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Leah Lazarus macht eine Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien. Foto: Michael Behns

Lehrjahre bei den Stars

Lüneburg. Es gibt ja mehrere Möglichkeiten, von seinem Job zu erzählen. Je nach Art und Weise fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Dass sie angehende Kauffrau für audiovisuelle Medien ist, mit dieser Information würde Leah Lazarus ihre Tätigkeit formal absolut korrekt beschreiben. Höfliche Gesprächspartner nicken dann und fragen womöglich noch einmal kurz nach, was sich denn genau dahinter verbirgt. Wenn die Hamburgerin aber erzählt, dass sie eine Ausbildung bei den Roten Rosen macht, fällt die Reaktion weit weniger verhalten aus. Dann ist nahezu jeder gleich Feuer und Flamme und will mehr wissen.

Seit zwei Jahren ist das Produktionsgelände der ARD-Serie im Lüneburger Industriegebiet Hafen der Arbeitsplatz von Leah Lazarus. Eigentlich habe sie schon immer was im Medienbereich machen wollen, sich dann aber zunächst für ein BWL-Studium entschieden. „Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass das nicht das Richtige ist für mich“, verrät die 27-Jährige. Also doch was mit Medien. Sie habe sich auf mehrere Stellen bundesweit beworben – „bei den Rosen hat es dann geklappt“. Ein halbes Jahr vor dem Ende ihrer Lehre steht für sie schon fest: Es war eine gute Wahl.

„Ah, meine Oma guckt das“

„Wenn ich erzähle, was ich beruflich mache, höre ich jedes Mal den selben Spruch: ,Ah, meine Oma guckt das‘“, sagt Leah Lazarus und lächelt, denn sie hat auch festgestellt: „Jeder kennt die Serie, hat zumindest mal ein, zwei Folgen gesehen – und wenn es mit der Oma war.“ Sie erinnert sich noch gut an die ersten Tage an ihrem Arbeitsplatz, wie beeindruckt sie gewesen ist von den Studios, aber auch von dem enormen Pensum, mit dem hier Fernsehminuten produziert werden. „Anfangs habe ich es mir auch schon mal zu Herzen genommen, wenn dann der enorme Stress auch mal raus muss und an einem abgelassen wird. Aber das muss man eben aushalten. Vor allem ist das nach 5 Minuten wieder vergessen“, sagt sie und verrät: „Ich habe lange gekellnert, das hat mir sehr geholfen, mich auf ganz unterschiedliche Typen von Menschen einzustellen und mit ihnen klarzukommen.“

Alles in allem sei die Atmosphäre am Set sehr herzlich, keiner der Darsteller habe übertriebene Allüren, so dass sie inzwischen schon etwas routinierter über ihren Alltag mit den ganzen Fernsehleuten bilanzieren kann: „Es ist ein sehr stressiger Beruf, aber er macht auch total viel Spaß, weil ich hier wirklich in jede Abteilung reinschnuppern kann.“ Quasi ganz nach dem Motto: Mittendrin statt nur dabei. „Es wird nie langweilig, jede Abteilung ist super interessant. Und es passiert immer was.“

Sie pendelt von Hamburg nach Lüneburg

Natürlich habe sie viel mit Büroarbeit zu tun – telefonieren, E-Mail-Korrespondenz, Postbearbeitung – es ist ja eine kaufmännische Ausbildung. Doch der Arbeitsplatz in den Rosen-Studios bietet eben doch besondere Facetten. So kümmere sie sich auch mal um die Schauspielerbetreuung, zuletzt beim Fan-Tag wieder, buche Komparsen oder bereite die Castings vor, bei denen sie dann auch dabei ist und Protokoll führt. Sicher, es gibt auch Aufgaben, die nicht unbedingt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehören. Die für die Schauspieler relevanten Drehbuchpassagen rauszusuchen und zu verteilen, zum Beispiel. „Aber früher wurden die Drehbücher komplett rausgegeben, so sparen wir jetzt Papier, das hat also auch was Gutes“, sagt sie.

Selbstredend ist sie inzwischen auch eine Kennerin der Rosen-Geschichten, auch wenn sie selbst mit 27 Jahren nicht zur eigentlichen Zielgruppe der Serie gehört und „vielleicht mal eine Folge komplett gesehen hat, aber man kriegt hier quasi nebenbei alles Wichtige mit, was in der Serie passiert“.

Berufsschule ist in Hamburg

Zur Arbeit pendelt sie von Hamburg nach Lüneburg. „Ich hatte überlegt herzuziehen, aber meine Berufsschule ist in Hamburg und Teile meiner Ausbildung muss ich dort absolvieren, weil es einige Abteilungen wie die Buchhaltung hier in Lüneburg nicht gibt, deshalb habe ich mich dagegen entschieden.“ Doch die Pendelei habe auch ihr Gutes: „Wenn ich durch Lüneburg gehe, ist das wie Urlaub.“

Gern würde sie auch nach dem Ende ihrer Ausbildung im Januar weiter bei den Rosen bleiben, „wenn es denn eine passende Stelle gibt“. Und langfristig? „Da würde ich gern mal zum Film gehen.“

Von Alexander Hempelmann