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Philipp Trzeciak (r.) von der Leuphana Uni Lüneburg kam im Taekwon-Do-Wettbewerb in der Gewichtsklasse bis 87 Kilo bis ins Achtelfinale. Foto: Arndt Falter

Jede Anstrengung wert

Lüneburg. Es waren harte drei Wochen. Empfänge, Veranstaltungen, Sport-Wettkämpfe, täglich mussten kleinere und größere Probleme organisatorischer Art gelöst werden. Aber für David Storek, Lehramtsstudent an der Leuphana Lüneburg, war es jede Anstrengung wert. Mehr noch: „Ich hatte viele tolle Begegnungen, viele positive Gedanken und Gespräche. Ich habe diese Momente sehr genossen.“ Der 25-Jährige fungierte im Juli bei der Universiade in Neapel als Leiter der deutschen Delegation.

Neben David Storek war mit Philipp Trzeciak noch ein weiterer Leuphana-Student in Süditalien dabei – als Aktiver. Trzeciak startete im Taekwon-Do, schied in der Gewichtsklasse bis 87 Kilo knapp im Achtelfinale aus. „Er hatte einfach ein bisschen Pech“, erläutert Storek, „normalerweise startet er in der Klasse bis 80 Kilo. Das macht schon einen deutlichen Unterschied. Es war auch in Neapel die Weltklasse vertreten.“

Medaillenspiegel ist nicht alles

Die Universiade kann man als Olympische Spiele der Studierenden bezeichnen, es ist die größte Multisportveranstaltung nach Olympia. In Neapel waren etwa 8000 Athletinnen und Athleten in 14 Sportarten am Start. Für Deutschland starteten 124 Aktive.

Die Weltsportspiele sind für jüngere Athleten gedacht, es gilt dort die Altersgrenze U 25. Erfolgreichste Nation in Neapel war Japan. „Die haben alles auflaufen lassen, was irgendwie unter 25 Jahren war“, sagt Storek mit leicht ironischem Unterton. Kein Wunder: Im kommenden Jahr trägt Tokio die Olympischen Sommerspiele aus. Die Universiade war da eine perfekte sportliche Generalprobe.

Das deutsche Team holte insgesamt 18 Medaillen, darunter eine goldene im 1500-m-Lauf der Frauen durch Caterina Granz aus Berlin. „Wir sind mit den sportlichen Leistungen unserer Athleten sehr zufrieden. Ziel waren 15 Medaillen“, erklärt Storek, „aber der Medaillenspiegel ist für uns letztlich nicht entscheidend. Wir schauen viel mehr auf die Finalteilnahmen. Und da haben sich etwa 70 Prozent unserer Sportler in den Top 8 platziert. Das ist eine starke Ausbeute.“

Gut klimatisierte Messehallen

Organisatorisch gab es aus Sicht von David Storek in Neapel Licht und Schatten. Dass die Wettkampfstätten teilweise ziemlich weit auseinander lagen, war bekannt. Um die Entfernungen schnell und einigermaßen bequem überbrücken zu können, waren Shuttle-Busse geplant, die aber häufig gar nicht oder nur verspätet gefahren seien. „Wenn Athleten dringend einen zeitgebundenen Termin hatten, zum Beispiel einen Wettkampf, haben wir auf Verbandskosten Taxis eingesetzt“, sagt Storek.

Die meisten deutschen Sportlerinnen und Sportler waren auf Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Neapel untergebracht, fühlten sich dort sehr wohl. Andere Delegationen berichteten aber auch von deutlich weniger komfortablen Unterkünften in den Außenbezirken.

Die Sportstätten an sich bewertet Storek sehr positiv: gut klimatisierte Messehallen, ein renoviertes Schwimmstadien. Weniger geklappt hat offenbar das Marketing und das Ticketing generell. „Bei den Wettbewerben waren oft sehr wenig Zuschauer“, sagt Storek. So hätten sich im Stadion San Paolo, wo normalerweise der SSC Neapel seine Heimspiele austrägt und das ein Fassungsvermögen von etwa 60.000 Zuschauern hat, oft nur 3000 Menschen verloren. Immerhin bei der Eröffnungs- und der Schlussfeier waren jeweils knapp 45.000 Zuschauer da – mehr Karten durften aus Sicherheitsgründen nicht verkauft werden.

Bemühen um deutsche Kandidatur für 2025

Das „Olympia light“ hat bei Storek, der auch im Vorstand des allgemeinen deutschen Hochschulsportverbandes (ADH) sitzt, einen großen Eindruck hinterlassen. Der ADH ist bestrebt, die Universiade 2025 nach Deutschland zu holen. Nach einer umfangreichen Potenzialanalyse sind aktuell noch vier Kandidaten für eine deutsche Bewerbung im Rennen: Berlin, Leipzig, Frankfurt/Main und die Region Rhein-Ruhr.

In Neapel nutzte das deutsche Funktionsteam die Chance, mit vielen deutschen Politikern, die vor Ort waren, ins Gespräch zu kommen und intensiv für eine deutsche Kandidatur zu werben. Denn ohne die Unterstützung der Politik, vor allem des Bundesinnenministeriums, wäre diese wohl aussichtslos.

Von Matthias Sobottka