Aktuell
Home | Lokales | Platt spürt Aufwind
„Moin Moin“ wird inzwischen als Gruß auch von Menschen verwendet, die nicht mit Platt aufgewachsen sind. Foto: Adobe Stock

Platt spürt Aufwind

Lüneburg. Die jetzige Eltern- und Großelterngeneration ist meist nur mit Hochdeutsch aufgewachsen. Die Regionalsprache Platt wurde im letzten Jahrhundert sogar als Hindernis gesehen, richtig Hochdeutsch zu lernen. Wenn auch viele heute Platt verstehen können; sprechen kann es von den Jüngeren kaum einer. Das scheint sich aber ganz allmählich zu ändern. Inzwischen haben Sprachfachleute auch erkannt, dass Platt sogar zu einem besseren Verständnis für Hochdeutsch beitragen kann.

Es regt sich viel in der Platt-Szene: An mehreren Schulen im Lüneburger Bereich wird die alte Hansesprache unterrichtet und die Teilnahme am „Plattdeutschen Vorlesewettbewerb“ der Schulen ist rege. Als die Kindergruppe der Niederdeutschen Bühne Sülfmeister „Ronja Röversdochter“ aufgeführt hat, waren die Vorstellungen gut besucht.

Die lokale A-Capella-Gruppe Charmonia, die vor Jahren „allens platt“ gemacht hat und die für ihren „Gülletunnen-Blues“ bekannt war, ist nach einer Pause immer noch aktiv und wird sich bald wieder melden. Außerdem gibt es den erfolgreichen plattdeutschen Musikwettbewerb „Plattsounds“, der ebenfalls zeigt, dass Plattdeutsch und moderne Musik gut zusammenpassen und dessen nächstes Bandfestival im November 2019 in Stade stattfindet.

Anregungen und Hilfen für den Unterricht

Die Lüneburger VHS ist ebenfalls auf diesem Gebiet aktiv und bietet ab September wieder einen Plattdeutsch-Kurs im Salzmuseum an. Wenn sich jemand von den Teilnehmern traut, dann kann er oder sie danach sogar spezielle Führungen im Salzmuseum übernehmen – natürlich auf Platt.

Früher wurde die Sprache fast ausschließlich mündlich weitergegeben. Das funktioniert heute nicht mehr so leicht. Inzwischen gibt es darum viele schriftliche Hilfen für Leute, die Platt lernen möchten. So wurden im Bereich Oldenburg spezielle Broschüren entwickelt: „Plattdüütsch in de Pleeg“, „Plattdüütsch för Dienstleister“ und „Plattdüütsch in de Landwirtschaft“. Mit den kleinen Büchlein kann jeder recht einfach das norddeutsche Kulturgut Platt im Alltag einsetzen. Das Oldenburger Platt unterscheidet sich aber vom hiesigen Nordheide-Platt, darum hat der Lüneburgische Landschaftsverband „Plattdüütsch för Dienstleister“ dem Platt aus unserem Bereich angepasst (www.lueneburgischer-landschaftsverband.de).

Anregungen und Hilfen für den Unterricht

Auch im Internet finden sich viele plattdeutsche Seiten, die sich auch an Jüngere wenden und es gibt sogar ein Wikipedia auf Platt. Bei der Lehrerplattform ZUM.de gibt es ein Wiki mit Anregungen und Hilfen für den Unterricht, an dem jeder Interessierte mitarbeiten kann.

Mit der Rubrik „Wi snackt Platt“ hat auch die LZ einen Anteil an dieser Entwicklung. Anfangs gab es dabei nur einzelne Schreiber wie „Veerkantenmudder“ aus Vögelsen oder Friedrich Hasselmann. Später ist es dann Helmut Möhring gelungen, weitere Autorinnen und Autoren zu finden, die regelmäßig Beiträge auf Plattdeutsch geliefert haben und danach hat sich Rolf Kliemann aus Kirchgellersen zwölf Jahre lang als Lektor um die Rubrik und die Autoren gekümmert und die unterschiedlichen Platt-Varianten ausgeglichen. Inzwischen gibt es sogar auf der Kinderseite regelmäßig plattdeutsche Texte – allerdings noch mit der hochdeutschen Übertragung als Hilfe. Rückmeldungen von Lesern zeigen, dass die Texte gern gelesen werden – auch von Leuten, die hochdeutsch aufgewachsen sind. je