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In diesem Teil der ehemaligen Kettenstrafanstalt haben Brandschutzprüfer Sicherheitsmängel festgestellt. In Absprache mit der Stadt will man schnell handeln. (Foto: t&w)

Mangelhafter Brandschutz

Lüneburg. Der Lebensraum Diakonie hat ein Sicherheitsproblem auf dem Gelände der Herberge: Der linke Teil des ehemaligen Zuchthauses, in dem 36 Wohnungen liegen, weist laut Stadt „bautechnische Mängel“ auf. Dort bestätigt man LZ-Informationen, nach denen die Gebäude am Mittwoch von den Brandschutzprüfern des Landkreises untersucht worden waren. Ergebnis: „Als Sofortmaßnahme wurde eine Brandsicherheitswache angeordnet, das heißt, es müssen bis auf Weiteres zwei qualifizierte Personen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ein Auge auf die Brandverhütung haben.“ Im Rathaus sagt Sprecherin Suzanne Moenck: „Es geht um keine Kleinigkeit.“ Sie tritt aber Gerüchten entgegen, nach denen angeblich überlegt worden sein soll, das Haus zu schließen: „Das ist mir nicht bekannt.“

„Es stand uns nicht vor Augen, dass es diese Mängel gibt.“
Michael Elsner, Geschäftsführer Lebensraum Diakonie

Der Geschäftsführer des Verbandes und Betreiber des Gebäudes, Michael Elsner, betont, er habe in Absprache mit der Stadt sofort reagiert. Die Sicherheitswache werde durch eigenes Personal sowie einen Sicherheitsdienst gewährleistet. „Es stand uns nicht vor Augen, dass es diese Mängel gibt.“ Es habe in der Vergangenheit Einsätze und Übungen der Feuerwehr in dem Komplex gegeben, niemand habe in diesem Zusammenhang auf Probleme hingewiesen.

Feuerwehr hatte den Verein erst kürzlich kritisiert

Allerdings hatte es in der Vergangenheit durchaus schon Auflagen gegeben. Die bezogen sich auf den Außenbereich. Das bestätigt Elsner. So hatte die Feuerwehr gefordert, dass bei der Zufahrt ein Radius größer ausfallen müsse, damit die Helfer einfach gesagt mit der Drehleiter um die Ecke kommen. Auch hätte man Parkplätze verlagert, um bessere Aufstellflächen für Einsatzfahrzeuge zu schaffen und Bäume beschnitten, um den Brandbekämpfern mehr Raum für ihre roten Kolosse zu geben.

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Wohnungen liegen in dem Teil des Gebäudes, das nun beanstandet wurde

Die Feuerwehr hatte den Verein erst kürzlich kritisiert: Als die unter Denkmalschutz stehende Mauer der Herberge restauriert wurde, hatte die Herberge eine Ersatzzufahrt schaffen müssen, da sie das Tor eingerüstet hatte. Das Gerüst musste kurzzeitig wieder abgebaut werden: „Die Breite entsprach nicht den Vorgaben, die Zufahrt war zu steil, und das Mineralgemisch konnte man mit einem Fuß auseinander schieben“, hatte Volker Gätjens beschrieben. Der stellvertretende Stadtbrandmeister: „Vorgaben der Bauaufsicht waren nicht erfüllt.“ Die Feuerwehr komme im Ernstfall mit einer 16 Tonnen schweren Drehleiter, die müsse auf sicherem Untergrund bewegt werden. Die Herberge besserte nach.

Aktuell geht es auch um den sogenannten zweiten Fluchtweg, wenn es brennt. „Der soll über Anleitern gewährleistet werden“, erklärt Elsner. Das bedeutet, Bewohner sollen durch ihre Fenster aus dem Gebäude gerettet werden. An einer Stelle sei dies nicht möglich, da die Drehleiter dort zu wenig Bewegungungsfreiheit habe. Der betreffende Mieter erhält eine andere Wohnung, die Räume sollen vorerst nicht belegt werden.

Eine zweite Veränderung: Eine Art Conciergehäuschen ist im Weg. Das habe man vor Jahren errichtet, berichtet der Geschäftsführer. Nachdem es nicht mehr gebraucht wurde, hatte es sich in eine Werkstatt verwandelt: „Die bauen wir zurück.“

Suzanne Moenck bilanziert: „An der Begehung war auch die Bauaufsicht beteiligt, da es sich um ein Gebäude auf dem Gebiet der Stadt handelt. Die Begehung ergab Nachbesserungsbedarf in verschiedenen Punkten im Hauptgebäude. Details möchten wir nach außen nicht nennen, bevor wir den schriftlichen Bericht des Brandschutzprüfers vorliegen haben, den wir in den nächsten Tagen erwarten.“

Etat zur Bauunterhaltung wird umgeschichtet

Ähnlich äußert sich Elsner. Immerhin soll – nach Rücksprache mit der Verwaltung – in Kürze „ein Architekt eingebunden werden, der nötige Nachbesserungen baulicher Art betreut“. Er soll unter anderem Pläne der Rettungswege erstellen. Das vorhandene Material sei alt und nicht ausreichend, nun werde man es auch in digitaler Form erstellen.

Doch warum werden Stadt und Kreis erst jetzt aktiv? Suzanne Moenck erklärt es so: „Da es sich um ein Wohnhaus handelt, gibt es dort keine regelmäßige Überprüfung. Die findet ja auch in anderen Wohngebäuden nicht statt.“ Zwar seien Sozialarbeiter, Polizei und auch Feuerwehr regelmäßig vor Ort, doch die hätten eben nicht den Blick eines Brandschutzprüfers, der gezielt nach Schwachstellen suche. Aktuell sei man mit dem Träger „kooperativ unterwegs“.

Die zu erwartenden Arbeiten dürften nicht billig werden. Elsner sagt dazu, dass man Geld, das im Etat zur Bauunterhaltung eingeplant war, nun umschichte, um den Gebäudeteil entsprechend herzurichten.

Die Begleitung durch Brandsicherheitswachen ist nichts Neues für den Trägerverein. Vor zehn Jahren war bei einem Feuer im Wichernhaus ein Bewohner gestorben. In dem Heim für seelisch Behinderte an der Wichernstraße musste der Brandschutz verbessert werden. Bevor alles auf Stand war, schauten Wachen nach dem rechten.

Von Carlo Eggeling