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Der Kindergarten Moorfeld in Deutsch Evern öffnet am Montag nach der dreiwöchigen Sommerpause wieder seine Pforten. Für die Erzieher wird der Arbeitsbeginn allerdings alles andere als Routine werden. Sie sehen sich aufgrund von Vorwürfen unter besonderem Druck. (Foto: t&w)

Ermittlungen im Kindergarten

Deutsch Evern. Im Kindergarten Moorfeld in Deutsch Evern endet am Montag die dreiwöchige Sommerpause. Doch für Kiga-Leitung und Erzieherinnen wird der erste Tag wohl alles andere als ein normaler Arbeitsbeginn werden. Denn im Raum steht der Vorwurf der „Kindeswohlgefährdung“. Strafanzeige wurde erstattet, das Landesjugendamt und die Justiz eingeschaltet. Das gesamte Programm. Jan Christoph Hillmer, Pressesprecher der Lüneburger Staatsanwaltschaft bestätigt auf Anfrage der Landeszeitung, dass ein Ermittlungsverfahren anhängig sei, die Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen seien.

Die Erzieherinnen sehen sich unter Generalverdacht gestellt, wehren sich gegen die aus ihrer Sicht zu Unrecht erhobenen Vorwürfe und Anschuldigungen. Manch eine spricht von einer „Hetzkampagne“: „Wir alle haben den Beruf gewählt, weil wir das Wohl der Kinder im Auge haben“, sagt eine Erzieherin. Dass ihr Berufsethos jetzt in Frage gestellt werde, „ist nur traurig“.

Kritik an mangelnder Transparenz

Ins Rollen gebracht wurde die Affäre im Dezember vergangenen Jahres, als drei Erzieherinnen, die nicht mehr im Kindergarten Moorfeld arbeiten, Strafanzeige gegen ihre ehemaligen Kolleginnen stellten.

Eine Anzeige liegt der LZ in Kopie vor. Demnach soll eine Erzieherin ein Kind „ruckartig und grob am Arm gepackt“ und aus der Bauecke in den Gruppenraum gezogen und es angeschrien haben. Daraufhin habe nicht nur der Junge, sondern auch seine Schwester bitterlich begonnen zu weinen. Doch statt ihr „Fehlverhalten“ einzuräumen, habe die Erzieherin gesagt, dass er (der Junge), „froh sein soll, das sie so nett war“.

Der Unmut einiger Eltern richtet sich nicht nur gegen die betroffenen Bediensteten im Kiga Moorfeld, sondern vor allem auch gegen die Gemeinde Deutsch Evern als Träger des Kindergartens. Der Vorwurf: „Fehlende Transparenz“ bei der Aufarbeitung des Vorfalls.

Elternbrief schildert aktuellen Sachstand

Im Fokus der Kritik steht Gemeindedirektorin Stephanie Buntrock: „Hier wird kein Vertrauen geschaffen, im Gegenteil werden Chancen zur Kommunikation/Transparenz/Vertrauensbildung ungenutzt gelassen und die betroffenen Eltern nicht ernst genommen, sondern eher verhöhnt, wenn Frau Buntrock den Ermittlungsbehörden vorweggreift und sagt, es habe keine seelische oder körperliche Gewalt gegen Kinder gegeben“, heißt es in einem Schreiben an Buntrocks Vorgesetzten, Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD).

Stephanie Buntrock weist diesen Vorwurf zurück: „Anfang Dezember 2018 wurde die Gemeinde über das Vorliegen einer Strafanzeige gegen Mitarbeiter des Kindergartens informiert“, berichtet die Gemeindedirektorin. Daraufhin wurde schnellstmöglich ein Elternvertreterabend und auch ein Elternabend durchgeführt.“ Die angezeigten Vorfälle sollen sich im zweiten und dritten Quartal 2018 ereignet haben. Da die Vorfälle nicht verifiziert werden konnten, „hat die Gemeinde alle weiteren Verfahrensschritte ordnungsgemäß den Strafverfolgungsbehörden überlassen“. Parallel dazu sei das Jugendamt als auch das Landesjugendamt als Aufsichtsbehörde durch die Gemeinde eingebunden worden, die den gesamten Prozess seitdem intensiv begleiten.

Am Montag erhalten alle Eltern zudem einen Elternbrief, in dem die Gemeinde noch einmal den gesamten Sachstand schildert und darauf hinweist, dass auch eine zwischenzeitliche Prüfung durch das Landesjugendamt stattgefunden habe, „die aber zu keinerlei Beanstandungen geführt hat“.

Eltern fordern personelle Konsequenzen

Dass die Eltern trotzdem personelle Konsequenzen fordern, kann auch Rowohlt, obwohl für den Kindergarten nicht zuständig, nicht nachvollziehen: In seinem Antwortschreiben an die Eltern heißt es: „Zum Prinzip der Rechtsstaatlichkeit gehört auch, dass jedermann unschuldig ist, bis die Schuld bewiesen ist. Sie fordern personelle Konsequenzen, obwohl die staatsanwaltlichen Ermittlungen noch in Prüfung sind. Auch seitens der eingeschalteten Landesschulbehörde besteht diese Forderung nicht.“ Stattdessen bricht er eine Lanze für die Gemeinde und und die Erzieher: „Mein Eindruck ist, dass die Gemeinde derzeit alles dafür tut, die Kinder weiterhin bestmöglich zu betreuen. Alle Erzieherinnen sind extrem sensibilisiert und hinterfragen das Handeln von sich und den Kollegen sehr intensiv. Dafür bedient sich die Gemeinde zum einen externer Begleitung durch einen Coach und zum anderen erfolgen umfangreiche Prüfungen der zuständigen Behörden.“

Beruhigend wirkt das auf einige Eltern trotzdem nicht: Sie haben ihren Nachwuchs im Kiga Moorfeld ab- und im Kindergarten Dorfstraße angemeldet.

Von Klaus Reschke