die Wöhlkes Werkstatt in Barskamp als idealen Außen-Drehort für einen ihrer Hauptdarsteller entdeckt hatten. Hakim-Michael Meziani alias Ben Berger nutzte die Werkstatt laut Drehbuch, um an Vintage-Motorrädern zu schrauben.

Bernd Wöhlke erzählt diese Episode eher beiläufig. Viel lieber wollen er und seine Mitstreiter über ihre Fahrzeuge, ihre Motivation und über ihren Verein sprechen. Denn der besteht zurzeit aus nur 18 Mitgliedern. Alles Männer im Alter von Ende 30 bis Mitte 70. „Natürlich halten wir auch Ausschau nach neuen Mitgliedern, gerne auch weiblich“, sagt Bernd Wöhlke.

Spaß an alter Technik

Wer Interesse hat, muss nicht unbedingt Besitzer eines Oldtimers sein. „Viel wichtiger ist uns, dass mögliche Interessenten Spaß an alter Technik haben, wissbegierig und sich nicht zu schade sind, auch mal zuzupacken. Zum Beispiel bei der Vorbereitung und Durchführung des Oldtimertreffens.

Doch warum übt gerade die alte Technik auf so viele Menschen eine so große Faszination aus? Erklärungsversuche von denen, die es wissen müssen: „Da werden Erinnerungen an die Jugendzeit wach“, sagt Jürgen Bunge. Und Joachim Reimers, gelernter Kfz-Mechaniker, ergänzt: „Die alte Technik ist noch überschaubar und nachvollziehbar.“

„Schauen Sie mal nach oben…“, sagt Bernd Wöhlke und deutet auf zwei alte grüne Rückleuchten eines VW-Käfers die er an der Wand festgeschraubt hat. Natürlich hat Wöhlke auch zu denen eine Geschichte parat: „Anfang der 1970er-Jahre hatte ich meine Lehre bei einem Volkswagenhändler gemacht. Der Meister hatte mir erlaubt, dass ich alte, nicht mehr brauchbare Teile behalten darf, aus denen ich mir dann meinen ersten eigenen Käfer zusammenschraubte“, erinnert sich Wöhlke. Die beiden Rücklichter sind die letzen Überbleibsel aus dieser Zeit.

Die BMW fährt jetzt der Bruder

Aber selbstverständlich besitzt Bernd Wöhlke auch komplette Oldtimer-Fahrzeuge: Einen Deutz-Trecker zu Beispiel. „Ein Erbstück“, berichtet er stolz. In der Garage nebenan steht eine wunderbar restaurierte Isetta, außerdem besitzt der 66-jährige Vorsitzende der Oldtimer-Freunde noch einen VW 1600 und ein R25/3-BMW-Gespann. Bis vor Kurzem war er auch noch stolzer Besitzer einer BMW R 90 S. Doch die fährt jetzt seiner Bruder Jürgen.

Gesundheitliche Probleme hatten ihn dazu bewogen, die Maschine abzugeben. Immerhin: Eine Suzuki Bandit steht noch in der Werkstatt, wartet darauf, gefahren zu werden. „Wenn es mich wirklich mal juckt“, sagt Wöhlke und schmunzelt.

Solche Sorgen kennt Joachim Reimers nicht: Zum LZ-Termin ist der 70-Jährige mit seinem perfekt restaurierten Opel Kapitän, Baujahr 1939, vorgefahren. Erworben hatte er ihn vor neun Jahren in Stiepelse. „Der Vorbesitzer wiederum hatte das Auto aus der Konkursmasse eines Opel-Hauses erworben“, berichtet Reimers , der noch zwei weitere Opel-Oldtimer besitzt: Ein Olympia-Cabriolet, Baujahr 1936, und eine Olympia-Limousine aus dem Jahr 1949.

Hauptsache Oldtimer

Doch die Oldtimer-Freunde beobachten auch, dass sich die Szene ändert: „Amerikanische Fahrzeuge aus den 1950er-Jahren erfreuen sich eines immer größer werdenden Kreises von Liebhabern.“ Aber für die Vier aus Barskamp ist auch das völlig in Ordnung – Hauptsache Oldtimer.

Wer die Oldtimer-Freunde näher kennenlernen möchte: Jeden zweiten Donnerstag im Monat findet ein Stammtisch ab 20 Uhr in Bleckede im Restaurant „Waldfrieden“ statt. „Jeder ist willkommen“, verspricht Wöhlke.

Von Klaus Reschke