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Mit zwei Wohnbaugebieten wollen Lüneburg und Reppenstedt den sogenannten 3D-Campus gestalten.

Hickhack um 3D-Campus

Lüneburg. Das Interessanteste an Pressemitteilungen ist meist das, was nicht drinsteht: „Der Landkreis Lüneburg stellt sich hinter die Entwicklung der 3D-Druck Initiative zu einem Digital-Campus“, das teilt die Pressestelle des Landkreises mit und bezieht sich damit auf die letzte Kreistagssitzung vor der Sommerpause am 1. Juli. Nicht erwähnt ist das Abstimmungsergebnis: 21 Ja-Stimmen, 17 mal Nein und 11 Enthaltungen. Tatsächlich war die Diskussion über den Antrag der SPD sehr kontrovers. Dabei hatte auch Kreistagsabgeordneter Hinrich Bonin (SPD) gehofft, „mit einer starken Stimme“ gegenüber Hannover aufzutreten.

Zwischenzeitlichen Gerüchten, dass das zentrale 3D-Druck-Unternehmen „Bionic Production“ den Standort Lüneburg sogar verlassen könnte, tritt auf LZ-Nachfrage Hans-Jörg Heims von der Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft (HHLA) entgegen. Die HHLA will Mehrheitsgesellschafter werden.

Zunächst hatte die SPD-Fraktion im Wirtschaftsausschuss des Kreistags mehrere Anläufe gebraucht, um ihren Antrag durchzukriegen, um das 3D-Campus-Projekt der Stadt Lüneburg zu unterstützen. Zweimal wollte ein Spagat nicht gelingen: Einwohnerfragen zu dem Projekt wurden wiederholt abgebügelt mit dem Hinweis, man sei als Kreistag nicht zuständig für ein Projekt der Kommunen. Das musste dann auch für den SPD-Antrag gelten, der ursprünglich auch die Verbindung von innovativen Arbeitsplätzen mit Wohnen im Grünen hervorgehoben hatte. Das war zu nah an der Bauleitplanung der Kommunen Lüneburg und Reppenstedt. Zuviel Einmischung.

„Top Chance“ für die ganze Region?

Mit einer allgemeiner gehaltenen Formulierung passierte der Antrag schließlich den Ausschuss, vor allem getragen von den Fraktionen der SPD und AfD. Die Mehrheit hatte sich enthalten. Ähnlich ging es dann im Kreistag weiter. Die Sozialdemokraten warben mit Verve dafür, den Landrat zu beauftragen, den 3D-Druck-Campus zu begleiten und bei der Einwerbung von Fördermitteln behilflich zu sein.

Bonin sprach von einer „Top-Chance“ für die ganze Region. Und SPD-Fraktionsvorsitzender Franz-Josef Kamp (SPD) verstand die angeblich „plötzlichen Vorbehalte“ der anderen Fraktionen nicht. Petra Kruse-Runge (Grüne) erinnerte Kamp, dass ihre Fraktion das Projekt wegen der möglichen Bebauung im Grüngürtel- West, der Frischluftschneise der Stadt, stets kritisch gesehen habe: „Wir waren alles andere als begeistert!“

„Wir sind daran interessiert, dass das Projekt zum Fliegen kommt“

Die SPD-Fraktion ließ nicht locker: Andrea Schröder-Ehlers befand zudem die „Logik abenteuerlich“, dass sich der Kreistag zu keinen Themen mehr äußern sollte, die im Zuständigkeitsbereich anderer lägen, „dann hätten wir ja gar nichts mehr zu sagen“. Das wäre in diesem Fall wohl auch Günter Dubber (CDU) sogar lieber gewesen, der seiner Ermüdung Ausdruck verlieh, den SPD-Antrag nun schon zum vierten Mal behandeln zu müssen. Abermals war es vor allem die AfD-Fraktion, die die SPD bei der Abstimmung unterstützte.

Was auch in keiner Pressemitteilung steht: Was hält eigentlich die „Bionic Production“ am ehemaligen Fachhochschul-Standort Volgershall in Lüneburg von der 3D-Campus-Idee? Zwar sei das Unternehmen bei den Planungen nicht so eng eingebunden, heißt es, aber: „Wir sind daran interessiert, dass das Projekt zum Fliegen kommt“, sagt auf LZ-Nachfrage Vorstand Wolfgang Bülow. Denn: „Es könnte ein Standort-Vorteil sein im Wettbewerb um die Ansiedlung weiterer Unternehmen, die sich im Bereich 3D-Druck bewegen, beispielsweise Softwareunternehmen oder Ingenieurbüros.“

Die Bionic Production ist eine Ausgründung der Laser Zentrum Nord GmbH in Hamburg. Bionic Production stellt in Lüneburg zudem der Außenstelle der Fraunhofer-Einrichtung für Additive Produktionstechnologien Räumlichkeiten zur Verfügung.

Konzern will Zugang zum Zukunftsmarkt

Bereits im Frühjahr hatte der Hafenkonzern HHLA angekündigt, sich eine Mehrheitsbeteiligung an der Bionic Production zu sichern. HHLA-Sprecher Heims ging davon aus, dass die letzten Gespräche jetzt Ende Juli geführt würden. Mit der Beteiligung wolle die HHLA ihren Zugang „zu einem sehr stark wachsenden Markt beschleunigen, gleichzeitig logistische Dienstleistungen rund um die additive Fertigung entwickeln“ und den Hamburger Einfluss stärken.

Auf LZ-Nachfrage, was das für den Standort Lüneburg bedeutet, sagte Heims: „Die HHLA sieht Bionic auch in der Zukunft in Lüneburg und wird ihren Beitrag leisten, damit sich das Unternehmen am Standort weiter erfolgreich entwickelt.“

Von Dennis Thomas